VW Touran 29 Bilder Zoom

Kaufberatung VW Touran: Wolfsburger Allerlei

Für den VW Touran gibt es viele Motoren, modernste Assistenz- und Infotainmentsysteme: Die Kaufberatung sagt, welche Versionen sich für die Flotte lohnen.

Die Jungs von Volkswagen sind schon ziemlich lässig. Abwarten und Tee trinken lautet scheinbar die Devi­se. Prescht irgendein Autohersteller vor, um ein neues Fahrzeug-segment zu gründen, lehnen sich die Produktplaner erst einmal entspannt zurück und schauen sich die Sache an. Sie analysieren die Verkaufschancen und beobachten, wie sich das neue Modell auf dem Markt behauptet. Läuft’s gut, schlagen die Wolfsburger zu und rollen das Feld von hinten auf. So war es beim Kompakt-SUV VW Tiguan oder dem Pick-up VW Amarok und natürlich auch beim VW Touran.

Der Kompaktvan erblickte zwar schon 2003 das Licht der Welt, aber da hatten Opel Zafira und Renault Scénic längst den großen Kuchen untereinander aufgeteilt. Trotzdem entwickelte sich der VW in kürzester Zeit zum beliebtesten Kompaktvan Deutschlands.

Schnäppchen gibt’s woanders

Seit dem letzten Herbst ist die neu entwickelte zweite Generation des Touran da und selbstverständlich ist sie weiterhin der als Firmenwagen meistverkaufte Kompaktvan. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. VW bietet den Wagen mit vielen Motoren-kombinationen an. Sechs Stück sind es insgesamt, wahlweise als Schalter oder mit DSG-Doppelkupplungs­getriebe. Hinzu kommt ein großes Angebot an Fah­rer­assis­ten­ten und Multimediasystemen sowie viele Ausstattungsdetails, mit denen sich der Touran individuell aufrüsten lässt. Nicht zu unterschätzen ist die VW-typisch solide Verarbeitungsqualität nebst einer hochwertigen Anmutung.

Gewiss, VW lässt sich den Touran fürstlich entlohnen. Der bei Außendienstlern beliebte 150-PS-TDI mit Sechsgang-Schaltbox verlässt erst für mindestens 26.366 Euro den VW-Showroom. Vergleichbare Fahrzeuge vom Schlage eines Ford Grand C-Max oder Opel Zafira Tourer gibt es schon für ein paar Tausender weniger. Der Opel bringt zum günstigen Kurs sogar noch 20 PS mehr Leistung mit. Und die Extras, die Volkswagen anbietet, kosten stellenweise gesalzene Aufpreise.

Optisch trägt der Touran mit schärferen Kanten und Sicken nun das aktuelle VW-Familiengesicht. Die Wolfsburger haben aber nicht nur beim Design nachgeschärft, vielmehr basiert das neue ­Modell auf dem modularen Querbaukasten (MQB). Das schafft mehr Platz

Der VW ist als Fünfsitzer sehr geräumig

Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der Touran um 13 Zentimeter gewachsen auf 4,53 Meter. Der Radstand legte mit 2,79 Metern um elf Zentimeter zu. Vom Zuwachs profitieren vor allem die Passagiere im Fond, die auf den verschiebbaren Einzelsitzen noch mehr Beinfreiheit haben. Auch der Kofferraum ist um 48 Liter gewachsen, fasst jetzt 834 Liter im Normalzustand, und mit flachgelegten Sitzen stattliche 1.980 Liter.
Der Klappmechanismus ist besonders praktisch, denn im Vorgänger musste man noch die Sitze ausbauen. Wird der Touran als Siebensitzer geordert, haben die ganz hinten Sitzenden nun etwas mehr Bewegungsfreiheit. Die beiden Einzelsitze bleiben aber weiterhin eher eine Lösung für die Kurzstrecke. Sind alle Sitze aufgestellt, bleibt zudem im Heck nur Platz fürs ganz kleine Gepäck (137 Liter).

Mehr Ablagemöglichkeiten hat wohl kein anderer Kompaktvan

Dafür bietet der VW jede Menge praxistaugliche Möglichkeiten, Flaschen, Brillen, Handys oder anderen Kleinkram unterzubringen. Bis zu 47 Ablagen verteilen sich auf den Innenraum. Angefangen bei breiten Türtaschen vorne wie hinten, über Staufächer direkt am und auf dem Cockpit sowie unter der Armlehne, bis hin zu Klappfächern im Dach. Das Cockpit selbst ist nach bewährter VW-Manier logisch aufgebaut und auf Anhieb sehr leicht bedienbar. Die Materialien mit vielen aufgeschäumten Kunststoffen hinterlassen einen edlen Eindruck, und die passgenaue Verarbeitung überzeugt durchweg.

Obwohl der kleine Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 110 PS (22.374 Euro) schon über genügend Kraft verfügt und auch schon Freude bereitet, ist für Vielfahrer der Zweiliter-Diesel mit 150 PS definitiv die bessere Wahl. Die Mehrinvestition von knapp 4.000 Euro wird mit einem wesentlich lebendigeren Ansprechverhalten und spürbar mehr Durchzugsreserven belohnt. Auch der Verbrauch geht völlig in Ordnung. Auf der zurückhaltend gefahrenen FIRMENAUTO-Normrunde genehmigte sich der Wolfsburger exakt 5,7 Liter. Dabei hilft das gut übersetzte Getriebe mit dem langen, fürs Spritsparen ausgelegten sechsten Gang. Obwohl die Gänge präzise und leicht durch die Schaltbox flutschen, ist das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe für 1.597 Euro eine Investition wert. Speziell, wenn man viel im Stop and Go unterwegs ist

