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Jaguar XJ (I-III): Die feine englische Art

Wer in den 1960er Jahren richtig Eindruck schinden wollte, der legte sich einen Jaguar XJ zu. Trotz teurem Unterhalt verkaufte sich die Limousine mehr als 400.000 Mal.

Versetzen wir uns in die Lage eines wohlsituierten Geschäftsmannes Ende der 1960er Jahre. Einen Mercedes fährt sein Konkurrent. Ein Citroën ist ihm zu schwach, ein Opel zu spröde. Was bleibt? Audi baut noch Autos für Grundschullehrer, BMW setzt auf rüdes Sportlerimage. Also ein Jaguar XJ – stilvoll vorgestellt auf dem Pariser Salon 1968. In keinem Geschäftswagen ließ sich nachhaltiger Eindruck schinden. Erstens fuhr so etwas in Deutschland keiner. Zweitens war der Unterhalt derart teuer, dass jedem Buchhalter schon beim Überweisen der Kfz-Steuer schlecht wurde.

Komfortabler Schluckspecht

Trotzdem: "auto motor und sport" zeigte sich beeindruckt und titelte "Komfortmobil der Spitzenklasse". Bemerkenswert, englische Limousinen wurden sonst nur als schrullige Fahrmaschinen in Miss-Marple-Filmen wahrgenommen. Jedenfalls fanden die Autos der Serien I bis III exakt 404.243 Käufer, so viele wie kein anderer Jaguar. Und dass, obwohl der Schnurrer sich als äußerst vernascht erwies. Die 5,3 Liter-Version etwa verbrauchte so viel wie ein Lkw. Unter 20 Liter ging nichts.

Was soll’s, dafür war sie 15 Jahre lang die einzige Zwölfzylinderoption für Limousinen. Und mit 240 km/h auch die schnellste. Die Opulenz auf Rädern kannte kaum Grenzen: Zwei Tonnen Gewicht und ein Radstand von 2,90 Metern waren Insignien auf dem Chefparkplatz, die jeden Angestellten ein Stückchen gebückter zu Stechuhr zwangen.

Wenig adlig: der 149-PS-Motor

Dabei ging es unter der Haube oft gemäßigter zu. Ganz heimlich. Während die Zwölfzylinder gar nicht genug verchromte Typenhinweise am Heck tragen konnten, liefen die Basisversionen meist inkognito. Aus gutem Grund: 2,8 Liter, sechs Zylinder und 149 PS waren eher bürgerlich als adelig, gleiches galt für den Basispreis von 19.975 Mark netto. Übrigens ein Lehrstück für Kaufkraftentwicklung: Zum Ende der Bauzeit 1992 kostete der Wagen locker das Doppelte. Sie konnte auch schmerzen, die feine englische Art.

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18. Februar 2013
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