VW Touran Zoom

Kraftstoffkosten: So senken Sie den Flottenverbrauch

Kraftstoffkosten machen mehr als ein Viertel der Fuhrparkkosten aus. Laufen diese aus dem Ruder, liegt es häufig auch an den Fahrern. FIRMENAUTO.de erklärt, wie Sie Ihre Mitarbeiter in den Griff bekommen und mit welchen Maßnahmen Sie den Flottenverbrauch sonst noch senken können.

Mal ganz ehrlich: Kleben Ihre Mitarbeiter die Karosseriefugen der Dienstwagen mit Klebeband ab, um etwas windschnittiger zum nächsten Termin zu gleiten? Oder verzichten sie bei sommerlichen Temperaturen freiwillig auf ihre Klimaanlage? Nein? Keine Angst, dann sind auch Ihre Mitarbeiter ganz normale Autofahrer. Denn mit solchen Tricks arbeiten nur die Autohersteller, wenn sie ihre neuen Modelle auf den NEFZ-Normverbrauch testen lassen.

Pauschal lässt sich keine Aussage darüber treffen, welche Motorisierungen bei den Verbräuchen besonders von den Angaben in den Hochglanz-Prospekten der Händler abweichen. Angesichts der Vielfalt an Antrieben ist es deshalb vor der Neuwagenanschaffung für Flottenmanager ratsam, genau zu prüfen, welche Fahrzeuge die Anforderungen für den -jeweiligen Einsatz am besten erfüllen.

Hybrid hat im Stadtbgebiet Vorteile

Ein Hybridmodell beispielsweise zeigt vor allem im Stadtgebiet Vorteile, weil da der Elektromotor oft zum Zug kommt. Auf längeren Autobahnetappen schleppt es mit einem dann ruhenden E-Motor allerdings nur unnötig Mehrgewicht mit sich herum. Den Aufpreis für den teuren Hybriden können Dienstwagennutzer so niemals wieder einfahren.

Auch bei Gasautos sollten Flottenmanager vorher kalkulieren, wann sich die Umbaukosten amortisieren. Erdgasfahrzeuge haben zwar deutliche Vorteile bei den Emissionen. Doch auch hier ist zu beachten, dass das Tankstellennetz noch recht dünn ist und womöglich -ständig Extratouren nur zum Tanken -anfallen können.

Vorsicht bei Euro-5-Diesel

Die meisten Fuhrparkleiter fällen ihre Entscheidung deshalb weiterhin nur zwischen Diesel oder Benziner. Hier lässt sich leicht hochrechnen, ab wann sich das gewünschte Modell mit einem teureren Selbstzünder unter der Haube lohnt. -Wobei der Diesel mit 21 Cent Steuervorteil an der Tankstelle schon nach wenigen Tausend Kilometern seinen Trumpf ausspielt. "Solange der Diesel subventioniert wird, vollbringen auch die kleinen Dreizylinder-Benziner keine Wunder im Flottengeschäft", erklärt Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut.

Beim Diesel sollten Flottenmanager allerdings die Euro-6-Norm im Auge behalten, sonst blühe ihnen ein zweites Feinstaubproblem. "Wer heute einen Euro-5-Diesel kauft, geht das Risiko ein, im Jahr 2015 Zusatzabschreibungen leisten zu müssen", sagt Dudenhöffer.

Car Policy kann richtungsweisend sein

Wenn sich die Mitarbeiter selbst einen Firmenwagen aussuchen dürfen, sollten Flottenmanager diese zu kraftstoffsparenden Fahrzeugen bewegen. Am besten werden die dafür vorgesehenen Maßnahmen bereits durch die Car Policy abgedeckt. "In unserem Fuhrpark sind die Kraftstoffkosten bereits kalkulatorisch in den Leasingraten enthalten. Wenn der Mitarbeiter ein verbrauchsarmes Fahrzeug wählt, kann er dafür mehr Ausstattung dazubestellen oder seine Zuzahlung reduzieren", erklärt Flottenmanager Günter Schlupf vom Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Max Bögl.

Bei der Wahl der Ausstattung sollte der Flottenmanager allerdings darauf achten, dass neben Navi und Co. auch verbrauchsoptimierende Extras wie eine Start-Stopp-Automatik mit an Bord sind. Bereits 20 Sekunden am Stück mit abgeschaltetem Motor reichen, um den Verbrauch spürbar zu senken.

