BMW 520d, Mercedes E 220d 22 Bilder Zoom
Foto: Hans-Dieter Seufert

Mercedes E 220 d gegen BMW 520d

E-Klasse gegen 5er: Duell der Business-Limousinen

Business-Limousinen mit Vierzylinder-Diesel – klingt erst mal recht bodenständig. Eine Fahrt im BMW 520d und seinem schärfsten Konkurrenten Mercedes E 220 d lässt jedoch an den Klassengrenzen zweifeln.

Eigentlich geht es in dieser Geschichte nur um die schlichte Frage nach der besseren von zwei Business-Limousinen. Wie schon so oft in den letzten 40 Jahren, wenn mal wieder eine neue E-Klasse den 5er herausfordert, oder eben umgekehrt, wie jetzt. Doch dann steigst du in den 520d, lässt die Tür von den elektrischen Helfern ins Schloss ziehen, legst dein Handy in die Ablage, worauf es von selbst mit dem Laden beginnt, und stellst dir das obere Lehnensegment des mit extraweichem Leder bezogenen Komfortsitzes einen Tick steiler. Und dann kommen dir plötzlich noch andere Fragen: Das ist jetzt also erst die mittlere der drei klassischen Limousinenbaureihen von BMW? Und wie bitte schön will das ein 7er toppen?

Luxus wie in der Oberklasse

Über die elektronischen Helfer kaum. Denn jetzt lässt sich auch der 5er unbemannt aus schmalen Parklücken fernsteuern, wahlweise per iDrive, Touchscreen oder Gesten manövrieren und von Schwarmintelligenz auf Glatteis oder freie Parkplätze am Straßenrand hinweisen. Kein anderes Auto ist derzeit besser vernetzt als dieser BMW.

Doch die Fortschritte betreffen nicht nur die Elektronik. Zum ersten Mal in seiner Geschichte bietet der 5er einen wirklich großzügigen Innenraum. Obwohl er in der Länge nur um drei Zentimeter wuchs, fällt die Beinfreiheit im Fond mehr als sechs Zentimeter üppiger aus als bisher, übertrifft damit sogar die traditionell luftige E-Klasse. Mitfahrer reisen zudem auf einer sehr bequemen Rückbank, die sich dreigeteilt im Verhältnis 40 : 20 : 40 umklappen lässt. Vorteil gegenüber einer zweiteiligen Lehne: Wird nur das schmalere Mittelstück umgelegt, sitzen zwei Passagiere auf ihren Außenplätzen nicht so eng aufeinander wie sonst.

Obwohl BMW eine Gewichtssenkung von bis zu 100 Kilo verspricht, wiegt unser Testwagen 25 Kilo mehr als sein Anfang 2016 getesteter Vorgänger mit Automatik. Wie so oft werden ambitionierte Diätpläne von neu hinzukommender Technik durchkreuzt. Immerhin unterbietet der 5er die E-Klasse um gut zwei Zentner, womit die habhaftesten Karosserieunterschiede jedoch bereits aufgezählt wären: Bei Außenmaßen, Platzangebot oder Kofferraumvolumen liegen die beiden fast gleichauf, ebenso bei Qualitätsanmutung und Variabilität.

Wenn sich also der Karosseriebau schon nicht zu einer Differenzierung eignet, muss eben das Infotainment herhalten. Zwar verfügt die E-Klasse inzwischen ebenfalls über die wichtigsten Online-Funktionen, nimmt Handy-Apps per Apple Carplay und ­Android  Auto ­entgegen und stellt das alles auf zwei beeindruckenden 12,3-Zoll-Breitbild-Displays (Extra) dar. Doch an die umfassende Internetunterstützung eines 5er kommt der ­Mercedes nicht ran.

Vier Zylinder genügen völlig

Displays, Apps, Internet? Nein, Sie haben nicht versehentlich zu einer Computerzeitschrift gegriffen. Wir hören ja schon auf und starten den Diesel, der satte 194 PS und 400 Nm Drehmoment mobilisiert. Ein Sechszylinder wird höchstens aus akustischen Gründen vermisst, beim Ausdrehen klingt der Zweiliter rau und banal. Der Vier­zylinder stemmt die E-Klasse jedoch mit Wucht aus dem Block, tourt motiviert Richtung Begrenzer. Das prinzipbedingt schmalere Drehzahlband eines Diesel kaschiert die ruckfrei und sanft schaltende Neungangautomatik mit ihrer weiten Spreizung.

