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Kaufberatung Jaguar XE: Die sportliche Limousine im ausführlichen Test

Mit agilen Fahreigenschaften fordert der Jaguar XE den BMW 3er heraus. Kann der exklusive Brite auch als Businesslimousine überzeugen und welche Motorisierung und Ausstattung passt? Das alles klärt unsere Kaufberatung.

Unsere britischen Nachbarn sind ja für ihren Eigensinn bekannt, fahren auf der falschen Straßenseite und haben manchmal einen schrägen Humor. Beim Jaguar XE aber verstehen die Briten keinen Spaß, sondern machen richtig Ernst. Zumindest hat die Nobelmarke aus Coventry mit ihrem Mittelklassemodell einen ernst zu nehmenden Gegner für Audi, BMW, Mercedes und Volvo auf die Räder gestellt. Nie zuvor waren die Engländer so dicht an der Premium-Konkurrenz dran wie heute.

Bei der Entwicklung des XE haben sie sehr viel Aufwand betrieben und ihrem Stufenheckmodell eine Menge feiner Zutaten mit auf den Weg gegeben. So bestehen Karosserie und viele Fahrwerkkomponenten (Doppelquerlenker vorne, Integral-Mehrlenkerachse hinten) des XE zu über 75 Prozent aus leichtem Aluminium. Das drückt das Gewicht und senkt natürlich den Spritverbrauch, der beim 163 PS starken Basisdiesel bei nur 3,8 Litern (99 Gramm CO2/km) liegt. Eine perfekt ausbalancierte Gewichtsverteilung von 50:50 sorgt darüber hinaus beim kleinsten Spross der Jaguar-Modellfamilie für eine gehörige Portion Fahrspaß.

Endlich wieder ein richtiger Jaguar

Im Vergleich zu seinem bis Ende 2009 gefertigten und auf dem Ford Mondeo aufbauenden Vorgänger X-Type, der noch unter Ford-Regie entstand, handelt es sich beim XE um eine völlige Eigenkonstruktion. Der Grund: Nachdem Ford im Jahr 2008 Jaguar an Tata verkaufte, fehlte der Lieferant eines technischen Baukastens.

Die britisch-indische Liaison tut der Marke gut. Seitdem die Inder bei Jaguar am Ruder sind, schießen sie kräftig Geld ins Unternehmen, halten sich aber aus dem Tagesgeschäft raus. Produziert wird weiterhin im Vereinigten Königreich, die traditionellen britischen Gene bleiben den Autos erhalten. Weiterer Vorteil: Die Marke muss sich nicht mehr im Teile­regal eines Massenherstellers bedienen, sondern baut wieder eigene Premium-Fahrzeuge. Das merkt man den Autos an.

Rein optisch setzt der Jaguar XE auf Understatement, ist eine erfrischende Alternative zu den teutonischen Businesslimousinen. Bisherige Fahrer eines Geschäftswagens vom Typ Audi A4, BMW 3er oder Mercedes C-Klasse könnten bei der eleganten  Frontpartie ins Schwärmen geraten. Sie verleiht dem Jaguar einen eigenen Charakter.

Betrachtet man ihn dagegen von schräg hinten, lassen sich durchaus Anleihen bei den Konkurrenten aus München und Ingolstadt erkennen. Zumindest aus dieser Perspektive scheint die britische Nobelschmiede bei ihrer Design-Attacke ein wenig der Mut verlassen zu haben. Doch wirkt die Außenhaut insgesamt wohl proportioniert und knackig geformt. Und mit einem cw-Wert von nur 0,26 beeindruckt die britische Katze in Sachen windschlüpfiger Aerodynamik.

Der Jaguar ist schick gestylt, aufwendig gemacht und beim Preis üben sich die Briten in vornehmer Zurückhaltung. So kostet der handgeschaltete XE 20d mit 180 PS gerade einmal 30.925 Euro. Ein vergleichbarer Audi A4 2.0 TDI mit 190 PS startet bei rund 32.400 Euro, ein gleich starker BMW 320d kostet gut 31.600 Euro. Mercedes verlangt sogar noch mehr. Der C 220 d geht erst für selbstbewusste 32.700 Euro über den Ladentisch und hat dabei gerade einmal nur 170 PS unter seiner Motorhaube

Großer Nachteil: Ein Kombi fehlt

Im direkten Vergleich können seine deutschen Wettbewerber jedoch einen entschiedenen Vorteil verbuchen. Dienstwagenfahrer, die nach einem Kombi fragen,  ernten vom nächstgelegenen Jaguar-Dealer nur ein höfliches Schulterzucken. Den bei uns so beliebten Gepäckträger können die Briten nämlich nicht liefern und werden ihn auch zukünftig nicht anbieten. Den XE gibt es damit ausschließlich in einer Karosserievariante.

