Versicherung, Flotte, Schadenquote Zoom

Marktübersicht Versicherungen: Flotten droht die Kündigung

Den Flottenbetreibern stehen harte Zeiten bevor – die Versicherungen wollen ihre Prämien bis zu hundert Prozent erhöhen.

Drei Viertel aller Flottenkunden erhalten nach den Sommerferien blaue Briefe – oder haben bereits einen auf dem Tisch«, sagt Anton Knitsch, Leiter Kraftfahrt-Versicherungen der Funk-Gruppe aus Hamburg.  »Es gibt Versicherungsgesellschaften, die ihre Bestände massiv sanieren wollen«, ergänzt Rüdiger Barth, Großmakler bei Aon Deutschland.

Obwohl zwischen beiden Maklern ein harter Konkurrenzkampf besteht, sind sich beide einig: So hart wie in diesem Jahr haben die Versicherer noch nie zum Kampf geblasen. Zwischen 50 oder 100 Prozent mehr Versicherungsprämie verlangen die Assekuranzen von den Flottenbetreibern. Erstmals seit zehn Jahren gibt es sogar unterjährige Kündigungen. »Sechs bis sieben Flottenversicherer machen das«, sagt Werner Görg, Vorstand der Gothaer.

»Auch wir hatten schon solche Fälle«, bestätigt Barth. Mittlerweile werden auch schon Namen genannt: unter anderem Axa, Basler sowie die Sparkassenversicherung Stuttgart. Die Provinzial Münster denkt darüber nach, welche Branchen überhaupt noch versichert werden sollen. Auch unsereMarktübersicht – an der lediglich Chartis und Provinzial Münster nicht teilnahmen – fördert Erhellendes zutage: Die Kategorie »Eilig«, so schreibt etwa die Provinzial Düsseldorf, werde gar nicht mehr versichert. Dazu gehören Taxiunternehmer, Pizzalieferanten, Mietwagenfirmen und Kurierfahrer. Ähnlich handeln die Alte Leipziger oder die Württembergische.

Kündigung während der Laufzeit

Darüber hinaus droht einigen Flotten die Kündigung, obwohl die Verträge in der Regel bis zum Jahresende laufen. »Diese Taktik kann aufgehen, wenn der Kunde einen ganz schlechten Rahmenvertrag hat und dieser schon nach einem Schaden gekündigt werden kann«, sagt Peter Slawik, Vorstand der Provinzial. Selbst weist Slawik diese kundenunfreundliche Strategie ebenso wie Gothaer-Vorstand Görg weit von sich. Sie hätten bereits in der Vergangenheit keine schlechten Flotten mehr angenommen. Dagegen soll die Konkurrenz wie Provinzial Münster, R+V, Versicherungskammer Bayern und VHV eher »aggressiv« unterwegs gewesen sein. Sie hätten Flotten versichert, deren Schadenquoten bei bis zu 130 Prozent lagen.

Hinzu kommt, dass die Versicherer ein strengeres Aufsichtsrecht bekommen. »Mit Solvency II müssen die Gesellschaften besondere Risiken aus den Büchern streichen, sonst verlangt die Aufsicht mehr Eigenkapital«, erklärt Versicherungsberater Andreas Kutschera. Da ist der Trick mit den unterjährigen Kündigungen nicht schlecht. Doch es gibt einiges, was Flottenchefs jetzt tun können. »Stillhalten ist die erste Devise«, sagt Knitsch. Die Firmen sollen bloß nicht nachfragen, ob sie mit einer vorzeitigen Kündigung rechnen müssen.

Rahmenvertrag prüfen

Wer doch eine Kündigung erhält, sollte seinen Rahmenvertrag prüfen lassen. »Nicht immer stimmt das, was Versicherer glauben tun zu dürfen«, sagt Barth. Wichtig sei es, die Schadensituation genau zu analysieren. Problematisch kann aber auch die Kündigung einzelner Fahrzeuge etwa nach einem kleinen Glasschaden sein. Wer ein einzelnes Auto versichern will, muss mit unangenehmen Fragen rechnen. Dann gilt es zu überlegen, welche Maßnahmen möglich sind. Dazu gehört unter anderem die Erhöhung der Selbstbeteiligung. Das wirkt sich günstig auf die Prämie und somit auf die Versicherungssteuer aus. Sie liegt immerhin bei 19 Prozent.

