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Kosten für den Fuhrpark: Was Sie gegen steigende Fuhrparkkosten tun können

Kraftstoff, Leasing, Dienstleister - alles wird teurer. Was Sie als Flottenbetreiber gegen steigende Kosten tun können.

Es gibt kaum noch Flottenchefs, die nicht unter dem steigenden Kostendruck ächzen. Und die Preisspirale dreht sich immer weiter. Fast nichts ist in den vergangenen Jahren um so viel teurer geworden wie das Autofahren. Grund genug für FIRMENAUTO, die Entwicklung der einzelnen Kosten genauer unter die Lupe zu nehmen. Schließlich gilt das Fuhrparkbudget in vielen Unternehmen als zweitgrößter Kostenblock, gleich nach den Personalaufwendungen.

Alarmierend klingen da die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach stiegen die variablen Kosten für Pkw – etwa für Kraftstoff, Versicherung, Steuern oder Reparaturen – in den letzten zehn Jahren um 38 Prozent. Besonders heftig drehen die Mineralölkonzerne an der Preisschraube. Diesel wurde seit 2001 72,7 Prozent teurer, der Preis für Super kletterte um mehr als die Hälfte. In den ersten vier Monaten dieses Jahres ging's weiter aufwärts. Für einen Liter Diesel bezahlten Autofahrer im Schnitt 150,6 Cent (2011: 141,1 Cent), der Liter Super floss für 165,6 Cent (2011: 152,2 Cent) in den Tank.

Insgesamt stiegen die Autokosten in den letzten zwölf Monaten um 3,1 Prozent. "Und die Kosten werden weiter steigen", sagt Dr. Werner Lohrberg, wissenschaftlicher Beirat im Bundesverband Fuhrparkmanagement. Das stellt die Modellauswahl im Fuhrpark infrage. So haben Spritfresser keine Zukunft, auch Diesel-Fahrzeuge könnten bald ausgemustert werden. Ihnen drohen höhere Abgaben, die Preisspanne zum Benzin sinkt. "Fuhrparkmanager sollten mit diesen Szenarien arbeiten, um besser entscheiden zu können", rät Lohrberg. Wer die Full-Service-Leasing-Raten von Benzinern und Dieseln unter verschiedenen Preisannahmen vergleicht, erkennt: Diesel lohnen sich nur, wenn der Kraftstoff billiger als Benzin bleibt. Bei Gleichstand sind Benziner günstiger.

Eine intelligente Car Policy und die Kontrolle der Gesamtkosten halten die Ausgaben in Schach

Mit alternativen Antrieben könnten Firmen einen Teil der Ausgabe einsparen. Doch zumindest mittelfristig werden sich E- und Gasautos nicht durchsetzen. "Elektroautos haben einen begrenzten Radius und nur gut 900 von 14.000 Tankstellen bieten Gas an. Das sind viel zu wenige", bemängelt Lohrberg. "In den nächsten Jahren werden keine 3.000 bis 4.000 Tankstellen dazukommen. So viele wären aber nötig, um Gasautos voranzubringen." Zwar frisst der Sprit laut Statistischem Bundesamt mit knapp einem Drittel der Gesamtkosten das größte Loch ins Budget der Fahrzeugbesitzer. Doch auch Instandhaltung, Wertverlust, Versicherung sowie Kfz-Steuer entwickelten sich zu Kostentreibern. Reparaturen und Inspektionen wurden im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent teurer und eine große Inspektion kostet heute rund ein Viertel mehr als vor zehn Jahren.

Auch für die obligatorische Hauptuntersuchung muss man im Zehnjahresvergleich über 50 Prozent mehr ausgeben. Und auch die Länder beziehungsweise seit Juli 2009 der Bund kassieren kräftiger ab: Die Kfz-Steuer stieg seit 2001 um 29,3 Prozent. Ähnlich entwickelten sich die Versicherungsprämien. Zwischen 2005 und 2010 erhöhten die Assekuranzen laut dem Autoclub Europa (ACE) die Beiträge um 18,2 Prozent. Besonders die Flottenversicherungen langen zu. Sie erhöhten ihre Prämien im ersten Halbjahr 2011 nach Angaben des Versicherungsverbands GDV im Schnitt um 3,4 Prozent. Die HUK Coburg stellte sogar 6,1 Prozent höhere Rechnungen aus. Und Vorstandschef Wolfgang Weiler kündigte weitere Anpassungen an.

