Jeep Renegade 9 Bilder Zoom

Fahrbericht Jeep Renegade 1.4 75th Anniversary: Unauffällig war gestern

Einen großen Geburtstag kann man schon mal feiern. Jeep begeht das Markenjubiläum mit umfangreich bestückten Sondermodellen. Die Testfahrt des Renegade 75th Anniversary war aber nicht nur wegen der Ausstattung überraschend.

Da wollten wir mal heimlich früh Feierabend machen und uns unbemerkt aus der Tiefgarage schleichen. Und dann das: Gleich drei Kollegen am Fenster, die uns hinterhergaffen. Tja, dieser Jeep ist ungefähr so unauffällig wie ein Hummer. Oder ein Rolls-Royce. Wobei man den Renegade eigentlich kennt, entwickelte er sich doch in nur zwei Jahren zum Bestseller der Marke und findet sich auch auf manchem Firmenparkplatz. Wir sitzen aber in der olivgrün lackierten 75th Anniversary Edition, mit abgedunkelten Scheiben und bronzefarbenen, hochglanzpolierten 18-Zöllern.

Jeep hat schließlich etwas zu feiern, und das sollen alle mitbekommen. Im zweiten Weltkrieg machte der Ur-Jeep die amerikanische Armee mobil. 75 Jahre später ist dem spartanischen Truppentransporter eine ganze Offroad-Familie entsprungen, mit dem kompakten Renegade als jüngstem Spross. Der ist so schon ein echter Hingucker: Nicht wirklich eckig und kantig, aber eben auch nicht so weich gelutscht wie manch anderer kleiner SUV. Seine steil stehenden Scheiben etwa haben gleich zwei Vorteile. Die Sonne heizt den Innenraum nicht so schnell auf und man hat ein gutes Raumgefühl.

Überraschend viel Platz

Wobei es für ein nur 4,27 Meter kurzes Auto luftig zugeht. Selbst die Mitfahrer auf der allerdings zu wenig geneigten Rückbank können bequem die Beine übereinander schlagen. Außerdem packt der 351 Liter große Kofferraum locker eine Tasche mehr als beispielsweise der Fiat 500X, mit dem sich der Renegade die Plattform teilt. Außerdem klappt die geteilte Rücklehne bei Bedarf flach nach vorne, was den Stauraum auf fast 1.300 Liter erweitert. Das nimmt selbst einem großen Ikea-Einkauf seinen Schrecken.
Auch Getränke, Handy, Sonnenbrille und unseren Papierkram können wir prima verstauen, bevor wir auf die erste große Fahrt starten. Die Navi ist einfach zu bedienen, unser Smartphone fix mit Freisprech- und Musikanlage verbunden und schon wummern fette Bässe aus dem Soundsystem.

Nur die Sicht nach vorne ist etwas gewöhnungsbedürftig. Vor dem steilen Armaturenbrett und der fast senkrechten Scheibe scheint die wuchtige Motorhaube bis in den Horizont zu wachsen. Auf den ersten Metern fühlt sich das Auto riesig an. Aus Angst, an der Wand entlang zu schrammen, aber auch wegen der etwas schwammigen Lenkung, kriechen wir fast im Schritttempo die enge Schnecke des Parkhauses gen Ausfahrt hoch. Übersichtlich ist anders.

Überraschend hoher Verbrauch

Unter der Haube säuselt der aufgeladene, 170-PS-Benziner des Fiat-Konzerns, gekoppelt an eine Neungang-Automatik. Im Stadtverkehr bei normaler Fahrt harmonieren beide wunderbar. Die Drehzahl pendelt sich zwischen 2.000 und 3.000 Touren ein, vom Vierzylinder ist kaum etwas zu hören – bis wir das Ortsschild hinter uns lassen. Tempo 100, 120, auch mal 140 sind kein Problem. Schneller mag‘s der Jeep aber nicht, da kommt der nur 1,4-Liter große Motor bald an seine Grenzen. Nicht, dass wir rasen wollen, aber bei freier Fahrt darf’s schon zügig vorangehen.

Die Nadel des Drehzahlmessers immer knapp am roten Bereich quält sich der Vierzylinder gen Tempo 160, während sich die Tankanzeige in beängstigender Geschwindigkeit gen Null bewegt. Erstaunlich: Auch bei konstanter Fahrt mit passender Drehzahl schaltet die Automatik nicht in den neunten Gang. Niemals. Das muss der Fahrer schon manuell erledigen. So mahnt der Bordcomputer spätestens nach 350 Kilometer zum Tanken. Ungeheure 12 bis 13 Liter Super zieht sich der Turbobenziner im Schnitt auf 100 Autobahnkilometer aus dem 48-Liter-Tank.

Am 4x4-Antrieb liegt das allerdings nicht. Denn der ist eigentlich aufs Spritsparen ausgelegt, schaltet die Hinterachse nur dazu, wenn zusätzliche Traktion gebraucht wird. Weitere Fahrprogramme für Fels, Schnee, Schlamm und Sand sowie eine Untersetzung lassen erahnen, dass der Renegade auch dort weiterkommt, wo die deutsche Norm-Straße endet. Probiert haben wir es nicht.

Knapp 29.000 netto kostet das Editions-Modell, fast 3.000 Euro mehr als das Serienmodell 1.4 Multiair Limited. Ziemlich viel für ein paar praktische Extras wie die beiden herausnehmbaren Dachpaneele oder das Navi-Entertainmentsystem sowie den optischen Schnickschnack, der dem Auto zugegebenermaßen prima steht. Wer darauf verzichten kann, ist auch mit dem umfangreich bestückten Limited bestens bedient.

Die Testfahrt endet mit zwei Erkenntnissen. Erstens und nicht überraschend: Finger weg von hochgezüchteten Mini-Motörchen. Der gute, alte Diesel ist zumindest für Vielfahrer eindeutig die bessere Wahl. Zweitens: Der vielseitige, geräumige und komfortable Renegade hat sich innerhalb von nur zwei Jahren zurecht zum meistverkauften Modell der Marke entwickelt. Ach ja, falls Sie lieber etwas anonymer unterwegs sein wollen: Es gibt den Renegade auch in dezenterem Weiß, Grau oder Schwarz.

Autor

Foto

Jeep

Datum

23. September 2016
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