Neben dem Ampelstopper sind auch Leichtlauföle und Leichtlaufreifen bewährte Spritsenker. Ein sehr wirkungsvolles Mittel sind zudem Geschwindigkeitsbegrenzer. Denn wer mit 160 statt moderaten 120 km/h auf der Autobahn fährt, verbraucht rund 45 Prozent mehr Sprit, bei Tempo 200 sind es sogar 100 Prozent.

Technik ist Spritfresser

Die Technik im Hintergrund erhöht nicht nur das Fahrzeuggewicht, sondern bedient sich auch direkt am Kraftstoff. Eine Faustregel besagt: Bei 100 Watt kontinuierlicher Mehrbelastung entsteht ein Zusatzverbrauch von 0,1 Liter auf 100 Kilometer. Eine Klimaanlage gönnt sich so durchschnittlich 1,5 Liter Sprit auf 100 Kilometer. An einem Winterabend wiederum saugen Abblendlicht, Sitzheizung, Lüftung, Heckscheibenheizung und Radio mal eben 0,6 Liter mehr aus dem Tank. Hört sich zunächst nicht nach viel an, summiert sich aber schnell. "Wer nur einen Cent pro Kilometer weniger ausgibt, der kann je nach Fuhrparkgröße und Laufleistung viele Tausend Euro sparen", erklärt Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement.

Seine Außendienstler deshalb aber ohne Klima zum Schwitzen zu verdonnern, ist wenig sinnvoll. Für Flottenmanager gilt es daher, eine gute Balance zwischen dem von der Chefetage vorgeschriebenen Sparzwang und den Bedürfnissen der Außendienstler zu finden. Ein schlechtes Verhältnis zu den Mitarbeitern kann sich sonst schnell negativ auf die Fuhrparkkosten auswirken.

Ob die Heckscheibenheizung nämlich noch läuft, obwohl die Scheibe schon längst frei ist, die Sitzheizung durchgehend angeschaltet bleibt oder das Abblendlicht tagsüber brennt, hängt alleine vom Fahrer ab. Ebenso ob er die Start-Stopp-Automatik deaktiviert, die sein Fuhrparkleiter ihm für mehrere hundert Euro Aufpreis hat einbauen lassen, oder ob er die günstigste Tankstelle ansteuert und nicht die mit den meisten Prämienpunkten.

Autofahrer tanken oft beim gleichen Anbieter

Denn obwohl die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen stark variieren, tanken laut einer ADAC-Studie 40 Prozent der Autofahrer jedes Mal beim gleichen Anbieter – ohne Preise zu vergleichen. Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Markttransparenzstelle, durch die Fahrer die unterschiedlichen Spritpreise in der Umgebung über eine Smartphone-App oder das Navi ins Auto geschickt bekommen, stößt dann wohl auf taube Ohren.

Einsparen lässt sich aber auch hier, indem Flottenmanager zum Beispiel Premiumkraftstoffe verbieten und dazu aufrufen, das Tanken an Autobahnen zu vermeiden. Solche Maßnahmen haben sich laut Prinzing in der Praxis bereits bewährt. Fuhrparkleiter Günter Schlupf trennt zudem zwischen Freizeit- und Berufsfahrten: "Unsere Mitarbeiter beteiligen sich an Wochenend-, Feiertags- und Urlaubsfahrten mit einem festgelegten Betrag pro gefahrenem Kilometer."

Fahrer hat großen Einfluss auf Verbrauchssenkung

Dass der Fahrer Dreh- und Angelpunkt zu einer erfolgreichen Verbrauchssenkung ist, haben die Unternehmen gemerkt. Spritspartrainings für Mitarbeiter liegen hoch im Kurs. Einsparungen von bis zu 20 Prozent werden oft versprochen. Doch was die Fahrer auf speziellen Übungsplätzen lernen, wird im Alltag aufgrund einer anderen Umgebung und veränderten Fahrsituation oft nicht mehr angewendet.
 
Dekra bietet Firmen deshalb einen anderen Weg, ihre Mitarbeiter auf eine nachhaltige, verbrauchsoptimierte Fahrweise zu schulen. Statt auf abgesperrten Testgeländen finden die Schulungen der Sachverständigenorganisation auf den alltäglichen Routen der Fahrer statt. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: "Wir können die Teilnehmer gezielt in ihrem alltäglichen Umfeld analysieren und unter realen Bedingungen Verbesserungsvorschläge geben", erklärt Reinhard Buchsdrücker, Experte für Fahrertraining bei Dekra. Den durchschnittlichen Erfolg bei der Verbrauchsreduzierung beziffert Buchsdrücker je nach Teilnehmer auf drei bis acht Prozent.

