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Langzeitmiete: Mieten statt leasen

Wenn der Fahrzeugbedarf schwankt, müssen flexible Lösungen her. Eine günstige Alternative zum Leasing kann die Langzeitmiete sein.

Spezielle Wünsche der Geschäftsleitung sind der Albtraum für jeden Fuhrparkmanager. Ein Dienstwagen für den neuen Mitarbeiter in der Probezeit? Ein halbes Dutzend Fahrzeuge für die Projektabteilung, weil die Kollegen mehrere Monate für einen Kunden unterwegs sind? Den Fahrzeugpool in den Betriebsferien abbauen, weil in dieser Zeit ohnehin niemand ein Auto braucht? Mit dem klassischen Instrumentarium lassen sich solche Ansprüche kaum stemmen. Ein Leasingvertrag für mehrere Monate geht ebenso wie eine Kurzzeitmiete immer mit hohen Kosten einher. Eine vergleichsweise günstige Alternative bietet dagegen die Langzeitmiete.

"Langzeitmiete und Leasing können sich aufgrund der unterschiedlichen Laufzeiten gegenseitig ergänzen. Ein typischer Fall wäre das Abfedern temporärer Spitzen, wie sie bei Probezeit und Projektarbeit entstehen", berichtet Michael Velte, Geschäftsführer Deutsche Leasing Fleet. Im Vergleich zum Leasing ist die Langzeitmiete die einfache Konstruktion.

"Das Leasing basiert auf einer Drei-Personen-Konstellation mit Hersteller, Leasinggeber und Leasingnehmer. Hier bestimmt der Leasingnehmer Marke, Modell und Ausstattung. Als Halter übernimmt er aber auch Rechte und Pflichten in Bezug auf Gewährleistung und Instandhaltung des Fahrzeugs. Bei der Langzeitmiete hingegen überlässt der Vermieter dem Mieter ein Fahrzeug zur Nutzung, bleibt aber selbst Eigentümer und Halter", sagt Dr. Stefan Keck, Leasingexperte bei AC Tischendorf Rechtsanwälte in Frankfurt.

Beim Leasing kann der Kunde Module individuell zusammenstellen

Es sind vor allem Autovermieter wie Sixt, Avis und Europcar, die Langzeitmiete im Portfolio führen. Die Angebote sind meist aus der Kurzzeitmiete entwickelt und unterscheiden sich von dieser vor allem durch die längere Laufzeit. Die Rückgabe der Autos erfolgt nach den Regularien der Kurzzeitmiete – der Mieter muss nach Maßgabe der AGB im Rahmen der Selbstbeteiligung für Beulen, Dellen und andere Schäden geradestehen.

"Die Langzeitmiete ist eine Möglichkeit, die Lücke zwischen der regulären Miete für den kurzfristigen Mobilitätsbedarf und dem Leasing für den langfristigen Bedarf zu schließen. Dabei bietet sie deutlich günstigere Konditionen als die Tagesmiete", sagt Thorsten Haeser, Vertriebsvorstand von Sixt.

Bei dem Vermieter aus Pullach beginnt die Langzeitmiete ab einer Mindestlaufzeit von 28 Tagen. Wünscht der Kunde eine längere Laufzeit, wird das Fahrzeug spätestens nach 60 Tagen getauscht, der Mietvertrag läuft danach mit einem neuen Fahrzeug weiter. Deutlich näher am Leasing dran ist die auf Langzeitmiete spezialisierte Maske Fleet in Breddorf.

"Leasing ist wie ein Restaurantbesuch, bei dem sich der Kunde sein Menü individuell zusammenstellt, Langzeitmiete wie eine Kantine mit Tagesessen", erklärt Geschäftsführer Andreas Maske sein Konzept. Die Mindestmietzeit beträgt in der Regel einen Monat, nach oben hin gibt es keine Grenzen. Wenn der Mieter das Fahrzeug nicht mehr benötigt, kann er es jederzeit zurückgeben.

Bestandteil der Rücknahme ist ein Gutachten eines Fahrzeugprüfers

Die Rechnung flattert einmal pro Monat ins Haus. Für Inspektionen in der Mietzeit hat Maske eine Hotline eingerichtet, über die der Nutzer seinen Termin vereinbart. Im Falle eines Unfalls gilt die Informationspflicht des Fahrers an den Vermieter. Zur Instandsetzung aktiviert Maske sein eigenes Werkstattnetz.

