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Kfz-Versicherung: Einstieg ins Schadenrisiko

Die klassische Flottenversicherung wird immer teurer. Günstiger ist es, stärker ins Risiko einzusteigen. 

Der Kostendruck durch die Flottenversicherung steigt auch 2015. Es gibt noch keine Anzeichen für einen weicheren Markt. Die Versicherungen stehen mit dem Rücken zur Wand, denn durch niedrige Zinsen können sie aus den Rücklagen kaum noch Kapitalgewinne erwirtschaften. Deshalb müssen Flottenkunden weiterhin mit steigenden Prämien rechnen. Vor allem, wenn es mehr Schäden gibt und so die Schadenquote schlechter wird. Bundesweit lag die Schadenquote nach einer Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für Flotten 2013 bei 103 Prozent. Inklusive der Kosten machte die Branche bei Flotten mit einer Quote von 112 Prozent weiterhin ein Minus. Für 2014 erwartet die Versicherungen mit einer Schaden-Kosten-Belastung von 106 Prozent nur wenig Entlastung.

Kein Spielraum für günstigere Prämien

"Es wird immer noch selektiv nach oben hin angepasst, wenn eine Flotte schlecht verläuft", sagt Hans-Jörg Kurth von der Öffentlichen Feuerversicherung Sachsen-Anhalt (ÖSA). Einen weiterhin harten Markt sehen auch Rüdiger Vankann von der Signal Iduna und Brigitte Römstedt von der R+V. Im normalen Flottengeschäft quotieren die Versicherer derzeit bei 70 bis 75 Prozent. Die Schäden eines Jahres müssen also 25 bis 30 Prozent unterhalb des gezahlten jährlichen Nettobeitrags liegen. Aus diesem Grund sollten Flottenbetreiber frühzeitig die Rückstellungen prüfen. Sie belasten die Schadenquote für das nächste Jahr, sind aber nicht immer in vollem Umfang berechtigt. Um dem Kostendruck durch die Versicherung zu entfliehen, können Unternehmen aber auch selbst ins Risiko einsteigen, ihre Selbstbeteiligung deutlich erhöhen oder den Kaskoschutz ganz oder teilweise streichen.

Wer über die Risikoverteilung zwischen Versicherer und Flottenbetreiber neu nachdenkt, muss seine Schäden genau kennen. "Es ist ganz wichtig, dass das Unternehmen die Schadenhistorie der letzten Jahre analysiert, um herauszufinden, mit welcher Schadenbelastung in welchen Bereichen in der Zukunft gerechnet werden muss", sagt Jens Stilbauer vom Versicherungsmakler Hoesch & Partner.

Auslagern von Glasschäden lohnt sich

Ist die Flotte im Teilkaskobereich durch Glasschäden sehr belastet, lohnt es sich häufiger, diese aus dem Versicherungsschutz auszunehmen. Die Prämienersparnis ist größer als der Aufwand. Eine solche Analyse kann aber auch für die gesamte Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung gefahren werden. "Dabei geht es darum, eine Was-wäre-wenn-Simulation zu erstellen", erläutert Versicherungsmakler Winfried Niebus von der Aktiv Assekuranz. Für die vergangenen drei oder fünf Jahre wird simuliert, welche Versicherungs- und Schadenkosten die Flotte verursacht hätte, wenn statt der Selbstbeteiligung von 500 Euro der Eigenanteil 1.000 Euro, 5.000 Euro oder gar 20.000 Euro betragen hätte. Neben einer geringeren Prämie gibt es  einen Steuereffekt, denn die Versicherungssteuer von 19 Prozent sinkt anteilig.

Schadenmanagement wird wichtiger

Außerdem locken große Einsparpotenziale. Diese liegen laut Niebus zwischen 30 und 40 Prozent. Repariert wird dann in freien Werkstätten. "Und zwar mit gleichem Garantie- und Gewährleistungsumfang wie in der Fachwerkstatt", sagt Niebus. Das gilt auch für kleinere Reparaturen bei Leasingrückläufern.  "Kleine Schäden können mit Smart-Repair günstig ausgemerzt werden. Fast alle großen Makler wie Aktiv, Aon, Marsh oder Hoesch & Partner haben ­Kooperationen mit Unternehmen, die ­professionelles Schadenmanagement betreiben. Manchmal reicht die Rabattvereinbarung mit einer örtlichen Autoglaserei – vorausgesetzt, Glasschäden wurden aus der Versicherungsdeckung entfernt.
Dagegen sind Maßnahmen zur Schadenverhütung deutlich schwieriger einzuschätzen. Auch hier gilt: Wenn der Flottenbetreiber selbst hoch im Risiko steht, etwa ohne Vollkaskoschutz, ist Schadenverhütung für dieses Unternehmen deutlich wichtiger.

Dienstwagenfahrer stärker in die Schadenverhütung einbinden

Bei vielen Parkschäden könnte eine Rückfahrkamera sinnvoll sein. Solche technischen Schadenverhütungsmaßnahmen kosten natürlich Geld. Günstiger ist es, die Dienstwagenfahrer stärker in die Schadenverhütung einzubinden. "Ich bin immer der Meinung, dass eine höhere Eigentragung des Schadenrisikos durch das Unternehmen öffentlich kommuniziert werden sollte", rät Niebus. Gute Ergebnisse bringen Bonussysteme für Dienstwagenfahrer, die keinen Unfall verursachen. Kommt es dennoch zu einem Schaden, könnte die Hälfte dieser Summe gestrichen werden, beim zweiten Unfall der gesamte Bonus. Für richtig große Flotten sind Stop-Loss-Modelle interessant. Die Idee von Stop Loss ist, dass der Kunde auf die Kaskoversicherung verzichtet und seine Schäden selbst trägt. Gleichzeitig gibt es aber Bilanzschutz. Lagen beispielsweise die Schäden für Kasko in den letzen Jahren bei 100.000 Euro, wäre es möglich, die Stop-Loss-Grenze bei 120.000 Euro einzuziehen. Fallen dann Schäden in ­Höhe von 150.000 Euro an, zahlt der Versicherer die letzten 30.000 Euro.

Es gibt also Schutz vor Extremschäden, wie beispielsweise die lokalen Hagelschäden in 2013. "Bei Stop-Loss-Modellen muss aber vorab ganz klar geregelt werden, wie die Höhe von Schäden ermittelt wird", warnt  Christos Sakalidis vom Versicherungsmakler Aon. Andernfalls kann es Ärger geben, weil der Versicherer anders rechnet als der Kunde.

Stückprämie ist häufig zu teuer 

Für sehr kleine Flotten gibt es einen ganz anderen Weg. "Vielfach lohnt es sich für Kleinflotten von 5 bis 20 Fahrzeugen, aus der Stückprämie, also dem Flottentarif, ganz auszusteigen", sagt Versicherungsberater Andreas Kutschera. Grund: Schon ein oder zwei große Schäden verhageln bei Kleinflotten die Schadenquote. Daher könnte es sinnvoller sein, die Fahrzeuge wieder auf Basis eines Schadenfreiheitsrabatts für jedes Auto einzustufen. "Der Rabatt wächst ja für die Fahrzeuge, die nicht von Schäden betroffen sind", so Kutschera. Über ein Vergleichsprogramm wie www.nafi-auto.de können Flottenbetreiber selbst prüfen, ob sich ein Umstieg lohnt. 

Autor

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ADAC

Datum

12. Februar 2015
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