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Kfz-Versicherung: Fuhrparks drohen höhere Versicherungsprämien

Die Kfz-Flottenversicherungen müssen sparen. Günstige Prämien bekommen nur Flotten mit sehr guten Schadenquoten. FIRMENAUTO zeigt das Angebot der 15 größten Flottenversicherer.

Den Versicherungen geht die Puste aus. Magere Zinsen zwingen die Versicherer, ihre Flotten in die Gewinnzone zu führen. Seit knapp zehn Jahren hagelte es Verluste. Im vergangenen Jahr lag die Schaden-Kosten-Quote laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Flottengeschäft bei fast 106 Prozent.

Das bedeutet für die Branche erneut einen Verlust von 186 Millionen Euro. "Beitragsanpassungen und Sanierungen müssen zur Normalität werden", forderte Harald Seliger, der bei der Wiesbadener R+V Versicherung für das Flottengeschäft zuständig ist.

Versicherungen kassieren jährlich mehr als 3,1 Milliarden Euro

Immerhin: Es geht aufwärts. So sank die Schadenquote von knapp 104 (2013) auf 95 Prozent im Jahr 2014. Insgesamt sind 4,3 Millionen Fahrzeuge – vom Pkw bis zum Schwerlaster – als Flotte in einem Rahmenvertrag versichert. Dafür kassieren die Versicherungsgesellschaften jährlich mehr als 3,1 Milliarden Euro an Prämien.

Doch während früher für teure Schäden nur ein Teil des Geldes zurückgelegt werden musste, ist es heute die volle prognostizierte Summe. Grund: Die Rückstellungen, die besonders bei Personenschäden, oft erst nach Jahren aufgelöst werden, bringen kaum noch Zinserträge. "Aufgrund der aktuellen Zinssituation können die Versicherer, entstehende Verluste nicht mehr durch Kapitalerträge ausgleichen", sagt Uwe Hüholt, Leiter Produktmanagement Kraftfahrt-Flotte beim AXA-Konzern.

Höhere Rechnungen erwartet

Daher dürfte schon in den nächsten Wochen vielen Fuhrparkchefs höhere Versicherungprämien für 2016 ins Haus flattern. Dass der Appell von Seliger auf fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigt eine Umfrage von FIRMENAUTO. So schätzen Alte Leipziger, Signal-Iduna und Zurich Versicherung den Markt tendenziell eher als "hart" ein. Allein dieProvinzial Rheinland rechnet mit stabilen Prämien. Somit scheinen sinkenden Prämien vom Tisch zu sein. Einige Anbieter könnten sogar ganz aus dem Flottengeschäft aussteigen. Das Angebot schrumpft, und die Prämie geraten noch stärker unter Druck.

Doch nicht alle Gesellschaften möchten sich zu den aktuellen Entwicklungen äußern: Marktführer Allianz, HDI, Gothaer und Versicherungskammer Bayern möchten geben keinen offiziellen Kommentar ab. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber, das Flotten unter einer Schadenquote von 70 Prozent mit einer Sanierung rechnen müssen. Nur wenn die Nettoprämie – also ohne Versicherungssteuer - rund 30 Prozent über dem Schadenaufkommen liegt, bleiben die Assekuranzen ruhig

Schadenverlauf genau analysieren

"Das Zahl der Flottenverträge, die entsprechend angepasst werden müssen, hat sich deutlich erhöht", bestätigte Christos Sakalidis vom Versicherungsmakler Aon Risk Solutions. Danach gab es im Vorjahr für rund 29 Prozent der Flotten bis 149 Fahrzeuge negative Veränderungen. Entweder wurden die Rahmenverträge überarbeitet, die Prämien erhöht oder der Kunde musste sich einen neuen Versicherer suchen. Bei größeren Flotten lag dieses Zahl sogar bei 36 Prozent.

Doch es geht auch anders: Sieben Prozent der kleinen und drei Prozent der großen Flotten konnten sich über geringere Beiträge freuen. Grund: Sie gehören zu den sogenannten Gutläufern. So heißen die wenig mit Schäden belasteten Flotten im Branchenjargon. Daher sollten Fuhrparkmanager ihren Schadenverlauf äußerst aufmerksam analysieren. Während 2010 noch 38 Prozent aller Flotten einen guten Schadenverlauf hatten, stieg dieser Anteil 2014 auf 50 Prozent. Entsprechend müsste theoretisch jeder zweite Flottenmanger einen deutlichen Verhandlungsspielraum haben.

Trotzdem liegt noch einiges im Argen. "Wir stellen bei unseren Gesprächen mit Neukunden fest, dass nur rund 15 Prozent ihre aktuelle Schadenquote kennen", sagt Experte Sakalidis.

