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Marktübersicht: Was Flottenversicherungen bieten

Die Versicherungsbranche kämpft mit harten Bandagen. Das birgt neue Chancen für Flotten. Wer was bietet und worauf man achten sollte, zeigt unsere Marktübersicht.

Für Flottenkunden wird es in diesem Jahr an der Versicherungsfront sehr interessant. Nicht alle Versicherer rechnen in der aktuellen Wechselsaison 2016/17 mit einem tendenziell harten Markt, bei dem die Prämien weiter nach oben gehen. Einzelne Anbieter sind der Meinung, dass Prämien für Flotten wieder stärker verhandelbar sind. Das könnte auch eine Botschaft an Flottenkunden sein: "Wir sind verhandlungsbereit." Gleichzeitig wird der Markt enger, weil es weniger Anbieter gibt. Das ist das Fazit einer aktuellen Umfrage, die FIRMENAUTO bei den wichtigsten Flottenversicherern durchgeführt hat.

Darüber hinaus sind die Versicherungsanbieter weiterhin stark von der anhaltenden Niedrigzinsphase betroffen. War es in der Vergangenheit oft so, dass eng kalkulierte Prämien noch einen Ausgleich über die Verzinsung von Rückstellungen fanden, ist dies heute illusorisch. "Aufgrund der Zinssituation kann es sich kein Versicherer leisten, entstehende Verluste durch Kapitalerträge auszugleichen", sagt Uwe Hüholt von der Axa-Versicherung. Daher müssten heute Flottenversicherer besonderen Wert auf das »versicherungstechnische Underwriting« legen. Tendenziell führt das zu einem harten Markt, bei dem schon leicht höhere Schadenquoten eine Prämien­erhöhung nach sich ziehen können.

Schadenquote des Fuhrparks muss unter 70 Prozent liegen

"Bei den Versicherungsgesellschaften gilt derzeit in der Regel eine Flotte mit einem Schadenaufwand unter 70 Prozent gemessen am Nettobeitrag als positiv. Ist das Verhältnis schlechter, muss man mit einer Beitragserhöhung rechnen", schätzt Versicherungsmakler Thomas Salomon. Laut der R+V-Versicherung ist die Prämiendynamik im Flottenmarkt aber leicht abgeschwächt.

So wären die Preise im Dezember 2015 marktweit noch um 3,5 Prozent nach oben geklettert, während sich der Anstieg im April 2016 auf 2,1 Prozent verringert habe. Im vergangen Jahr lag die Schaden-Kosten-Quote im Flottengeschäft nach einer Erhebung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei 106,5 Prozent. Das heißt, angesichts marginaler Zinserträge müsste die Branche für ein ausgeglichenes Geschäft die Prämien eigentlich um mindestens 6,5 Prozent erhöhen.

"Entsprechend ist das Kfz-Flottengeschäft trotz Verbesserungen weiterhin nicht auskömmlich", bestätigt Sebastian Kittner von der Ergo-Versicherung. Daher erwartet der Konzern aus Düsseldorf für die aktuelle Saison einen harten Markt. Diese Ansicht teilen die R+V aus Wiesbaden, zur der auch die Kravag in Hamburg gehört, die VHV aus Hannover und die Zurich aus Bonn, während die Rheinische Provinzial mit stabilen Prämien rechnet. Demgegenüber prognostizieren die HDI-Versicherung aus Hannover und die Münchener Generali nur einen leicht harten Markt und die Württembergische Versicherung aus Stuttgart ist sogar überzeugt, dass sich in der aktuellen Wechselsaison ein weicher Handel zeigen wird.

Moderate Prämienanpassungen sind kein Grund zur Entspannung

Doch Vorsicht: Kein Flottenmanager sollte sich aufgrund solcher Aussagen und der moderaten Prämienanpassungen entspannt zurücklehnen. Dazu ist die Streuung am Markt zu groß. Vor allem Flotten, die an der "Auskömmlichkeits-Grenze" liegen, müssen wohl mit Prämienerhöhungen rechnen. Schwierig wird es in diesem Jahr für Kurier- und Pflegedienste sowie für Busbetriebe, Taxen und Autovermieter. Doch auch hier entscheidet der Schadenverlauf der einzelnen Flotte. "Grundsätzlich betrachten wir immer die Risiko-Exponierung einer Fahrzeugflotte innerhalb einer Branche", heißt es bei der R+V. Daher könnten Flotten, die unterdurchschnittliche Schadenwerte aufweisen, durchaus zu günstigen Prämien versichert werden. Flottenmanager aus Problembranchen sollten aus diesem Grund stärker in ihre Schadenverhütung investieren, um einen Positiv-Status zu erreichen.