Dafür haben die Briten mit dem XE eine besonders sportlich agile Limousine auf die Räder gestellt. Schnell angegangene Kurven meistert die britische Katze mit einer leichtfüßigen Geschmeidigkeit. Auch die präzise Lenkung passt. Wer dazu noch das elektronisch gesteuerte Dämpfersystem Adaptive Dynamics für 1.371 Euro bestellt, erhält zudem nicht nur einen sportlichen Jag, sondern auch einen sehr komfortablen dazu.

163 oder 180 PS? Egal, beide Diesel kosten gleich viel

Auch der kräftige Turbodiesel überzeugt, er ist ebenfalls eine komplette Jaguar-
Eigenentwicklung. Den Zweiliter-Selbstzünder gibt es in zwei Leistungsstufen mit 163 und 180 PS. Besonders schön, dass Jaguar für den stärkeren Antrieb keinen Aufpreis nimmt: Beide kosten mit jeweils 30.924 Euro gleich viel. Da fällt die Wahl leicht. Wir empfehlen den Topdiesel. Der kann zwar eine leichte Anfahrschwäche nicht verleugnen, legt sich dann aber durchzugsstark ins Zeug. Dazu passt die komfortable Achtgang-automatik, die sanft die Fahrstufen wechselt und bei Bedarf schnell herunterschaltet. Der Aufpreis von 2.101 Euro lohnt sich also.

Das Werksversprechen von nur 4,2 Litern schafft der XE 20d jedoch nicht. Mindestens zwei Liter mehr muss sein Besitzer im Schnitt einkalkulieren. Wer möchte, kann den Jaguar statt mit Hinter- auch mit Allradantrieb ausrüsten. Der startet bei 35.210 Euro, inklusive der harmonischen Achtgangautomatik.

Um das dynamische Ambiente des XE nochmals zu unterstreichen, sitzt man ausgesprochen tief im Jaguar. Die hohe Gürtellinie mitsamt ihren kleinen Fensterflächen verstärken diesen Eindruck. Mit dem Nachteil, dass die Sicht nach hinten eher schlecht ist. Deshalb sollte zumindest die Einparkhilfe hinten für 420 Euro mitbestellt werden

Cockpit mit leichten Bedienschwächen

Das Cockpit des Wagens wirkt nicht nur auf den ersten Blick aufgeräumt. Vielleicht zu spartanisch, denn es gibt keine separaten Tasten fürs Radio oder für die Sitzheizung. Sämtliche Funktionen werden über den Touchscreen gesteuert. Die Handhabung des Displays gelingt jedoch über Wisch- und Zoombewegungen recht einfach. Ebenso leicht lässt sich ein Smartphone einbinden. Auf Wunsch kann das Multimedia-System auch als WLAN-Hotspot verwendet werden.

Hierzu hat Jaguar eine Menge Ausstattungspakete geschnürt (siehe Tabelle rechts). Gleiches gilt für die vielen Fahrerassistenzsysteme, von denen der Spurhalter und der Kollisionswarner mit Bremseingriff serienmäßig sind. Das Basismodell Pure empfiehlt sich nur für Puristen. Hier ist der Name Programm: An Bord ist wirklich nur das Nötigste, viele Extras müssen teuer erkauft werden oder sind erst für die nächsthöhere Ausstattungslinie Prestige erhältlich. Selbst für Licht- und Regensensor verlangen die Briten 240 Euro. Ziemlich kleinlich.

Knapp 1.900 Euro mehr kostet die Version Prestige, die in erster Linie Ledersitze ins Auto bringt, aber mit diversen Zierteilen Innenraum und Karosserie aufwertet. In den Genuss einer vollwertigen Ausstattung kommt man allerdings erst, wenn man seinen 20d in der rund 37.650 Euro teureren Version Portfolio mit Xenon-Licht (LED-Scheinwerfer kann
Jaguar nicht bieten) und erweiterter Lederausstattung ordert.