Stress mit Leasinggebern bei der Rücknahme der Dienstwagen

Sehr aufmerksam sollten Fuhrparkmanager sein, wenn sie ihre Dienstwagen leasen. So stellen Versicherer wie die Signal Iduna zunehmend fest, dass Leasinggeber Rückläufer über die Vollkasko runderneuern. Das würde vielfach zum Jahresbeginn passieren, wenn die Prämie beim Versicherer eigentlich schon festgezurrt worden sei. Hohe Reparatur-aufwendungen können dann zu Nachverhandlungen führen. Auf jeden Fall verhagelt das die Schadenquote. Daher sollten die Flottenverantwortlichen den notwendigen Umfang der Reparaturen kontrollieren.

Um die Schadenquote niedrig zu halten, gilt es bei sehr hochwertigen Flottenfahrzeugen, die Sicherheit gegen Diebstähle zu erhöhen. Wichtig ist zudem eine realistische Einschätzung wie sich spezielle Schadenverhütungsmaßnahmen auswirken. Wer bereits seine Mitarbeiter geschult, starke Unfallverursacher aus der Flotte genommen und in technische Hilfseinrichtungen investiert hat, sollte solche Maßnahmen vom Versicherer im Voraus angemessen honoriert bekommen.

"Rückerstattung bei guten Schadenverläufen sind übrigens nicht so interessant, wie eine künftige Prämienreduzierung", erläutert Thomas Winkler, Experte für Flottenversicherungen bei der Gothaer Versicherung. Das liegt daran, dass bei einer Rückvergütungen die Versicherungssteuer von 19 Prozent verloren geht. Wer hingegen mit seinem Versicherer den aktuell guten Schadenverlauf in eine deutlich geringere Prämie ummünzt, der hat eine deutlich geringere Belastung durch die Versicherungssteuer. Ähnlich wirken höhere Selbstbeteiligungen.

Steuern sparen

Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, die Versicherungssteuer zu sparen. Dazu bieten Versicherungsmakler beispielsweise ein Kasko-Depot an. Hier wird die Versicherungsprämie durch eine Gebühr ersetzt. Sie übernehmen Schadenabwicklung, Rechnungsprüfung und Regresse. Möglich ist auch eine Selbstbeteiligung an Haftpflichtschäden. Sakalidis: "Das lohnt sich aber nur bei größeren Flotten, denn hier muss der Versicherer erst einmal alle Schäden regulieren, weil es ja einen Direktanspruch des Geschädigten gibt."

Pay-as-you-drive-Modelle spielen im Flottengeschäft kaum eine Rolle
Die Allianz Versicherung bietet das SB-Modell in der Haftpflichtversicherung nun schon für Flotten ab 100 Fahrzeuge an, wenn mindestens 1.000 Euro pro Schaden selbst getragen werden. Bei der Württembergischen gibt es das Modell schon für Kleinflotten. Die Signal-Iduna hat einen Trend zu Baukastenmodellen ausgemacht. "Rundum-Sorglos-All-Inclusive-Pakete" würde immer mehr der Vergangenheit angehören.

Pay-as-you-drive-Modelle für Flotten uninteressant

Während im Bereich der privaten Kfz-Versicherung eine ganze Reihe von Versicherern Pay-as-you-drive-Modelle testen, spielen solche Modelle bei Flotten kaum eine Rolle. Das meint zumindest die Provinzial Rheinland. "Hier sehen wir wenig Potenzial, da die Prämie sich ohnehin am Schadenverlauf der kompletten Flotte orientiert", sagt Pressesprecher Christoph Hartmann.

Handlungsbedarf besteht vor allem dann, wenn die Versicherung eine Sanierung ankündigt. Bleibt "die Kirche im Dorf", kann es sinnvoll sein, die Anpassung zu "schlucken". Doch dafür sollte man sich beraten lassen. Versicherungsmakler oder Versicherungsberater können die aktuellen Angebote benchmarken. Dabei kann man Glück haben. Manchmal beurteilen andere Versicherer das Risiko besser. Zudem hat die Alte Leipziger schon wieder Anbieter ausgemacht, die mit günstigen Kampfpreisen unterwegs sind. Große Versicherungsmakler wie Aon, Marsh, Funk Gruppe, Südvers, Hoesch & Partner oder spezialisierte Makler wie die Aktiv Assekuranz oder die Schunck Gruppe haben den Vorteile, dass sie über ihre Marktmacht oft sehr gute Flottenkonditionen aushandeln können. Doch egal wie, Flottenmanager, deren Dienstwagen nur selten in Unfälle verwickelt sind und einen guten Schadenverlauf vorweisen, gibt es deutlich Verhandlungsspielraum.

Aber Flottenmanager können noch andere Wege gehen. So bieten Autohersteller wie Seat, Audi oder Daimler Flottenversicherungen an. Da sollten im Zusammenhang mit größeren Kaufflotten deutliche Vorteile winken.

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Datum

4. August 2015
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