Renault Trafic Combi 1.6 dCi 31 Bilder Zoom

Modellcheck Renault Trafic Combi: Aufs Wesentliche konzentriert

Handwerkerdress statt Haute Couture: Der Renault Trafic Combi ist ein Arbeitstier, das praktisch und robust veranlagt ist. Mit seinem sparsamen 1,6-Liter-Biturbodiesel und den niedrigen Kosten ist er bestens für den Flottenalltag gerüstet.

Leichte Nutzfahrzeuge wie der Renault Trafic haben eine Doppelfunktion: Zum einen sind sie als Kastenwagen rustikale Transporter, um Paletten von A nach B zu karren. Als Kombi-Variante auf gleicher Basis übernehmen sie die Rolle des Personenbeförderers für Bauunternehmen, Hotels und Co. Die Zielgruppen haben teilweise unterschiedliche Anforderungen: Ein altbackener Van beispielsweise wird im Shuttle-Gewerbe kritischer beäugt als beim Spediteur im Handel. Die Passagiere könnten anhand des Fahrzeugs Rückschlüsse auf Qualität und Anspruch des Unternehmens ziehen. Nach 13 Jahren Bauzeit wurde es deshalb höchste Zeit, den ­Trafic rundum zu erneuern. Zumal fast alle Hersteller im Segment der Dreitonner entweder gerade einen Modellwechsel vollzogen haben oder ihn in nächster Zeit planen.

Wie zuvor ist der Trafic baugleich mit dem Opel Vivaro. Ab kommendem Sommer schließt sich zudem Fiat mit dem Scudo der Kooperation an. Um das Wesentliche kurz anzureißen: Der neue ­Trafic Kombi wirkt moderner als vorher und er bringt mit dem neuen 1,6-Liter-Biturbodiesel einen effizienten Motor mit – die Franzosen drehten also genau an den richtigen Stellschrauben.

Für welches Gewerbe der Trafic in Frage kommt, ist ebenfalls schnell umschrieben: den einfachen Shuttle-Service – für Handwerker oder Drei-Sterne-Hotels beispielsweise. Für mehr reicht es nicht. Denn die beim Vorgänger extra für den gehobenen Business-Shuttle eingeführte Black Edition ist aus dem Programm gefallen. Weshalb sich der Renault mit den rustikalen Transporter-Kombis Ford Tourneo Kombi, VW Transporter Kombi und Mercedes Vito Tourer messen muss. Und da schneidet der Renault mit am besten ab: Er ist am preiswertesten, hat geringe Werkstattkosten und steht beim Restwert gut da.

1,6-Liter-Turbodiesel mit 95 bis 145 PS

Für die geringen Betriebskosten ist auch der 1.6 dCi verantwortlich. Den gibt es seit Juli nur noch in drei statt vier Leistungsstufen (95, 125 und 145 PS). Durch Zusatz von Additiven hält er die Euro-6-Abgasnorm ein. Der Preisanstieg von rund 400 Euro ist daher schon gerechtfertigt, weil die neuen Motoren zudem mehr Leistung liefern und trotz Euro-6-Umstellung teilweise weniger verbrauchen. Das liegt unter anderem an der ­serienmäßigen Start-Stopp-Automatik und einem Bremsenergie-Rückgewinnungssystem.

Mit dem dCi 125 (ab 26.270 Euro) wählen Flottenmanager die goldene Mitte. Das Aggregat ist rund 1.500 Euro teurer als der Einstiegsdiesel dCi 95 und im Gegensatz zum Topdiesel dCi 145 (ab 28.670 Euro) auch in der Basis-Ausstattungs­linie Authentique erhältlich.

Der dCi 125 basiert auf dem neuen, doppelt aufgeladenen 1,6-Liter-Aggregat und nimmt dem schwächeren 95-PS-Diesel beim Sprint auf Tempo 100 vier Sekunden ab. Trotzdem verbraucht er mit 5,7 Litern auf 100 Kilometer 0,6 Liter weniger.

Der neue 1.6 dCi (Euro 6) ist sparsamer und leitungsstärker geworden

Wer häufig schwer bepackt unterwegs ist oder einen Hänger am Haken hat, ist mit dem 145-PS-Selbstzünder bestens beraten. Die zweistufige Turboaufladung gewährleistet schwungvolle Ampelstarts. Das maximale Drehmoment von 340 Nm baut der Trafic ab 1.750 Touren auf. Zwischensprints geht er allerdings nicht ganz so flott an. Bei normalem Fahrstil steigen die Drehzahlen dennoch nur selten über die 3.000er-Marke. Das hält den Motor angenehm leise.