Fester Bestandteil der Rücknahme ist das Gutachten eines unabhängigen Fahrzeugprüfers, das später die Basis für die Abrechnung bildet. Die Kunden von Maske Fleet sind Wachdienste und Gebäudereiniger, Pflegedienste, Garten- und Landschaftsbauer sowie Bauunternehmen. Gemeinsamer Nenner dieser Klientel: Der Bedarf an Fahrzeugen richtet sich nach Auftragslage und Saisongeschäft.

"Verfügbarkeit der Fahrzeuge, Flexibilität und günstige Preise sind das Plus der Langzeitmiete", sagt Maske. Für einen Renault Twingo zum Beispiel berechnet er rund 260 Euro pro Monat, ein Seat Ibiza schlägt mit rund 300 Euro, ein Ford Transit mit knapp 500 Euro zu Buche. Die Botschaft dieser Kalkulation? Zumindest bei automobiler Massenware kann die Langzeitmiete mit dem Leasing konkurrieren. Dabei muss ein Vergleich beider Mietformen auch den Aspekt des Fahrzeugmanagements in Rechnung stellen.

In der Langzeitmiete kümmert sich der Vermieter selbst um Versicherung und Steuer, Inspektion und Services wie Ersatzfahrzeug und Reifeneinlagerung. Beim Leasing würde das auf einen Full-Service-Vertrag hinauslaufen. Das auf Dokumentenverarbeitung und IT-Infrastruktur spezialisierte Unternehmen L und M Büroinformationssysteme in Flintbek bei Kiel gibt seit Jahren der Miete den Vorzug.

"Langzeitmiete und Leasing sind für unsere Zwecke gleichermaßen geeignet. Wir wollen die Fahrzeuge lediglich nutzen, aber kein eigenes Flottenmanagement betreiben", erklärt Helmut Miksch, kaufmännischer Leiter des Unternehmens. Der Fuhrpark besteht aus rund 60 Funktionsfahrzeugen, die alle bei Maske in Langzeitmiete laufen.

Langzeitmiete in der Praxis

Bei rund 60 Prozent der Verträge beträgt die Laufzeit 48 Monate. Die Techniker sind überwiegend mit Golf Variant (40.000 km/Jahr), die Mitarbeiter aus Vertrieb und EDV mit Opel Astra und Ford Focus unterwegs (25.000 km/Jahr). Die Nutzung folgt weitgehend den gleichen Regeln wie in einem typischen
Leasingfuhrpark – Privatnutzung ist erlaubt, der geldwerte Vorteil wird über die Ein-Prozent-Regelung abgerechnet.

In der Langzeitmiete passen aber auch Flexibilität und Fahrspaß gut zusammen. Die Jochen Schweizer Unternehmensgruppe in München, die Erlebnisgeschenke, Incentives für Firmenkunden und Events anbietet, setzt in ihrem Fuhrparkauf einen variablen Fahrzeugeinsatz. In den Sommermonaten sind geräumige Modelle wie Renault Kangoo und Seat Alhambra gefragt, in denen die Mitarbeiter zum Beispiel das Equipment für eine Bungee-Jumping-Station unterbringen können.

Für den Außendienst wiederum steht die Betreuung der quer über die Republik verteilten Verkaufsstandorte im Mittelpunkt. Im Sommer genügt dazu meist ein kurzer Besuch vor Ort – hier reicht ein Mittelklassemodell wie der 3er BMW. Im Winter dagegen ist zum Transport der Verkaufsmaterialien ein Kombi angesagt.

"Die Langzeitmiete ist für uns ideal. Wir decken unseren Bedarf flexibel ab, die Kosten sind überschaubar und wir sparen Ressourcen fürs Fuhrparkmanagement",sagt Geschäftsführer Dr. Hans-Ulrich Sachenbacher. Im Schnitt hält das Unternehmen Mietverträge für rund 30 Fahrzeuge, wobei sich der Bedarf je nach Saison vergrößert oder verringert.

Dazu kommen fünf Dienstwagen fürs Topmanagement, die allerdings in klassischen Leasingverträgen laufen. Seine Fahrzeuge besorgt das Unternehmen zum größten Teil über den auf Langzeitmiete spezialisierten Broker Belmoto in Hamburg. Bei den Mitarbeitern kommt das Mobilitätsmodell gut an. "Wir erlauben die private Nutzung. Und wenn sich einmal die Präferenzen für ein Fahrzeug ändern, darf der Mitarbeiter den Dienstwagen gegen einen anderen in der gleichen Preisklasse tauschen", sagt Sachenbacher.

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Avis

Datum

24. Juli 2012
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