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Mercedes: Partikelfilter für Benziner

Nicht nur Diesel, auch der Benziner hat ein Emissionsproblem. Mercedes nimmt sich daher nun den Feinstaubausstoß vor. Andere Marken dürften folgen.

Mercedes will künftig seine Benziner-Pkw großflächig mit Partikelfiltern ausrüsten. Das Abgasreinigungssystem soll helfen, die künftigen strengeren Normen für die Anzahl der ausgestoßenen Partikel zu erreichen. Die Technik kommt bereits seit über zwei Jahren im V8-Modell der S-Klasse zum Einsatz, im kommenden Jahr sollen weitere Varianten der Oberklasselimousine folgen. Schrittweise wird der Einsatz anschließend auf andere Baureihen ausgeweitet.

Mercedes ist der erste Hersteller, der den konsequenten Einsatz von Partikelfiltern für Benziner ankündigt. Bislang ist die Technik vor allem vom Diesel bekannt, der damit sein notorisches Rußproblem behoben hat. Dieses hat nun der Benziner geerbt, seit die Hersteller den Großteil der Motoren auf Direkteinspritzung umgestellt haben. Derartige Triebwerke stoßen heute um ein Vielfaches mehr gesundheitsschädliche Partikel aus als die Selbstzünder.

Direkteinspritzer prodzieren mehr Partikel

Der Hauptgrund für das wachsende Benziner-Problem ist die immer häufiger eingesetzte Direkteinspritzungs-Technik, die zwar den Verbrauch senkt, jedoch häufig den Partikelausstoß erhöht. Verantwortlich dafür ist unvollständig verbrannter Kraftstoff. Weil dieser beim Direkteinspritzer direkt in den Brennraum injiziert wird, können sich beispielsweise einzelne Tröpfchen an Zylinderwand, Kolben oder Ventilen niederschlagen, wo sie dann in manchen Betriebssituationen nicht mehr vollständig verbrennen. Statt als Gas verlässt der verbrauchte Sprit den Motor in Form kleinster Rußpartikel. Saugrohreinspritzer und Vergasermotoren haben dieses Problem nicht, weil das Gemisch bereits vor dem Brennraum gebildet wird.

Umweltschützer kritisieren die direkt einspritzenden Benziner daher schon seit Jahren. Trotzdem treten schärfere Grenzwerte erst im September 2017 in Kraft, wenn die Abgasnorm Euro 6c für neue Pkw-Typen greift. Dann dürfen Benziner nur noch so viel Partikel ausstoßen wie Diesel. Für alle Neuwagen gilt der Wert erst ein Jahr später. Bis dahin dürften noch weitere Hersteller dem Mercedes-Weg folgen. Autokäufer müssen jedoch keine exorbitanten Preissteigerungen fürchten; im Vergleich mit dem Diesel-Partikelfilter ist der Filter für Benziner kleiner, weniger komplex und günstiger. Experten rechnen mit Kosten zwischen 40 und 140 Euro pro Fahrzeug.

Zulieferer arbeiten aber auch an innermotorischen Maßnahmen, die zumindest bei einem Teil der Pkw-Modelle ausreichen könnten. Bosch etwa hat ein neuartiges Laserverfahren entwickelt, das das Bohren haarfeiner Öffnungen in die Einspritzventile ermöglicht. Scharfe Abrisskanten und die glatte Innenseite sollen dabei für eine besonders feine Zerstäubung sorgen. Zudem erlaubt es die Technik, jedes Loch individuell zu gestalten, wodurch sich die Eindringtiefe des Kraftstoffstrahls in den Zylinder modifizieren lässt. Ein Kontakt der Flüssigkeit mit Metallteilen kann so vermieden werden. Wettbewerber Delphi setzt ebenfalls auf innovative Injektor-Konzepte und Spritzloch-Geometrien, um Rußbildung zu vermeiden.

Autor

Foto

Christian Schulte

Datum

31. Mai 2016
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