Zoom Mercedes E 220d Foto: Hans-Dieter Seufert

Nicht nur das: Auf der Stellung "Sport" schaltet der Wandlerautomat beim Anbremsen vor Kurven mehrere Gänge zurück, bringt so die Motorbremse ins Spiel und sorgt beim Herausbeschleunigen für mächtig Zug. Der Mercedes beschleunigt nicht bloß einen Tick flinker, er stellt sich auch bei den Fahrdynamikmessungen geschickter an.
Messwerte sind jedoch nur eine Seite: Mit seiner optionalen Allradlenkung fühlt sich der 520d verblüffend agil an. Bei geringem Tempo schlagen Vorder- und Hinterräder in entgegengesetzte Richtungen ein, was die Handlichkeit erhöht. Bei höheren Geschwindigkeiten lenken Vorder- und Hinterachse in die gleiche Richtung, wovon die Spurstabilität profitiert. Allerdings fühlt sich die Lenkung minimal künstlich an, der Mercedes wirkt im direkten Vergleich ehrlicher, vertrauter. Im Grenzbereich lassen sich beide Kandidaten ähnlich problemlos beherrschen und helfen mit fein dosierten ESP-Eingriffen ums Eck, falls es der Fahrer mal übertreibt.

Die E-Klasse hat also spürbar an Dynamik zugelegt. Was macht jetzt der 5er? Er holt ganz frech beim Komfort auf. Sein Vierzylinder-Diesel mit 190 PS klingt beim Kaltstart oder beim Ausdrehen zwar etwas rumpelig und verbraucht im Test 0,3 l/100 km mehr, aber das war’s auch schon: Die optionale Achtgangautomatik von ZF macht ihre Sache ebenfalls hervorragend, verschleift Gangwechsel weich und überlässt es dem Drehzahlmesser, über Schaltpunkte zu informieren.

Zoom BMW 520d Foto: Hans-Dieter Seufert

Apropos weich: Das Adaptivfahrwerk im BMW spricht sensibel auf Asphaltschäden an, kappt übelsten Anregungen die Spitzen, ohne allzu viel Seitenneigung zuzulassen. Auch wenn er kurze Querrippen etwas prägnanter durchstellt als der sanfter abrollende Mercedes, fällt das Fahrgefühl des leisen 5er ähnlich souverän und oberklassig aus.

Markengrenzen verwischen

Früher mussten sich Ingenieure noch entscheiden, ob sie ein Auto lieber sportlicher oder eher komfortabler abstimmen. Durch die vielen Adaptivsysteme lässt sich heute beides gleichzeitig erreichen. Daher wäre die E-Klasse auch ein toller BMW und der 5er ein würdiger Mercedes, womit sich eine weitere Frage aufdrängt: Wenn sich die Dauerrivalen aus entgegengesetzten Richtungen ans Optimum ranarbeiten, bestimmen dann nur noch Design und Infotainment den Markencharakter? Und macht es für den Flottenmanager überhaupt noch einen Unterschied, welchen der beiden er seinem Kollegen aus dem Management als Firmenwagen empfiehlt?

Immerhin bewahrt der BMW beim Preisgefüge noch etwas Abstand: Als Luxury Line rollt er bei ähnlichem Grundpreis der Automatikversionen mit einer deutlich besseren Serienausstattung vom Band (unter anderem mit LED-Scheinwerfern, Online-Navigation und Lederpolstern). Unter den Einzelergebnissen der Wertungstabelle finden sich nur noch in diesem Bereich mehr als zwei Punkte Unterschied.

BMW 5er

BMW hat die bekannten Schwächen des 5er ausgemerzt. Jetzt bietet er sogar mehr Platz als die E-Klasse. Außerdem fährt der 5er leiser, federt komfortabler. Auf Agilität und Infotainment verstand er sich schon immer.

Mercedes E-Klasse

Die E-Klasse verbindet bekannte Stärken wie Fahrkomfort und Sicherheit mit neuen Dynamiktalenten. Angesichts der hohen Preise fällt die Serienausstattung mickrig aus und das AMG-Paket schränkt den Käufer bei der Wahl zusätzlicher Extras etwas ein.

Zoom BMW 520d Foto: Hans-Dieter Seufert

Datum

30. Mai 2017
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