Der lebendige 2.0 TDI Comfortline sollte es schon sein

Weiterer entscheidender Vorteil des 2.0 TDI: Es gibt ihn erst ab der zweiten Ausstattungs- stufe Comfortline. Während das Basismodell Trendline recht karg bestückt ist und manche Extras gar nicht erhältlich sind, kommt der Comfortline schon recht gut ausgestattet daher. Dazu zählen unter anderem Aluräder, Parksensoren vorne und hinten, die Dachreling, Komfortsitze, eine Mittelarmlehne, zwei Klapptische in Reihe zwei, ein verschiebbares Gepäcknetzsystem, der doppelte Ladeboden oder die City-Notbremse. Um bis zu 2,70 lange Kartons oder Stangen zu transportieren, kann zudem der Beifahrersitz nach vorn umgeklappt werden. Die 2.100 Euro teurere Top-Ausstattung Highline ist deshalb nicht unbedingt notwendig.

Nachdem Motorisierung und Ausstattung geklärt sind, kommen wir gleich zu den Extras. Davon bietet der VW jede Menge. Ob man beispielsweise die Heckklappe per Hand oder komfortabel mittels einfachem Fußkick öffnet, ist natürlich Geschmackssache. Auf jeden Fall bietet VW die sensorgesteuerte Pforte im Easy Open-Paket zusammen mit einem schlüssellosen Schließ- und Startsystem für 618 Euro an. Allerdings gibt es das Paket nur zusammen mit der Diebstahlwarnanlage, darum kommen nochmals 282 Euro dazu: Macht mal eben 900 Euro. Ziemlich teuer.

Viele Extras: Der Touran lässt sich ganz individuell zusammenstellen

Zu den unverzichtbaren Dingen, gerade an kalten Tagen, zählt indes das Win­ter­paket. Im Preis von 374 Euro ist die Sitzheizung, beheizbare Schei­ben­wasch­düsen samt Schein­wer­fer-Reinigungsanlage enthalten. Neuerdings sind sogar LED-Scheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht erhältlich.

Eine Überlegung wert ist auch die elektronische Fahrwerksregelung mit adaptiven Dämpfern. Für 870 Euro erhöht sie den Fahrkomfort nochmals spürbar, wobei auch die normale Fahr­werks­abstim­mung prima funktioniert. Fahrer eines Automatik-Touran ­sollten ­jedoch die 151 Euro für die Fahrprofilauswahl in Betracht ziehen. Weniger wegen der Möglichkeit, zwischen etwas sportlicherer oder eher zurückhaltender Gasannahme zu wählen. Vielmehr schaltet das Getriebe im Eco-Modus auf Freilauf, sobald der Fahrer vom Gas geht. Der Wagen rollt und rollt und rollt, was bei vorausschauender Fahrweise richtig Sprit spart.

Es lohnt sich, die Assistenzsysteme im Paket zu bestellen

Auch die Auswahl an Fahrassistenten kann sich sehen lassen. Doch statt die vielen Extras einzeln zu ordern, raten wir gleich zum Fahrerassistenzpaket Plus. Das gehört mit 2.239 Euro zwar nicht gerade zu den günstigsten Investitionen, doch es enthält alle Features, die speziell Vielfahrer in ihrem Firmenwagen nicht missen wollen. Dazu gehören neben LED-Licht der Spurhalte- und Spurwechselassistent sowie der Abstandstempomat. Bei Modellen mit Doppelkupplungsgetriebe ist zudem ein Stauassistent mit autonomer Teilsteuerung enthalten. In einem medizinischen Notfall, wenn der Fahrer beispielsweise einen Schlaganfall bekommt, stoppt das Auto selbstständig ab, ohne aus der Spur zu geraten.

In Sachen Multimedia ist der VW ebenfalls zeitgemäß. Aber auch hier empfehlen wir mit dem Navisystem Discover Pro die teure und umfangreichere Ausführung. Kostenpunkt: 2.113 Euro. Darin ist beispielsweise der Onlinezugang für ein Jahr enthalten. Wer dann noch Budget übrig hat, erhält mit der Telefonschnittstelle Business (408 Euro) ein rollendes Büro mit UMTS, WLAN-Hotspot sowie einer zusätzlichen Bluetooth-Schnittstelle für ein zweites Telefon.

Der hohe Kaufpreis schlägt auf die Unterhaltskosten durch

Der Käufer des Touran bekommt also viel Auto für viel Geld. Vergleicht man den 2.0 TDI mit seinem direkten Umfeld, liegt der VW in der Anschaffung mit 26.366 Euro weit über einem Ford Grand C-Max (23.025 Euro) oder dem ganz neuen Opel Zafira (25.597 Euro). Nur der Edel-Van von BMW, der Gran Tourer, übertrifft den VW und ist mit 27.353 Euro noch teurer.  Bei den Wartungs- und Verschleißkosten rangiert der Touran im Mittelfeld, hier ist der Ford der Günstigste. Geht man von einer dreijährigen Nutzung aus, ergibt sich beim Wertverlust das gleiche Bild. Auch hier liegt der Ford vorne.

Plus

Reichhaltiges Motorenangebot, umfangreiches Sicherheitsangebot mit vielen Fahrerassistenten, ausgewogenes Fahrverhalten aus Komfort und Agilität, sehr gutes Raumangebot, bequeme Sitze, sehr viele Ablagemöglichkeiten, kraftvoller und sparsamer Diesel.

Minus

Hoher Grundpreis, stellenweise sehr teure Extras, mäßiges Platzangebot als Siebensitzer in der dritten Reihe mit daraus resultierendem geringem Laderaum, nur zwei Jahre Garantie.

Autor

,

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

23. Oktober 2016
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