Fahrtrainings allein reichen nicht aus

Mit einem Fahrtraining alleine ist es allerdings oft noch nicht getan. Für Marc-Oliver Prinzing haben Spritsparschulungen alleine nur einen "kurzfristigen Effekt". Für einen langfristigen Erfolg empfiehlt er das Fahrverhalten der Dienst¬wagennutzer zumindest anhand eines laufenden Monitorings zu begleiten, durch welches die Mitarbeiter bei optimierter Fahrweise belohnt werden.

Noch wichtiger sei es aber, dass sich bei den Fahrern die Einstellung grundlegend ändere. Dazu müssen sie zu Betroffenen gemacht werden, durch Aufklärung und Transparenz. "Wenn die Kosten steigen, dann muss das Unternehmen an irgendeinem Punkt Maßnahmen einleiten, zum Beispiel zu kleineren Fahrzeugen übergehen", erklärt Prinzing. Die Fahrer müssen wissen, wie sich ein unverhältnismäßig hoher Spritverbrauch konkret auswirkt. Nur so reflektieren sie ihr Verhalten und ändern ihren Fahrstil.

Interner Wettbewerb hilft beim Spritsparen

Auf diesem Prinzip basiert auch das Spritspartraining von Dekra. Neben der eigentlichen Schulung werden die Mitarbeiter zusätzlich zu einem internen Wettbewerb aufgerufen. Alleine die Ankündigung eines Spritsparwettbewerbs zeige schon eine messbare Wirkung.

Die Verbrauchswerte lassen sich dabei auf unterschiedlichen Wegen dokumentieren. Bei kleineren Flotten kann man die Belege noch einzeln erfassen. Bei größeren Fuhrparks geht das aber aufgrund des Zeitaufwands nicht mehr. Hier kommt man an elektronischen Reporting-Systemen wie beispielsweise von Tankkartenanbietern nicht mehr vorbei. Zuverlässig sind aber auch die Daten der Plastikkarten nicht unbedingt. Terminstress und Motivationslosigkeit sind beispielsweise Gründe, warum Dienstwagennutzer auch mal einen falschen Kilometerstand bei der Betankung eingeben. Die Folge sind fehlerhafte Auswertungen. Das Reporting-System sollte deshalb auch gleich Ausreißer aufdecken.

Telematiksysteme geben Auskunft über das Fahrverhalten

Den größten Erfolg erzielen Flottenmanager mit Telematik-Systemen, die nicht nur den Realverbrauch genau messen, sondern auch Auskunft über das Fahrverhalten geben. Dies hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen reduziere sich laut Prinzing alleine schon durch den Einsatz von Telematik-Systemen die Laufleistung der Dienstwagen. Zum anderen lässt sich so der Fahrstil jedes Fahrers auswerten. "In den Spritspartrainings können wir dann individuell auf jeden Fahrer eingehen", sagt Buchsdrücker. Damit sich die Mitarbeiter allerdings nicht unter Beobachtung fühlen, rät Prinzing zu einer Betriebsvereinbarung. Die solle klarstellen, dass es nicht darum gehe, Mitarbeiter zu kontrollieren und zu bestrafen, sondern im Sinne des Unternehmens unnötige Kosten zu vermeiden.

Ein lückenloses Reporting hat im Übrigen auch noch ganz andere Vorzüge. Wer nämlich belegen kann, dass der Herstellerverbrauch erheblich vom Praxiswert des Fahrers abweicht, hat rechtlich die Möglichkeit, einen Rücktritt vom Kaufvertrag zu erzwingen oder aber Anspruch auf eine Kaufpreisminderung beziehungsweise eventuellen Schadenersatz. "Neben einem Fahrtenbuch sollten Fuhrparkmanager deshalb auf jeden Fall auch die Tankquittungen aufbewahren, um den nötigen Beweis eines erhöhten Kraftstoffverbrauchs führen zu können", erklärt Christian Fuhrmann, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Stuttgart. In den meisten Fällen wird vom Gericht zusätzlich ein neutrales Sachverständigengutachten angefordert. "Der Bundesgerichtshof (AZ: VIII ZR 19/05) und das Oberlandesgericht Hamm (AZ: 28 U 94/12) haben sich in ihren Urteilen auf eine Verbrauchsabweichung von zehn Prozent und mehr geeinigt. Die Chancen auf eine erfolgreiche Klage stehen dann sehr gut. Sobald man eine Rechtsschutzversicherung im Rücken hat, sollte man den Klageweg bestreiten, da das Prozessrisiko wegfällt."

Autor

Foto

Hardy Mutschler

Datum

25. Juni 2013
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