»Ich rechne damit, dass es nun bei Flotten größer 100 Fahrzeugen, viel häufiger zu Selbstbeteiligungsmodellen in der Haftpflicht kommt«, sagt Makler Knitsch. Gleichzeitig warnt er alle Unternehmen davor, sich jetzt ins Bockshorn jagen zu lassen. So seien einige Anbieter mit Drohungen unterwegs, ab Januar die Prämien um bis zu 100 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig versuchen sie eine unterjährige Sanierung anzubieten. »Wer das durchrechnet, stellt oft fest, dass er mit der Sofortlösung noch draufzahlt«, warnt Knitsch. Wer weiß heute schon, ob am Ende des Jahres einige Versicherer nicht doch wieder aus Umsatzgründen die Preise nachlassen, fragt sich ein Vorstand, der in diesem Zusammenhang nicht genannt werden möchte.

Vielleicht sollten Flottenkunden auch ganz aus dem Flottenversicherungsgeschäft aussteigen. Eine Möglichkeit bietet beispielsweise Stephan Brückner von der SAW-Assekuranz. Brückner ist Online-Makler und hat auf diesem Weg schon 100 Flotten gewonnen. Vielfach nutzt er einfach den Privatmarkt und bringt die Fahrzeuge unter. »Oft sind die Geschäftsführer von Alter und Schadenfreiheitsrabatt günstige Kunden«, so Brückner. Möglich ist es für Unternehmen auch in schwierigen Zeiten, die Mitarbeiter zu sanfterer Fahrweise anzuhalten. »Dafür muss aber schon was rausspringen. Unter 1.000 Euro Bonus fährt nach unseren Erfahrungen niemand vorsichtiger«, sagt Knitsch.

Als weitere Alternative kann auch das Schadenmanagement eines Experten – vielleicht sogar einer Versicherungsgesellschaft – genutzt werden. Das könnte die Kosten für die Kaskoversicherung um bis zu 25 Prozent senken. Den Vorteil gibt das Versicherungsunternehmen dann weiter. Notfalls muss man sich eine andere Leasinggesellschaft oder ein anderes Flottenmanagement ­suchen, denn Kosten sparen bleibt angesichts geringerer Margen das A und O des Erfolgs.

Flottenversicherungen: Marktübersicht

Was Sie zum Thema Versicherung wissen müssen

Rahmenvertrag:

In einem Rahmenvertrag werden Vereinbarungen getroffen, die über die Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB) hinausgehen. Etwa eine Großschadenkappung, die Mitversicherung von Tochterunternehmen oder der Gerichtsstand.

Gewinn-Modell:

Ein Teil der Prämien wird rückvergütet. Entscheidend ist die Schaden­quote, also der Anteil der Schadenaufwen­dungen an den Beiträgen. Ab einer Quote von 60 Prozent ist eine Rückvergütung möglich.Großschadenkappung: Ein einziger schwerer Unfall kann die Schadenquote auf Jahre belasten (Verlustvortrag). Dies verhindert eine Großschadenkappung. Ab einer bestimmten Höhe werden die Schäden einfach abgeschnitten. Die Versicherer verlangen hierfür einen Prämienzuschlag.

Stückprämien:

Bei besonders großen Flotten zahlt man für ähnliche Fahrzeuge immer den gleichen Preis. Motorisierung oder Ausstattung spielen keine Rolle. Auch das im normalen Tarif bei Pkw übliche Schadenfreiheitsrabattsystem wird nicht berücksichtigt.Stückprämie mit Verlaufsrabatt: Alle Fahrzeuge der Firma werden in die gleiche Beitragsklasse eingestuft. Damit erhalten auch hinzukommende Dienstwagen den aktuellen Verlaufsrabatt der Flotte. Die Verlaufsrabattklasse gilt für alle Sparten, also die Kfz-Haftpflichtversicherung, die Vollkaskoversicherung und die Teilkaskoversicherung. Nachteil: Nehmen die Unfälle zu, werden alle Fahrzeuge hochgestuft.

Rabatttausch:

Gilt das Schadenfreiheitsrabattsystem bei kleineren Flotten, dann können die besten Rabatte den Wagen mit den höchsten Typklassen zugeordnet werden, die schlechtesten den Kleinfahrzeugen mit kleiner Typklasse und günstiger Grundprämie.

Datum

1. August 2011
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