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Erprobungsfahrt Jaguar XE: Englische Geschäftslimo mit Biss

Nach langer Abstinenz meldet sich Jaguar mit dem XE in der Premium-Mittelklasse zurück. Noch bevor er im Juni auf den Markt kommt, drehte FIRMENAUTO eine Runde im Vorserienmodell.

Es ist ungemütlich kalt und regnet Bindfäden auf den dunkelblauen Lack unserer Vorserien-Limousine. Nein, wir befinden uns nicht in der englischen Heimat von Jaguar, sondern in Portugal. Ist das typisch britische Wetter etwa ein gutes Omen für die Briten? Auf letzten Testtouren soll ich mich über die Qualitäten des XE überzeugen. Bevor ich starte, empfängt mich Jonathan Darlington aus dem Jaguar Entwicklungsteam und erklärt mir die Details zum Fahrzeug. 

Zum Beispiel zur Karosserie des XE, die zu über 75 Prozent aus Aluminium besteht, hochfest und extrem verwindungssteif ist und aus einem hohen Anteil an recyceltem Alu besteht. „Die nur 251 Kilo leichte Struktur beim XE ist um 20 Prozent steifer als beim XF ausgelegt. Der konsequente Leichtbau mitsamt einer ausgewogenen Gewichtsverteilung von nahezu 50:50 bringt nicht nur spürbare dynamische Vorteile beim Handling, sondern Bestwerte beim Verbrauch“, gibt der smarte Brite zunächst preis.

Die Aerodynamik stammt aus dem Computer

Vier Jahre hat Jaguar am XE entwickelt. Darlington ist ganz begeistert von seinem jüngsten Wurf und merkt noch eine völlig untypische Besonderheit an: „Die windschlüpfige Aerodynamik des XE entstand nicht im Windkanal, sondern wurde fast vollständig durch Simulationen an Hochleistungsrechnern erzielt.

Jede Oberfläche – auch der glattflächige Unterboden – wurde so gestaltet, dass möglichst wenig Reibungsverluste entstehen. Die Heckdiffusoren unter der Karosserie bilden zusammen mit dem Heck eine ausbalancierte Einheit. Sie leiten den Luftstrom unter dem Fahrzeugboden wie auch oberhalb getrennt ab. Darüber hinaus wurden die Einlass-Kanäle in die vorderen Stoßfängern integriert. Sie führen die Luft exakt um die Vorderreifen, um so wenig wie möglich Verwirbelungen zu erzielen. Herausgekommen ist ein luftwiderstandsarmer Cw-Wert von nur 0,26.

Den neuen Entwicklungsweg, den Jaguar beim XE mitsamt aller Maßnahmen gewählt hat, leuchtet durchaus ein, denn durch die Simulationen am Rechner haben sich die Briten teure Prototypen im Windkanal erspart und sollten in einer späteren Entwicklungsphase Änderungen an der Aerodynamik erforderlich sein, wird’s anschließend richtig teuer. So extrem hat das bisher kein anderer Autobauer voran getrieben.

Während ich mich hinters Lenkrad des 180 PS starken Turbodiesels schwinge, gibt mir Darlington noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: „Der rote Buzzer auf der Mittelkonsole ist ein besonderes Merkmal bei diesem Prototypen, der legt das Auto komplett lahm, den bitte wirklich nur im Notfall drücken. Wie gesagt, es handelt sich beim XE um ein Vorserienfahrzeug und der Diesel ist noch nicht endgültig von unserem Entwicklungsteam freigegeben“. Ich nehme den Hinweis zur Kenntnis, werde aber den Notschalter auf meinem Trip rund um Lissabon nicht benötigen, denn der XE wird sich trotz seines frühen Stadiums als ausgereift erweisen. Ich rolle los.

Zweiliter-Diesel mit 163 und 180 PS

Der nagelneue 180-PS-Diesel ist eine komplette Jaguar-Eigenentwicklung. Den aufgeladenen Zweiliter gibt es in zwei Leistungsstufen und leistet in der kleineren Einstiegsvariante 163 PS. Die gefahrene Topversion werkelt vernehmlich unter der Motorhaube ist aber nicht wirklich aufdringlich und spricht spontan auf Gasbefehle an. Mit zügigem Tempo geht es über kurvenreiche Landstraßen. Der heckgetriebene XE – Allrad soll 2016 kommen – ist mit seinem Vorgänger, dem X-Type, überhaupt nicht mehr vergleichbar. Er ist ein typisches Fahrerauto geworden, bleibt lange neutral und das straff abgestimmte Fahrwerk legt ein hohes Maß an Agilität an den Tag. Nicht umsonst spricht Jaguar beim XE von einer Sportlimousine.