Weil der Diesel untenrum kräftig zupackt und sich ohne zu murren aus dem Drehzahl- keller arbeitet, muss der Fahrer nicht ständig zur Sechsgang-Box greifen. Ein Komfortplus, den das hart gedämpfte Fahrwerk nicht verspricht. Hier spürt man im wahrsten Sinne die transporterartige Abstammung und dass der Trafic auf hohe Lasten ausgelegt ist.

Ausstattung und Komfort

Die Spuren des Nutzfahrzeugs können die Franzosen auch im Innenraum nicht verwischen. Wollen sie auch nicht. Der Zielgruppe entsprechend lag Renaults Hauptaugenmerk auf dem Einsatz robuster Materialien und hoher Praxistauglichkeit. So gibt‘s den Trafic beispielsweise nur mit leicht zu reinigendem Gummiboden.

Das Armaturenbrett ist ebenfalls auf Strapazierfähigkeit ausgelegt und deshalb grobflächig mit kratzunempfindlichem Hartplastik bestückt. Durch die zweifarbige Gestaltung wirkt das Cockpit freundlicher. Das futuristische Kombiinstrument kennen wir von anderen Renault-Modellen. Es lässt sogar Pkw-Flair aufkommen. Praktisch sind die zahlreichen Ablagen in jeder Ecke für jegliche Größe von Getränkeflaschen, Arbeitsmappen oder allerhand Kleinkram.

Smartphones lassen sich unkompliziert über das MP3-Radio koppeln. Die Sprachqualität ist ausreichend, die Steuerung über den Bedienungssatelliten hinterm Lenkrad bedarf einiger Übung. Leichter geht‘s mit dem R-Link-Navigationssystem inklusive 7-Zoll-Touchscreen. Dafür verlangt Renault allerdings 1.050 Euro.

Smartphone-affinen Autofahrern empfehlen wir die kostenlose App R & Go. Mit der verwandeln sie ihr Smartphone oder Tablet in einen Touchscreen, über den sie das in der App integrierte Navi nutzen sowie Musik, Telefon und Bordcomputer steuern können. Voraussetzung ist nur das 300 Euro teure MP3-Radio (Serie ab Expression). Die externen Geräte werden mit einer Halterung genau im Blickfeld positioniert, nämlich dort, wo sich sonst der R-Link-Touchscreen befindet.

Auch beim Sitzkomfort gibt‘s nichts zu mäkeln: Die Polster sind weich, Armlehnen links und rechts dienen zum Seitenhalt. Lenkrad und Fahrersitz lassen sich weitreichend verstellen. Somit sind auch der Schaltknauf und alle wichtigen Tasten leicht zu greifen. Praktisch ist zudem der optionale Doppelbeifahrersitz: Klappt der Fahrer die Lehne des Mittelsitzes vor, kann er diesen als Ablage und Arbeitsfläche nutzen. Die Plätze hinten sind deutlich härter gepolstert. ­Außerdem quietschen die Bänke auf leichten Rumpelpisten. Bei Nachtfahrten müssen sich die hinteren Passagiere mit schummrigem Licht zufriedengeben, das mehr einem Ambientelicht gleicht als einer Leseleuchte. Ab Werk hat der Trafic eine Schiebetür rechts. Für 595 Euro gibt es eine zweite auf der Fahrerseite. Wem die 400 Euro für eine Klimaanlage vorne und hinten zu viel sind, der sollte zumindest 150 Euro für Schiebefenster auf beiden Fondseiten ausgeben.

Variabilität

An der Variantenvielfalt hat sich mit der neuen Modellgeneration des Trafic nichts geändert: Den Combi gibt es weiterhin in zwei Radständen (3.10 und 3,50 Meter) und zwei Längen (5,0 und 5,40 Meter). Der Neue ist aber 21 Zentimeter länger geworden. Das liegt einerseits an den schärferen Vorschriften des Fußgängerschutzes, andererseits baut Renault damit das Raumangebot aus. Denn ein paar Zentimeter gewinnen die Fondpassagiere hinzu, der Rest kommt dem Kofferraum zugute.

Selbst der kurze Combi nimmt Koffer für alle neun Personen auf. Wem das nicht reicht, kann für 1.250 Euro extra den Grand Combi bestellen. Die Ladelänge hinter der dritten Reihe wächst um 40 Zentimeter auf 1,14 Meter. Außerdem erhöht Renault gleichzeitig das zulässige Gesamtgewicht von 2,7 auf 2,9 Tonnen. Damit darf der Franzose über eine Tonne Gewicht transportieren. Dafür braucht es dann in der Regel Platz. Der Ausbau der Sitzbänke erfordert wiederum Geduld und vor allem das entsprechende Werkzeug. So ist es eben bei Fahrzeugen mit Doppelfunktion.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

7. August 2015
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