Mercedes Citan 108 CDI, Front 6 Bilder Zoom

Mercedes Citan 108 CDI: Mit eigener Note

Mit dem Citan greift Mercedes im Segment der Stadtlieferwagen an. Was der Mercedes anders macht als der Renault Kangoo, von dem er abstammt, klärt die erste Testfahrt.

Es ist ein neues Gesicht in der Stuttgarter Fußgängerzone – und es zieht die Menschen an. Als der Citan zum Fotoshooting vorfährt, bleiben viele Leute stehen. "Ist das wirklich
ein Mercedes?", fragt ein Herr ­ver­wundert. Ja, ist es! Einer mit französischem Vorfahr – dem Renault Kangoo.

Der schönere Zwillingsbruder

Der steht schräg hinter dem Citan. "Gefällt mir besser als der Kangoo", kommentiert der Herr und läuft weiter. Keine ungewöhnliche Reaktion an diesem Tag. In Sachen Äußerlichkeiten hat der Lieferwagen dem Zwillingsbruder aus Frankreich einiges voraus. Die Karosserie hat Mercedes zwar großteils von Renault übernommen, doch zumindest an der Front haben die Stuttgarter Fahrzeugdesigner Hand angelegt. Die etwas kantigere Linienführung an Kühlergrill, Beleuchtung und Motorhaube macht einen gefälligeren Eindruck als die vielen Rundungen der Renault-Knutschkugel.

Ob die Mercedes-Ingenieure den Franzosen auch unterm Blech und im Inneren aufgewertet haben, soll indes der Test zeigen. Erst einmal hinters Steuer setzen und den Blick schweifen lassen. Die Grundform des Armaturenträgers ist sehr wuchtig. Der große graue Kunststoffblock sieht eher nach einer Behelfslösung aus als nach Design. Zumindest hätte Mercedes die kubische Grundform ausnutzen und auf dem Quader Ablagen installieren können. Die fehlen jedoch.

Deutsch-französische Teilemischung

Instrumente und Schalter sind eine Mischung aus Mercedes-Elementen sowie Bauteilen aus dem Renault-Regal. So mutet das Cockpit an mancher Stelle wertig an, etwa am wohlgeformten, griffsympathischen Lenkrad – an anderer Stelle aber billig wie am Drehschalter der Klimaanlage. Das Innendesign ist den Mercedes-Mannen also nur zum Teil gelungen.

Von guter Qualität sind die Sitze des Citan. Auch auf längeren Fahrten reist der Fahrer bequem im Lieferwagen. Die Seitenführung überzeugt auch bei dynamischen Fahrmanövern. Wer sich für die Mixto-Variante anstelle des Kastenwagens entscheidet, der bekommt im Fond eine ebenfalls bequeme Sitzbank verbaut.

Das Fahrwerk des kleinsten Nutzfahrzeugs  mit dem Stern auf der Front ist trefflich abgestimmt. Im alltäglichen Einsatz stößt es kaum an seine Grenzen. Flotte Kurvenfahrten absolviert der Citan wie auf Schienen und gerät zumindest subjektiv empfunden später als der französische Bruder ans Limit. Dabei hat Mercedes die Technik von Renault im Grunde nur verfeinert. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen.

Bremsen besser als beim Kangoo

Dasselbe gilt für die Bremsen des Citan. Mercedes bewirbt offensiv die Verbesserungen gegenüber dem Renault – und das zu Recht! Der erste Eindruck bei der Präsentation des Citan hat nicht getäuscht. Das bestätigen die Messwerte. Bei identischem Aufbau, maximaler Beladung und vergleichbarer Bereifung (Winterreifen in der Dimension 195/65 R 15) liegt der Citan bei allen Bremsungen vor dem Kangoo, der zu Vergleichszwecken ebenfalls an der Messung teilgenommen hat. Mehr als vier Meter kommt der Mercedes vor dem Renault zum Stehen. Das ist eine gute Leistung der Ingenieure.

Auch der Geräuschpegel in der Fahrgastzelle fällt im Citan niedriger aus. Mit 47 Dezibel bei stehendem Fahrzeug spielt er in der Liga des VW Caddy. Das ändert sich auch während der Fahrt nicht. 63 Dezibel bei Tempo 80 machen den ­Citan auf der Landstraße zu einem entspannenden Arbeitsplatz. Auf seinen französischen Bruder hat er dabei fast vier Dezibel Vorsprung, trotz identischer Motoren.

1.000 Euro Aufpreis

Ist noch die Frage zu klären, was der Citan die Kunden kostet. Auch hier bleibt Mercedes sich treu und langt kräftiger als die Franzosen hin. Rund 1.000 Euro mehr wollen die Stuttgarter für das vergleichbare Modell. Das lohnt sich aber wegen des kürzeren Bremswegs, des sicheren Fahrwerks und den verringerten Innengeräuschen. Die Abstriche, die Kunden beim verunglückten Innendesign machen müssen, gleichen die guten Sitze aus. Insofern spricht einiges dafür, Citan und Kangoo vor dem Kauf genau zu vergleichen.

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Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

9. April 2013
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