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Iveco Daily im Test: Gangwechsel in Millisekunden

Iveco sieht im neuen Daily nun auch auf Wunsch eine Achtgang-Automatik vor und spannt sie mit der 205 PS-Variante des Dreiliter-Diesels zusammen. Firmenauto wollte wissen, ob der Triebstrang überzeugt.

Trotz des großen Gewichts, üppiger Außenabmessungen und hohen Dachs überrascht der silbergraue Kastenwagen bereits auf den ersten Kilometern. Der Iveco zeigt Fahrwerte, die mehr einem sportlichen Pkw als ­einem mittelschweren Transporter gleichen.

Top-Variante des Dreiliter-Diesels

Kein Wunder: Unter der neu gestalteten Nase des Daily sitzt im Testwagen die Top-Variante des Dreiliter-Diesels mit 205 PS. Beatmet durch zwei Turbolader entwickelt das Aggregat ein maximales Drehmoment von satten 470 Nm. Liefern kann Iveco den Vierzylinder zunächst nur in Euro-5-Version für die Light-Duty-Modelle.

Ersatz für das das bisherige Agile-Getriebe

Eine neue Automatik namens Hi-Matic mit acht Schaltstufen bringt die Leistung auf die Straße. Das Getriebe mit hydraulischem Wandler stammt von ZF. Es deckt einen Drehmomentbereich von 220 bis 750 Nm ab und kommt unter der ZF-internen Aggregatbezeichnung 8HP70 auch in diversen Oberklasse-Pkw zum Einsatz. Im Daily ersetzt es das bisherige Agile-Getriebe mit automatisierter Kupplung.

Gute Rundumsicht

Zur guten Rundumsicht, auch in Richtung Beifahrerseite nach rechts unten, tragen große, durch ein unteres Weitwinkelsegment geteilte Seitenspiegel bei. Das Rangieren nach hinten erleichtert eine optional erhältliche, oben im Heck eingebaute Kamera. Ihre Bilder gibt sie an ein großes, in der Mittelkonsole der Armaturen installiertes Display aus, das gleichzeitig auch der Anzeige des optionalen Navigationsgeräts dient.

Teilweise verdeckte Instrumente

Der Arbeitsplatz des neuen Daily ist klar gegliedert, Schalter und Bedienhebel sitzen dort, wo man sie erwartet. Ablagen und Fächer sind ausreichend vorhanden. Die Architektur des Innenraums im Daily kann in Sachen Ergonomie, Handling und Praxistauglichkeit mit seinen Mitbewerbern wie Mercedes Sprinter, VW Crafter oder Ford Transit durchaus mithalten. Mit einer kleinen Einschränkung: Die Instrumente sind zwar kontrastreich gezeichnet, aber dennoch nicht einfach abzulesen. Die umliegenden Blenden halten wohl Seitenlichteinfall fern, wegen der relativ schwachen, roten Instrumenten-Hinterleuchtung ist jedoch das gesamte Anzeigen-Ensemble eher dunkel. Hinzu kommt, dass das Lenkrad zwar in der Länge, nicht aber in der Neigung verstellbar ist. Sein Mittelsegment verdeckt dadurch immer einen Teil der Instrumente.

Wendig zu bewegender Kandidat

Bei den Testfahrten in der Region zwischen Oberschwaben und Stuttgart zeigte sich der neue ­Daily als ein recht wendig zu bewegender Kandidat, trotz seines auf Standfestigkeit, hohe Gesamtgewichte und Aufbauten-Freundlichkeit ausgelegten Leiterrahmen-Konzepts. Ausgeladen war der Testwagen auf 3.100 Kilogramm.

Neue Stoßdämpferanlenkung an der Hinterradschwinge

Auf zügig gefahrenen, kurvigen Strecken pariert das Fahrwerk trotz des hohen Schwerpunkts mit nur minimalen Aufbaubewegungen. Selbst bei abruptem Lenkeinschlag reagiert das Fahrwerk mit der Querblatt-gefederten Doppeldreieckslenker-Achse vorne und der neuen Stoßdämpferanlenkung an der Hinterradschwinge immer akkurat und gutmütig. Einen wesentlichen Beitrag zum Federungskomfort des Testwagens leisten die hydraulisch gefederten Sitze.

Schalten ohne Zugkraftunterbrechung

Unser Hauptaugenmerk bei den Testfahrten liegt indes auf der neuen Wandler-Automatik und dem 205 PS starken Antrieb. Diese Paarung spielt ihre Stärken unabhängig davon aus, ob sich der Daily in der Stadt, auf Überlandtouren oder über die Autobahn bewegt. Besonders auf kurviger Strecke überzeugt der exakte Gangwechsel mit einer optimalen zeitlichen Abstimmung. Zugkraftunterbrechungen während der Schaltvorgänge sind so gut wie nicht zu spüren. Ein Blick in die technischen Daten untermauert den subjektiven Eindruck. Die Zeit zwischen einem Gangwechsel beträgt rund 200 Millisekunden, unwesentlich mehr als ein Augenschlag – ist also nicht mehr bewusst wahrzunehmen.

Die Software nutzt das Motorbremsmoment

Dabei hebt sich das Getriebe wohltuend von der bisherigen Agile-Schaltung mit ihren langen Schaltpausen und der teils unkoordinierten Gangwahl ab. Das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe war bisher die bessere Alternative. Auch bei der Fahrt auf Gefällestrecken, besonders beladen, bewährt sich die Hi-Matic: Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gaspedal, nutzt die Software das Motorbremsmoment, indem sie auch bei steigender Drehzahl den Gang hält.

Lang übersetzte achte Fahrstufe

Wer den 3,5-Tonner noch flotter über die Straße bewegen will, wechselt innerhalb der Getriebesoftware in den Powermodus, der spätere Gangwechsel bei etwas höheren Drehzahlen vornimmt. Davon abgesehen lässt sich in die Wandler-Automatik auch jederzeit per manuellen Gangwechsel eingreifen. Auf der Autobahn im Eco-Modus hangelt sich die Hi-Matic hingegen bei niedrigsten Drehzahlen durch die Gänge. Die lang übersetzte achte Stufe sorgt nicht nur für Ruhe im Fahrerhaus, sondern auch für Verbräuche unter neun Litern pro 100 Kilometer – selbst bei Geschwindigkeiten zwischen 130 und 150 Kilometern pro Stunde.

Komfortabel und wendig

In der Stadt lässt sich der Daily äußerst flexibel bewegen. Wie bei jedem anderen Hochdachtransporter auch tut der Fahrer indessen gut daran, Durchfahrtshöhen im Auge zu behalten. Die Hi-Matic agiert entspannter als die Agile-Schaltung, ein Kriech-Modus sowie ein Wendekreis von 12,74 Metern erleichtern das Rangieren auf engem Raum. Die Hill-Hold-Funktion vereinfacht das Anfahren am Berg. Bei dichtem Verkehr in der Stadt oder auf der Autobahn erleichtert die Automatik dem Fahrer das Leben entscheidend: Er konzentriert sich auf die Straße und nicht aufs Rühren im Getriebe.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

22. Oktober 2015
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