Lexus CT 200h 14 Bilder Zoom

Kaufberatung Lexus CT 200h: Klein aber oho

Mit dem CT 200h will Lexus auch Firmenwagenfahrer elektrisieren. Der Modellcheck klärt, was der edle Hybride kann und ob sich der Einsatz im Fuhrpark empfiehlt.

Denken Unternehmen über den Einsatz von Hybridautos nach, so fällt in der Regel zuerst der Name Toyota. Schließlich hat sich der Prius schon in Firmenflotten geschlichen, als Otto Normalfahrer den Begriff Hybrid kaum richtig aussprechen konnte.

Die noble Toyota-Tochter Lexus mit ihrem ganzen Portfolio an Hybridautos dagegen ist bei Flottenmanagern noch nicht so recht angekommen. Dabei hat sie seit 2005 weltweit über 500.000 Hybride verkauft. Längst ist die Marke nicht mehr nur in den oberen Fahrzeugsegmenten unterwegs. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr entfiel fast die Hälfte des aus Japan nach Deutschland geschipperten Lexus-Kontingents auf den in der Golf-Klasse angesiedelten CT 200h.

Kompaktwagen mit stattlichem Preis

Das ist ganz ordentlich angesichts der Tatsache, dass der Kunde dem Lexus-Händler für den 4,32 Meter langen Kompaktwagen immerhin 24.700 Euro über die Theke schieben muss. Das sind immerhin fast 3.000 Euro mehr als für einen Toyota Prius und beinahe 6.000 Euro mehr als für den Toyota Auris, die beide mit dem gleichen Hybridsystem ausgerüstet sind.

Dabei ist der kleine Lexus noch nicht mal übermäßig luxuriös ausgestattet. Neben der klassenüblichen Sicherheitsausstattung sind Klimaautomatik, ein umfangreiches Audiosystem samt Bluetooth-Funktion, Lederlenkrad und 15-Zoll-Aluräder an Bord. Wer mehr will, kann die Extras nicht einfach bestellen, sondern muss zuerst einmal 715 Euro in das nächste Ausstattungsniveau Executive Line investieren. Dafür bekommt man 16-Zöller sowie Nebelscheinwerfer und kann erst dann Schiebedach, Navigation oder die Einparkhilfe ordern. Letztere ist schon deshalb ein Muss, weil die Sicht nach hinten aus dem Kompaktwagen, freundlich gesagt, bescheiden ist.

Sport bedeutet nicht mehr Leistung

Der Beiname Sport des dritten Ausstattungsniveaus F weist zwar auf die Fahrwerksmodifikationen hin, nimmt aber auf die Motorleistung keinen Einfluss. Das Gros der 4.300 Euro Aufpreis fließen in optische Gimmicks wie Alupedale oder verdunkelte Scheiben.

Für den anspruchsvollen Firmenwagenfahrer hält Lexus zu guter Letzt den CT 200h Luxury Line bereit. Der bietet für stolze 34.285 Euro neben etlichen Nettigkeiten zusätzlich Ledersitze, ein exzellentes Lautsprechersystem der High-End-Audioschmiede Mark Levinson sowie ein Festplatten-Navigationssystem. Letzteres allein kostet sonst schon 2.310 Euro, wobei man sich diese Ausgabe gut überlegen sollte. Mit dem Luxury Line bewegt sich der kleine Lexus jedenfalls bereits in einer Preisregion, in der man durchaus auch einen angemessen ausgestatteten Audi A4 mit mehr Platz und vor allem mehr Power bekommt.

Den kleinen Lexus gibt es ausschließlich mit einem Hybridmotor

Haken wir also das Kapitel Ausstattung ab, überspringen galant die Kategorie der Motorisierungen, denn den CT gibt es weder als Diesel noch in anderen Antriebsversionen, und widmen uns dem Wesentlichen, dem Hybridsystem. Schließlich dürfte es Kaufkriterium Nummer eins sein. Insbesondere bei Unternehmen, denen nicht nur ihr CO2-Flottenausstoß am Herzen liegt, sondern die auch andere Emissionen wie Stickoxid oder Partikel weitgehend vermeiden wollen. Erstere sind beim CT 200h jedenfalls kaum messbar, Letztere fallen erst gar nicht an.

Die Technik kombiniert einen Vierzylinder-Benziner mit einem 82 PS starken Elektromotor und einer Nickel-Metallhydrid-Batterie zu einem Voll-Hybrid-System mit 136 PS Gesamtleistung. Dabei eilt der Stromer dem 1,8 Liter großen Verbrenner unterstützend zu Hilfe, lässt den Kompaktwagen aber auch bis 45 km/h und für maximal zwei Kilometer lautlos und rein elektrisch dahinrollen. Auf Wunsch per Knopfdruck. Praktisch, wenn man beispielsweise spät abends lautlos nach Hause huschen will. Allerdings schaltet sich der Verbrenner schon bei einer leichten Steigung oder etwas heftigerem Zucken des Gasfußes wieder ein.

Gut abgestimmter Hybrid-Triebstrang

Trotzdem funktioniert das Zusammenspiel der beiden Antriebsarten perfekt, ohne dass der Fahrer etwas davon merkt. Der kann sich im Kombiinstrument oder auf dem großen Bildschirm des Infotainmentsystems anzeigen lassen, welche Antriebsart gerade aktiv ist und wie der Motor beim Bremsen die Batterie lädt. Besonders in der Stadt mit häufigem Stop-and-go weckt das den Sportsgeist: "Kann ich den Verbrauch heute noch weiter drücken?"