Insgesamt wächst das Flottengeschäft, wie alle Versicherer bestätigen. Das liegt in erster Linie an der steigenden Konjunktur und dem Trend zur engeren Mitarbeiterbindung, welcher wiederum zu größeren Dienstwagenflotten führt. Die HDI-Versicherung sieht hingegen vor allem ein Flottenwachstum über Corporate Carsharing. Im ökologischen Zeitalter gilt Corporate Carsharing immer mehr als ein alternatives Konzept im Bereich des Flottenmanagements, weil der Fuhrpark eines Unternehmens so effektiver zu verwalten ist.

Vorsicht bei Policen für Corporate-­Carsharing-Fahrzeuge

Versicherungstechnisch sollten Flottenmanager in diesem Neuland auf der Hut sein und unbedingt mehrere Angebote einholen, raten Experten. Demgegenüber wird es bei Flottenversicherern enger. Aktuell ist die Versicherungskammer Bayern aus unserer Marktübersicht ausgestiegen. Grund: kein Interesse mehr am Schutz von Großflotten.

Was den Assekuranzen Kopfzerbrechen bereitet, könnte für Flottenmanager eine Idee sein, die Versicherungspolice neu auf die Füße zu stellen. So sei seit 2012 das vermehrte Aufkommen von Eigenbeteiligungsmodellen für sinkende Prämien im Flottengeschäft verantwortlich. Grundsätzlich sollten sich Unternehmen von ihren Beratern höhere Selbstbeteiligungen durchrechnen lassen. Zwar geht dann das Unternehmen selbst zu einem Teil ins Risiko, doch gleichzeitig wird mit jedem Prämien-Euro, der weniger gezahlt wird, auch 19 Prozent Umsatzsteuer gespart. Bei größeren Flotten ist ein Selbstbeteiligungsmodell überdies in der Haftpflichtversicherung möglich. Frühere Bemühungen des Staates, die eingesparten Prämien bei hohen Selbstbehalten fiktiv zu besteuern oder gar zu verbieten, sind vom Tisch.

Schadenentwicklung auch unterm Jahr im Auge behalten

Verwunderlich ist, dass sich immer noch sehr viele Flottenmanager nicht ausreichend um die laufende Schadenentwicklung kümmern. "Rund 85 Prozent der Verantwortlichen kennen die Zahlen nicht genau", behauptet RVM-Versicherungsmakler Christos Sakalidis. Es reicht nicht aus, nur die versicherten Schadendaten zu kennen. Auch unversicherte Schäden und Folgekosten müssen in die Gesamtrechnung einfließen. "Da fallen Flottenbetreiber immer wieder aus allen Wolken, wenn die Versicherung plötzlich die Prämien deutlich erhöht oder mehr Eigenbeteiligung vom Unternehmen verlangt", so Sakalidis.

Die Kölner Axa hat bereits vor Jahren ein Frühwarnsystem eingerichtet. Damit sollen die Ursachen für einen starken Anstieg der Schadenhäufigkeit frühzeitig erkannt und schnell Gegenmaßnahmen aufgesetzt werden. Höhere Prämien werden viele Flottenmanager trotzdem nicht ganz vermeiden können. "Schadenverhütungsmaßnahmen, wie wir sie unseren Kunden anbieten, können höchsten den geforderten Zuschlag abmildern", erklärt Sakalidis.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Versicherungen nicht mehr vorbehaltlos eine Verkürzung der Kündigungsfrist für Unternehmen und Versicherungsmakler akzeptieren. Früher sei oft noch im Januar verhandelt worden. Heute müsse am 30. November die Flottenversicherung unter Dach und Fach sein.

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18. August 2016
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