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Jörg Mannsperger/Dekra Akademie: "Hohe Anforderungen an Fuhrparkmanager"

Jörg Mannsperger, Geschäftsführer der Dekra Akademie, über Aus- und Weiterbildung, soziale Kompetenz und den Stellenwert von Fuhrparkleitern.

FIRMENAUTO: Herr Mannsperger, Sie haben sich vom Konditor zum Dekra-Vorstand hochgearbeitet. Wie halten Sie es mit Ihrer Weiterbildung?

Jörg Mannsperger: Sie sehen an meiner Vita, dass Weiterbildung immer ein wichtiges Thema war. Allerdings muss man sich auch die Zeit dafür nehmen. Das ist oft mühsam. Ich versuche mich für neue Themenfelder zu begeistern und die Augen offen zu halten. Tut man das nicht, gehen wertvolle Geschäftsideen flöten. Das fängt schon damit an, dass man bei den modernen Kommunikationsmitteln am Ball bleibt. Früher lernten die Jungen von den Alten. Das hat sich gedreht. Wir leben in einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft, ohne Weiterbildung ist es nicht möglich, ein Unternehmen zu leiten.

Gilt das auch für Fuhrparkmanager?

Mannsperger: Letztlich geht es auch im Fuhrparkmanagement darum, wie man an die richtigen Informationen kommt. Das gilt für Modellauswahl, Finanzierungsmöglichkeiten oder Kennzahlen gleichermaßen. Die Informationsflut kann schnell überhandnehmen. Ein Fuhrparkleiter muss wissen, wie er effizient Daten generiert, um seine Flotte optimal zu steuern. Das fängt bei der betriebswirtschaftlichen Überwachung an und geht bis zur elektronischen Schadenmeldung. Entsprechende Apps, Reporting- oder IT-Systeme sind zwar hilfreich, doch nur für den, der sie zu nutzen weiß.

Welche besonderen Anforderungen müssen Fuhrparkleiter erfüllen?

Mannsperger: Neben den fachlichen, betriebswirtschaftlichen und technischen Kenntnissen muss ein Fuhrparkleiter auch immer ein bisschen Psychologe sein. Das Thema Dienstwagen ist ein sehr emotionales in Deutschland. Ohne große soziale Kompetenz ist es kaum möglich, den schmalen Grat zwischen den Bedürfnissen der Fahrer und dem Kostenbudget zu meistern. Um Fragen, wer welchen Dienstwagen fahren darf oder muss, zu klären, sollte das Unternehmen extrem auf Dienstwagenfahrer eingehen können. Außerdem müssen Fuhrparkleiter in jedem Fall über eine gefestigte Persönlichkeit verfügen, extrem integer sein. Immerhin verwalten sie häufig ein riesiges Budget. Man läuft immer auch Gefahr, von der Industrie hofiert zu werden. Da darf man Funktion und Person nicht verwechseln.

Immer noch wird der Fuhrpark in vielen Unternehmen stiefmütterlich behandelt. Aus welchen Gründen?

Mannsperger: Hier sparen die Firmen oft an der falschen Stelle. Teilweise liegt es daran, dass die Geschäftsführung keine Affinität zum Auto hat, der Fuhrpark nicht zum Kerngeschäft gehört oder einfach unterschätzt wird. Erst langsam reift die Erkenntnis, dass es sich um große Vermögenswerte handelt, die dementsprechend viel Einsparpotenzial bergen. Allerdings gilt das nur, wenn der Fuhrparkleiter seine Schlüsselposition auch richtig ausfüllen kann. Das heißt, er muss in erster Linie gut ausgebildet sein und über die notwendigen Entscheidungskompetenzen verfügen, das entsprechende Standing in der Geschäftsleitung haben. Passen alle Faktoren, gilt: Ein guter Fuhrparkmanager finanziert sich selbst.

Nur, wie findet man den Richtigen?

Mannsperger: Neben den klassischen Stellenanzeigen in Online-Portalen oder Tageszeitungen kann man sich auch direkt an die Dekra Akademie wenden. Ich empfehle aber auch Branchentreffs wie "Firmenauto des Jahres". Dort finden sich die echten Profis. Allerdings ist es derzeit nicht unbedingt leicht, gut ausgebildete Experten zu rekrutieren.  

Warum? Hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren verändert?

Mannsperger: Einer der Gründe ist sicherlich der allgemeine Fachkräftemangel. Hier hinterlässt der demografische Wandel erste Spuren. Außerdem haben sich die Anforderungen an Fuhrparkleiter drastisch verändert. Um diese Lücke zu schließen, lohnt es sich für das Unternehmen, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. Die Dekra Akademie bietet die Möglichkeit, Mitarbeiter, die sich für dieses Thema interessieren, zum Dekra-zertifierten Fuhrparkmanager auszubilden. Es ist ohnehin von Vorteil, wenn sich der zukünftige Fuhrparkleiter im Betrieb bereits auskennt.

Zur Person

Jörg Mannsperger (51) ist seit 2010 Mitglied des Vorstands Dekra SE und seit 2006 Geschäftsführer der Dekra Akademie. Zuvor studierte Mannsperger Jura und war Chef des ETM Verlags – ein Joint Venture der Motor Presse Stuttgart und Dekra –, in dem unter anderem auch FIRMENAUTO erscheint. Der gelernte Konditor absolvierte  vor seinem Studium ein Redaktionsvolontariat und ein betriebswirtschaftliches Trainee-Programm bei der Motor Presse Stuttgart.

Dekra Akademie

Die Dekra Akademie ist eines der größten privaten Bildungsunternehmen in Deutschland. Jedes Jahr bilden sich mehr als 100.000 Menschen an einem der 150 Standorte der Dekra Akademie weiter. Das Angebot reicht vom Gabelstaplerführerschein über Fuhrparkmanagement bis hin zur Promotion. Speziell für den Bereich Fuhrparkmanagement bietet die Akademie in Berlin und Frankfurt die Ausbildung zum Dekra-zertifizierten Fuhrparkmanager an. Infos finden Sie unter www.dekra-akademie.de/flottenmanager.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

10. Dezember 2012
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