In jedem Fall sollten es Flottenfahrer mit dem Innenraum eher sportlich nehmen, denn der Jaguar ist eng geschnitten. Maßgeschneidert würde wohl eher passen, zumindest was das Platzangebot vorne angeht. Während es dort noch recht bequem zugeht, wird die Luft für die mitfahrenden Kollegen im Fond schon wesentlich dünner. Der Mittelsitz taugt nur für die Kurzstrecke und die coupéhafte Dachlinie kommt den Köpfen der Insassen schon recht nahe. Sollten zudem vorne zwei große Personen sitzen, haben die hinten Sitzenden Probleme, ihre Beine zu verstauen. Für den kleinen Betriebsausflug ist der Jaguar XE nichts.

Drei Jahre Garantie und bis 60.000 km alle Inspektionen gibt es gratis

Auch bei der Variabilität müssen Abstriche gemacht werden. Eine dreifach
geteilte Rückbank kostet 420 Euro Aufpreis,  kann aber bei der Bedienung nicht überzeugen. Die Lehnen lassen sich ausschließlich vom Kofferraum aus entriegeln und das erfordert über die einfachen Bowdenzüge ungewöhnlich viel Kraft. Das Ladeabteil selbst fasst bescheidene 455 Liter und kann nur über eine verhältnismäßig kleine Luke beladen werden. Auch dass der Einfüllstutzen für den Adblue-Tank an der Seitenwand untergebracht sitzt, gefällt uns nicht. Beim Nachfüllen muss man sehr genau zielen, um den Filzteppich nicht zu verschmutzen.

Der Jaguar XE ist also kein Raumwunder und leistet sich auch kleinere Schwächen im Detail. Wer aber einen individuellen Firmenwagen sucht, erhält mit dem XE einen agilen Dienstwagen zu einem scharf kalkulierten Preis. Die Briten legen sogar noch etwas drauf. So gibt es eine dreijährige Garantie aufs Auto und alle Inspektionen für den gleichen Zeitraum (bis 60.000 km) gratis mit dazu. Daher sind die Werkstattkosten bei 36-monatlicher Nutzung im Vergleich zu Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-
Klasse geringer. Beim prognostizierten Wertverlust nimmt der Jaguar dagegen einen soliden Mittelfeldplatz ein.

Die Varianten des Jaguar XE

Das Motorenangebot umfasst zwei hubraumgleiche Turbodiesel sowie drei Benziner mit einer Leistung von 163 bis 340 PS. Wem die beiden Benziner mit 200 und 240 PS nicht reichen, der greift zum XE S. Mit dem Spitzenmodell aus dem Modellprogramm und seinem kompressoraufgeladenen Dreiliter-V6-Benziner fährt die Katze dann so richtig ihre Krallen aus. In nur 5,1 Sekunden sprintet der Power-Jaguar auf Tempo 100, erst bei 250 km/h gebietet der elektronische Begrenzer Einhalt. Allradantrieb ist zugunsten der Fahrdynamik für den heckgetriebenen XE S nicht erhältlich.

Ganz neu ist das empfehlenswerte Navi- und Infotainmentsystem In Control Touch, das den Jaguar mit der digitalen Außenwelt vernetzt. Der acht Zoll große Touchscreen reagiert feinfühlig auf Fingerspitzen-Berührung und kann über Wisch- und Zoomgesten gesteuert werden. Zudem lässt sich die Kommandozentrale individuell auf die Bedürfnisse aufrüsten und maßschneidern. Es gibt zwei verschiedene Navigationssysteme, mit SD-Karte oder mit Festplattenspeicher. Auch ein fahrzeug­interner WLAN-Hotspot lässt sich einrichten. Darüber hinaus alarmiert das Notrufsystem bei einem schweren Unfall die Rettungskräfte. Und sollte der Wagen gestohlen werden, leitet die Jaguar-Hotline eine automatische Ortung ein. Über die In Control-App lassen sich zudem Informationen über das Smartphone einholen. Die Funktionen umfassen nicht nur die Betriebszustände, wie etwa den Tankinhalt, sondern unter anderem auch die dienstlich gefahrenen Kilometer. Selbst die Reisekostenabrechnung wird einfacher, da sich die gefahrenen Routen herunterladen lassen, um sie auf den Kilometer genau geltend zu machen. Kurzum: In Control Touch verwandelt den XE zu einem rollenden Büro auf Rädern.

Autor

,

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

17. August 2016
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