Gleiches trifft auf die Achtstufen-Automatik zu, die intuitiv die richtige Fahrstufe einlegt und bei Bedarf fix zurückschaltet. Im Sportmodus geht das Ganze sogar noch flotter: Der Automat wechselt noch schneller seine Stufen, die präzise Lenkung agiert direkter und das optionale adaptive Fahrwerk macht auf hart.

Sportlich geschnittenes Cockpit

Sportlich muss man auch das Platzangebot der britischen Limousine nehmen, welches eher maßgeschneidert ist. Das Cockpit umschlingt die vorderen Insassen förmlich. Fahrer- und Beifahrer sitzen tief und werden von einer breiten Mittelkonsole getrennt. Ähnlich verhält es sich beim Raumangebot hinten. Langbeinige müssen die Füße behutsam einfädeln um in den Fond zu gelangen, dennoch zwickt nichts. Jaguar hat sich bewusst für dieses Konzept entschieden, denn ein Raumwunder stand mit der Entwicklung de XE nicht im Lastenheft. Das ist aber auch Käufern eines Dreier-BMWs durchaus bewusst.

Dagegen gibt sich der XE bei der Ausstattung keine Blöße. Neben vielen Fahrerassistenten mit unter anderem Verkehrszeichenerkennung, intelligentem Fernlicht sowie adaptiver Geschwindigkeitsregelung fällt das 8-Zoll große Touchscreen-Display ins Auge. Das neue Infotainment-System InControl befindet sich mittig auf der Mittelkonsole, verarbeitet Befehle zügig und gefällt mit einer logisch aufgebauten Menüführung. Eine Übertragung von Smartphone-Apps auf den großen Monitor ist ebenso möglich. Und mit dem Laser Head-Up-Display hält eine Weltpremiere Einzug in den XE. Es wiegt ein Drittel weniger als andere Systeme und ist zudem kompakter. Die auf die Windschutzscheibe projizierten Grafiken sind gestochen scharf.

Mit dem XE will Jaguar seinen Flottenanteil verdoppeln

Überhaupt hinterlässt die britische Raubkatze – trotz Vorserie – einen ausgereiften, stimmigen Eindruck. Wir dürfen also jetzt schon auf das fertige Serienmodell gespannt sein. Dass der Jaguar XE gute Erfolgschancen hat, zeigt ein scharf kalkulierter Einstiegspreis von 30.672 Euro netto inklusive einer dreijährigen Garantie ohne Kilometerbegrenzung und aller Inspektionen (bis 60.000 km) für den gleichen Zeitraum. 

Den derzeitigen Flottenanteil in Deutschland von 20 Prozent will Jaguar mit dem XE verdoppeln und hat auch gleich dazu die passenden Programme geschnürt. So wird es auf alle Business-Pakete einen Rabatt von 20 Prozent geben. Wartungs- und Verschleiß-Pakete (36 Monate/90.000 km) gibt es ab monatlich 19,90 Euro netto, eine Vollkasko-Versicherung mit 1.000 Euro Selbstbeteiligung ist für 49,90 Euro erhältlich. Firmenkunden möchte Jaguar vor allem den kleinen Diesel schmackhaft machen, der mit einem Normverbrauch von nur 3,8 Litern und einem CO2-Ausstoß von 99 g/km lockt.

Nach meiner Rückkehr treffe ich wieder auf Darlington und frage ihn zu weiteren geplanten Karosserievarianten auf Basis des XE, wie etwa ein Kombi, den gab es ja schließlich vom X-Type auch oder ob auch ein trendiger SUV in Frage käme. Der smarte Brite hüllt sich in diskretes Schweigen und bittet mit einem Augenzwinkern noch um Geduld: „Das ist noch viel zu früh, aber wir denken natürlich in alle Richtungen nach“.

Autor

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Jaguar

Datum

28. Januar 2015
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