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Mercedes S500 Plug-in Hybrid: Jetzt stöpselt Mercedes die S-Klasse an

Mit dem S 500 Plug-in Hybrid startet Mercedes eine neue Hybrid-Offensive. Der gut 90.000 Euro Luxusliner soll 33 Kilometer weit rein elektrisch fahren.

Die Zeit wird knapp: Bis 2015 müssen die Autohersteller den Flottenverbrauch ihrer in Europa verkauften Neuwagen auf 130, ab 2020 sogar auf 95 g CO2/km herunterschrauben. „Das ist eine riesige Herausforderung für uns und nur mit Hilfe von Plug-in Hybriden zu schaffen“, sagt Harald Kröger, der bei Mercedes für die elektrischen Antriebe zuständig ist. Schon deshalb investiere Daimler 50 Prozent seiner Ausgaben für Forschung und Entwicklung in grüne Technologien.

Gleich zehn solcher an der Steckdose aufladbaren Modelle will Daimler deshalb bis 2017 an den Start bringen. Los geht’s mit dem S 500 Plug-in Hybrid (PIH), der gegen den Porsche Panamera S E-Hybrid antritt (416 PS, 87.580 Euro netto). Nächstes Jahr folgt dann schon die aufladbare Hybridversion der C-Klasse.

Da Plug-in Hybride im Normzyklus viel weniger als 95 Gramm ausstoßen, heißt die Devise, möglichst viele davon an den Mann zu bringen. Denn jeder verkaufte Stromer gleicht den höheren CO2-Wert einer durstigeren Oberklasse-Limousine oder eines Sportwagens aus.

Der Plug-in Hybride kostet genauso viel wie der S 500

Attraktive Preise sollen deshalb den Verkauf ankurbeln: Der Mercedes S 500 PIH kostet 91.550 Euro netto, genauso viel wie der S 500. Allerdings mit dem Unterschied, dass unter der Haube des PIH statt des Achtzylinders ein mit einem E-Motor (115 PS) gekoppelter V6-Benziner (333 PS) arbeitet. Beide Aggregate zusammen bringen es auf 442 PS Systemleistung und 650 Nm Drehmoment. Das sorgt für reichlich Wumms beim Fahren und macht den S500 zum souveränen Gleiter auf der linken Spur. Selbst in einem großen Auto wie der langen S-Klasse – ein kurzer PIH ist nicht geplant – braucht kein Mensch wirklich mehr Leistung.

Der 8,7 kWh große Lithium-Eisenphosphat-Akku soll für 33 Kilometer elektrisches Fahren gut sein. FIRMENAUTO hat’s bei einer ersten Testfahrt ausprobiert: Der Wert ist machbar. Aber nur, solange man das Gaspedal sanft kitzelt und vor allem vorausschauend unterwegs ist. Jeder Stopp an der Ampel kostet beim Anfahren wertvolle Energie. Andererseits geht der S 500 mit so viel Schmackes ans Werk, dass man gerne mal richtig aufs Pedal drückt.  Bis zu 140 km/h schnell fährt der Mercedes im E-Mode, doch dann sinkt die Reichweite rapide.

Laden dauert mindestens zwei Stunden

Theoretisch könnte der Fahrer die Batterie unterwegs im Charge-Modus laden. Doch das kostet mehr Energie, als den Wagen an die Steckdose zu stöpseln. Serienmäßig kommt der S 500 mit einem Ladekabel für die Haushalts-Steckdose, an der er in drei bis vier Stunden (8 oder 16 A) lädt. Bei 400 V/16 A klappt das in zwei Stunden, vorausgesetzt, man hat das Kabel mit Mennekes-(Typ 2) Stecker für 240 Euro geordert.

Richtig komfortabel wird das Strom bunkern allerdings erst, wenn induktives Laden möglich ist. Dann sind keine Kabel oder Stecker mehr nötig: Der Chauffeur bugsiert das Auto einfach über eine etwa 60 mal 60 Zentimeter große Metallplatte. Sobald das Auto richtig steht, was es dem Fahrer im Display anzeigt, beginnt automatisch der Ladevorgang. Das zusammen mit BMW entwickelte System soll noch für die aktuelle S-Klasse-Generation kommen und kaum mehr kosten als eine Wallbox. Zusätzlich kann der Besitzer heute schon etliche Funktionen übers Smartphone steuern. Hängt das Auto an der Steckdose, kann er es ferngesteuert auf seine persönliche Wohlfühltemeperatur bringen Sitze, Armauflagen oder Lenkrad vorheizen oder die Sitze herunterkühlen.

Motorsteuerung mit Hilfe der Navigation

Wir wollen aber nicht laden, sondern fahren, und schalten über eine Wähltaste in den Hybrid-Modus. Jetzt erst spielt der S 500 PIH seine Trümpfe aus, denkt quasi mit. Die Elektronik liest den Streckenverlauf und regelt das Zusammenspiel zwischen Verbrenner und E-Motor. Ob elektrisch, mit Verbrenner oder im Verbund: Welcher Fahrmodus gerade passt, entscheidet der Wagen auch mit Hilfe der topographischen Navidaten und des Frontradars. Bergauf beispielsweise hilft der E-Motor kräftig mit. Läuft’s optimal, ist die Batterie auf der Kuppe leer und wird anschließend beim Bergabfahren wieder geladen. Liegt ein Fahrziel in der City, spart der Hybride so viel Strom auf, dass der Wagen vom Stadtrand bis zum Zielpunkt im Elektrobetrieb fahren kann.

Außerdem erzieht das Auto seinen Piloten, vorausschauend zu fahren. Ein feines Ticken im Gaspedal signalisiert ihm, den Fuß vom Gas zu nehmen und den Wagen segeln zu lassen, etwa, wenn er zu schnell auf ein langsameres Auto auffährt. So appelliert der S500 ganz subtil ans Öko-Gewissen des Fahrers, der dann wie wir auf einer ersten Ausfahrt mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,0 Litern auskommt.Rund 2,5 Stunden haben wir für die 166 Kilometer gebraucht. Davon waren wir 60 Kilometer oder eine Stunde und 23 Minuten elektrisch  unterwegs. Was zeigt, dass der Mercedes unterwegs viel Energie rekuperiert.

Die Frage, ob ein Diesel in der Praxis mehr oder weniger verbrauchen würde, stellt sich beim S 500 PIH übrigens nicht. Zum einen sind Selbstzünder ein europäisches, wenn nicht deutsches Phänomen. Zum anderen werden die Rahmenbedingungen in vielen Metropolen Luxus-Hotels, Chauffeurdiensten oder großen Fuhrparkbetreibern gar keine andere Wahl lassen als Autos mit Elektroantrieb anzuschaffen. Nämlich spätestens dann, wenn Innenstädte für Verbrenner dichtgemacht oder wie in anderen Ländern hohe Subventionen für E-Autos ausgeschüttet werden.

Autor

Foto

Mercedes

Datum

19. September 2014
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