MAN TGE 10 Bilder Zoom
Foto: Markus Bauer

Fahrbericht MAN TGE

Kein Van, sondern ein MAN

Mit dem TGE auf VW Crafter-Basis will MAN jetzt bei den Transportern mitmischen. FIRMENAUTO ist schon mal probegefahren.

Die Verwandtschaft der beiden Konzernbrüder Crafter und TGE ist unverkennbar. Tatsächlich betreibt MAN bei seinem Transporter-Erstlingswerk klassisches Badge-Engineering, nimmt sich also ein bestehendes Modell vor und montiert die eigenen Logos dran. Die Idee ist nicht schlecht, konnte der Crafter als komplette VW-Neuentwicklung doch bereits einige Lorbeeren ernten. Natürlich sind auch im TGE, kurz für Trucknology Generation Express, sämtliche Assistenzsysteme des neuen VW Crafter zu haben. 

Die enge Verwandtschaft zeigt sich auch im Design. Sowohl außen wie auch innen ziert zwar das MAN Logo den Wagen, darunter sind aber gleichzeitig die Großserienteile aus dem Konzernbaukasten zu sehen. Schließlich hat VW bereits im Crafter großflächig Pkw-Komponenten verbaut. Neben der Lkw-typisch robusten Innenausstattung samt pflegeleichten Sitzbezügen und PUR-Multifunktionslenkrad ist auf Wunsch auch edleres Gestühl sowie ein handschmeichelndes Lederlenkrad zu haben.

Technik von VW

Unterm Blech trägt der TGE 2,0-Liter-Dieselmotoren mit 102, 140 und 177 PS. Zum Marktstart treiben diese Triebwerke ausschließlich die Vorderräder an. Nach den Werksferien, also im frühen Herbst, folgen Heck- und Allradantrieb. Dann folgt auch der 122 PS starke Motor für den schweren TGE mit doppelt bereifter Hinterachse.

Zu haben ist der TGE als Kastenwagen mit zwei verschiedenen Radständen (3.640 und 4.490 Millimeter). Die drei Längen betragen 5.986 (Standard), 6.836 (Lang) und 7.391 Millimeter (Extralang), die Höhen 2.355 (Normaldach), 2.590 (Hochdach) und 2.798 Millimeter (Superhochdach). Dazu kommen Fahrgestellvarianten mit Einzel- und Doppelkabine in den besagten Längen (Doppelkabine nur Standard und Lang).
Preislich liegen Crafter und TGE laut MAN auf einem Level. Die Wahl dürfte also weniger mit dem jeweiligen Produkt, sondern der Marke selbst zusammenhängen. Die Zielgruppen für die gleichen Brüder Crafter und TGE dividieren die Münchner zur Markteinführung zunächst grob in Handwerker/Behörden (Crafter) und Logistiker/Bau (TGE).

MAN will bestehende Lkw-Kunden für TGE gewinnen 

Gerade hier punktet MAN als frischgebackener Vollsortimenter. Kunden, die bereits schwere MAN in ihrem Fuhrpark betreiben und entsprechende Workflows etabliert haben, können den TGE direkt einsteuern. Dabei hilft MAN auch mit maßgeschneiderten Serviceangeboten nach. Der Werkstattpartner, mit dem der Kunde bisher zusammenarbeitet, übernimmt auch den Service am Transporter – Dienstleistung und Fahrzeug aus einer Hand. Diese bietet MAN 24/7 an, auch ohne vorherigen Werkstatttermin.

Einer der Vorteile ist laut MAN, dass die dafür nötigen Servicezentren, das Personal und die Kompetenz bereits vorhanden sind. Der zusätzliche Service soll auch per se keinen Aufpreis kosten. "Das ist sowieso da bei uns", kommentiert der Hersteller eine entsprechende Nachfrage. 

Direktvertrieb schlägt Showroom

Auch beim Vertrieb orientiert sich MAN an den Gepflogenheiten im Beritt der schweren Nutzfahrzeuge. Eine eigentliche Preisliste oder Showrooms gibt es nicht. Stattdessen läuft der Vertrieb über ein eigens aufgebautes Außendienstteam. Dieses erstellt beim Kunden vor Ort ein maßgeschneidertes Angebot. Mit im Programm sind zudem spezielle Aufbaulösungen, die MAN im Einrechnungsgeschäft anbietet. Dieses Aus-einer-Hand-Prinzip gilt auch für Werkstattaufenthalte. Man repariere in der MAN-Werkstatt neben dem Fahrzeug an sich auch "alle gängigen Aufbauten". Schließlich geht der Hersteller davon aus, dass 40 Prozent der nach dem Hochlauf geplanten Jahresproduktion von 20.000 Einheiten eben keine Kastenwagen sind, sondern spezielle Aufbaulösungen. 

Nach dem bereits erfolgten Bestellstart hat MAN die Markteinführung des TGE auf den 8. Juni terminiert. Dann ist zunächst Deutschland am Zug. Der von Europa soll noch in diesem Jahr folgen. Ebenso erst etwas später verfügbar ist die Transportertelematik auf Basis der Technik von Rio, die sich herstellerübergreifend in die jeweilige Umgebung des Kunden integrieren lässt. 

Wie sich MAN auf dem neuen Parkett also letztlich schlägt, wird sich zeigen. Technik und Servicepaket verheißen einen guten Start.  

Die Assistenzsysteme

Vor allem die elektromechanische Lenkung ermöglicht Funktionen, die es bisher im Transporter noch nicht gab. Dazu gehören der Parklenkassistent und der aktive Spurhalteassistent. Hinzu kommen Notbremsassistenten an Front und Heck, ein adaptiver Tempomat, der serienmäßige Seitenwindassistent und ein Flankenschutz, der ähnlich wie Parkpiepser funktioniert. Weiter hat der TGE in der Preisliste unter anderem Systeme wie Fernlichtassistent, Rückfahrkamera, Reifendruckkontrolle sowie Müdigkeits- und Verkehrszeichenerkennung zu bieten. 

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Datum

22. Mai 2017
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