Den größten Erfolg erzielt man dabei im Eco-Fahrprogramm, das Motor und Klimaanlage auf Diät setzt. Ganz clever: Ist im kalten Auto der Popowärmer eingeschaltet, geht die Heizung ins Sparprogramm, damit sich der Motor schneller erwärmt. Aber nur, solange hinten niemand sitzt – die Passagiere sollen ja nicht unnötig frieren.

Wunder sollte man trotzdem nicht erwarten. In der Stadt ist der CT 200h ­extrem sparsam und unsere zurückhaltend gefahrene Überlandrunde durcheilt er mit einem Schnitt von nur 4,3 Litern. Im Alltag muss man aber mit etwas über sechs Litern rechnen. Die dafür in fast allen Fahrsituationen und auch auf längeren Autobahnetappen. Erst bei Vollgas gurgelt das teure Super in großen Schlucken in die Brennkammern.

Motor braucht hohe Drehzahlen

Doch an die Vollgasfraktion richten sich Hybride bekanntermaßen nicht. Sie hätte auch keinen Spaß an dem CT 200h, der mit seiner stufenlosen Automatik beim kräftigen Tritt aufs Gas leicht gequält aufheult, um dann bei hoher Drehzahl auf Trab zu kommen. Das mag zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, stört aber wegen der guten Dämmung nicht weiter.

Dabei zeigt der Kompaktwagen für seine bescheidenen 136 PS durchaus dynamische Qualitäten. Allerdings nur in der Fahrstufe Sport. Dann wirft der Lexus alle Öko-Ambitionen über Bord, schaltet Motor und Lenkung scharf und ersetzt die blaue Batterieanzeige gegen einen rot hinterlegten Drehzahlmesser. Am Fahrwerk ändert der Sportmodus nichts. Wozu auch? Nachdem die Ingenieure im Herbst 2012 Federung und Dämpfung überarbeitet haben, macht das Kurvenverhalten des Kompaktwagens auch dem eiligen Außendienstler Spaß.

Es mangelt an Ablagen. Auch geeignete Flaschenhalter fehlen

Dabei dürfen die Strecken gerne länger sein: Trotz des relativ geringen Verstellwegs des Lenkrads sitzt man auf den gut geformten Sitzen bequem. Außerdem ist der Wagen hervorragend gedämmt und sehr leise. Mängel finden sich eher im Detail: So lässt sich die Armauflage nicht verschieben und die Fächer in den Türen sind viel zu klein. Größere Flaschen lassen sich dort jedenfalls nicht unterbringen. Überhaupt fehlen Ablagen. Oder speichert der Geschäftsmann von heute Unterlagen nur in iPad oder Smartphone?

Auch das Raumangebot auf den hinteren Plätzen und im Heck darf man höchstens als klassenüblich abhaken. Schon mit zwei größeren Koffern stößt man an die Kapazitätsgrenze. Wenigstens lässt sich im Unterboden des Gepäckfachs noch einiges verstauen. Was also sollte den Fahrer eines Firmenwagens bewegen, in diesen Lexus zu steigen? Das Premium-Ambiente womöglich: Tatsächlich wirkt der CT 200h hervorragend verarbeitet mit einem gediegenen Innenraum und hochwertigen Materialien.

Pluspunkte bei den Unterhaltskosten

Und dann wären da noch die Unterhaltskosten. Da der Hybride auf Lichtmaschine, Kupplung und konventionellen Anlasser verzichtet, reduzieren sich die Kosten für Wartung und Verschleiß. Beim Bremsen hilft der Generator mit, das schont die Bremsbeläge. Der Benziner ist mit einer wartungsfreien Steuerkette ausgerüstet und die LED-Lampen halten meist ein Autoleben lang. Trotzdem: Bis zu 40 Prozent niedrigere Werkstattkosten, wie Lexus verspricht, schafft der CT 200h kaum. Schließlich vergleichen Vielfahrer den Hybriden mit Dieselmodellen. Deren Kosten liegen nach Berechnungen von Audacon zwischen zwölf (Audi A3 2.0 TDI) und 30 Prozent (Peugeot 308 e-HDi) höher.

Damit die Firmenkunden letztlich doch auf dieses Auto abfahren, braucht es mehr. Assistenzsysteme beispielsweise, denn die fehlen fast gänzlich. Trotz des positiven Gesamteindrucks bleibt durchaus Potenzial fürs nächste Facelifting. Bis dahin lohnt sich häufiger mal ein Blick in die aktuellen Händlerangebote, denn die Zeit überbrücken die Japaner mit sehr attraktiven Sondermodellen.

Unser Tipp: Tom Tom statt Festplatte

Die Festplattennavi des Lexus mit der Computermaus-ähnlichen Bedienlogik ist nicht jedermanns Sache. Das System integriert zwar CD/DVD-Wechsler, DAB-Radio und Online-Suchfunktion. Echtzeit-Verkehrsdaten fehlen aber und Musik lässt sich auch nicht speichern. Die 2.310 Euro kann man sich sparen. Besser gleich die Business Edition wählen. Die kommt für 26.765 Euro mit einer integrierten Navigation von Tom Tom und etlichen sinnvollen Extras und spart rund 2.000 Euro.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

28. Oktober 2013
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