Mehr als die Hälfte der Fuhrparkleiter rechnet weiterhin mit deutlich steigenden Kosten

Die HUK steht damit nicht alleine. "Marktbeobachter erwarten für das Flottengeschäft in den nächsten Jahren einen Anstieg um 20 Prozent", sagt Dr. Guido Birkner vom FAZ-Institut. Diese rasanten Erhöhungen können Unternehmen mit niedrigen Schadenquoten und geschicktem Taktieren ausgleichen, erklärt Birkner. Fuhrparkmanager, die bis November warten, profitieren unter Umständen von lukrativen Bedingungen, wenn die Versicherungsgesellschaften ihre Vertragsbestände kurzfristig auffüllen müssen. Um die größten Kostenblöcke im Fuhrpark unter Kontrolle zu bekommen, müsse man sie allerdings erstmal identifizieren, sagt Fuhrparkberater Claus Juchum. Ein ausgefeiltes Reporting ist also unverzichtbar. Außerdem sollte die Fuhrparkstrategie einer intelligenten Marken- und Modellpolitik des Unternehmens untergeordnet werden.

Möglich ist das schon lange. Leasinggesellschaften können längst für jede Laufzeit und Laufleistung der Fahrzeuge die individuellen Vollkosten errechnen, um Vergleiche zu ermöglichen. Auch eine kürzere Laufzeit von Leasingverträgen sieht Fuhrparkprofi Lohrberg als probates Mittel gegen die Unsicherheit bei Preisentwicklungen. "Downsizing und eine höhere Beteiligung der Mitarbeiter sind weitere Strategien", sagt Lohrberg. Dem schließt sich Fuhrparkleiter Slaven Toplak vom gleichnamigen Trockenbauunternehmen an: "Der wirtschaftlichste Dienstwagen nützt nichts, wenn die Fahrer unnötig Gas geben. Das verursacht nicht nur hohe Spritkosten, sondern forciert auch den Fahrzeugverschleiß." Lease Plan rechnet vor: Fünf Prozent weniger Verbrauch senken die Kosten für Wartung, Reifen und Unfallschäden um bis zu zehn Prozent.

Webbasierte Dienste und Apps erleichtern die Verwaltung der Flotte

Weil die Mobilität der Mitarbeiter trotz hoher Kosten gesichert werden muss, gehen immer mehr Unternehmen andere Wege. Sie nutzen Carsharing, setzen auf Videokonferenzen, schicken Ihre Mitarbeiter mit Mietwagen oder Bahn auf Dienstreisen. Etliche Dienstleister bieten Möglichkeiten, Verkehrsmittel clever zu vernetzen, helfen mit intelligenten Telematiksystemen, die Kilometerleistung der Flotten zu senken. Im Internet entfaltet Telematik mehr Effizienz, darin liegt die Zukunft des Verkehrs– und des Flottenmanagements. Gerade dann, wenn Mitarbeiter vorwiegend regional unterwegs sind. "Der technische Fortschritt eröffnet immer mehr Möglichkeiten, Firmenwagen zu organisieren", bestätigt Theodor Hermann, Vertriebsleiter von Vispirion, einem Anbieter elektronischer Planungstools.

Webbasierte Dienste ermöglichen es, Fahrzeuge online zu verfolgen und helfen bei der Reise- oder Fuhrparkplanung. Apps helfen Unternehmen und Mitarbeitern mit Infos dabei, sparsam mobil zu sein. Car2go etwa vermittelt per App Carsharing-Autos in vielen Städten, Pocket Taxi bringt Kollegen zu Fahrgemeinschaften zusammen. Ebenso sinnvoll sind Programme wie die Organisationshilfe Car-Sync-Log von Vispirion. Damit bearbeiten die Fahrer online ihre Fahrtenbücher, Flottenmanager orten Dienstwagen und organisieren die Schlüsselausgabe. Gleichzeitig warnt das System, wenn bei Leasingautos die Jahresleistung bald überschritten wird, schlägt Tauschvarianten vor und identifiziert Führerscheine.

Trotzdem stoßen diese Möglichkeiten auf Vorbehalte. Doch Hermann versichert: "Wir wollten kein Überwachungssystem schaffen, sondern helfen, Prozesse zu optimieren." Dass die Budgets nicht endlos belastbar sind, zeigen die Preise für Neuwagen. Sie stiegen zwischen 2005 und 2010 um 6,7 Prozent, weniger als die durchschnittlichen Teuerungsrate. Offenbar sind derzeit höhere Preise nicht durchsetzbar. Der ACE vermutet allerdings, dass Rabattaktionen beim Neuwagenkauf über den Umweg höherer Werkstatt- und Wartungskosten wieder hereingeholt werden. Die Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf Servicepakete, die durch eine Kopplung mit mehrjährigen Garantieversprechen eine langfristige Kunden bindung zur Werkstatt erzielen sollen.

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5. Juli 2012
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