Seat Leon ST 16 Bilder Zoom

Modellcheck Seat Leon ST: Heißblüter für kühle Rechner

Der Seat Leon macht zwar einen auf sportlich, soll aber besonders als Firmenwagen punkten. Der Modellcheck klärt am Beispiel des Seat Leon ST, ob er für den Flotteneinsatz taugt.

Der erste Seat Leon ST könnte auch der letzte sein. Der Kombi ist erst seit ein paar Monaten auf dem Markt und schon sagt VW-Chef Martin Winterkorn dem "Spiegel": "Manche Nischen lohnen sich nicht." Sprich: Die Stückzahlen von ­Seat genügen ihm nicht. Die Spanier werden das nicht gerne hören, haben sie doch mit dem Leon ST nun ein Modell, das fast perfekt auf die Anforderungen von Firmenfuhrparks zugeschnitten ist.

Schließlich steckt unter der Karosserie des kompakten Kombis jede Menge Technik des VW Golf. Der Spanier ist somit neben Skoda Octavia Combi oder Audi A3 Sportback ein weiteres Modell, das auf dem modularen Querbaukasten des VW-Konzerns aufbaut. Seit 1999 gibt es den Leon und jetzt erstmals in drei Karosserieversionen: als sportlichen ­Dreitürer SC, für 420 Euro Aufpreis als kompakten Fünftürer oder für weitere 970 Euro als Kombi. Alle drei werden im Seat-Stammwerk bei Barcelona gebaut.

Karosserie

So sehr die technische Nähe zum Golf gewollt ist, optisch setzt der Spanier eigene Akzente. Der Leon gibt den Sportler im Trio VW, Skoda und Seat. So richtet er sich an Fahrer, die VW-Qualität wollen, aber bitte nicht im VW- oder Skoda-Look.
Seine Sicken und Kanten, die spitzen Lampen und schrägen Spiegel mögen nicht
jedem gefallen – doch dafür ist der Leon ein Charaktertyp. Emotionales Design kommt eben nicht aus Wolfsburg oder Mlada Boleslav, sondern aus Martorell.

Der 4,54 Meter lange Leon ST ist zwei Zentimeter kürzer als der Golf Variant, dafür einen Tick höher und schmäler. Obwohl Seat keine teuren Materialien wie Magnesium oder Kohlefaser verwendet, wiegt der Leon ST in der Basisversion nur 1.233 Kilo. Auch viele Teile im Innenraum wurden gewichtsoptimiert konstruiert. Alleine bei der Klimaanlage sparten die Ingenieure 2,7 Kilo ein. Damit ist er einer der leichtesten Kombis seiner Klasse und wiegt nur 45 Kilo mehr als der Fünftürer. Beste Voraussetzungen also, um spritsparend unterwegs zu sein.

Motoren

Dabei helfen die bewährten, aufgeladenen Standard-Konzernaggregate. Gleich zehn Motoren bietet Seat für die Leon-­Familie an, mit einer Bandbreite von 86 bis 280 PS. Abgesehen von den Einstiegsmotoren ist Start-Stopp Standard und die empfehlenswerte Doppelkupplungs­automatik mit sechs oder sieben Gängen für alle Aggregate erhältlich.
Selbst wenn es bei 86 PS losgeht – für ein wenig Fahrspaß mit einem Benziner dürfen es gerne ein paar PS mehr sein. Einen guten Kompromiss aus Leistung und Kosten bietet der 122 PS starke 1.4 TSI, der im Fünftürer in der Praxis zwischen sieben und acht Liter verbraucht. Die beiden Cupra-Modelle mit 265 und 280 PS bieten Fahrleistungen, die selbst den Golf GTI blass aussehen lassen.

Für scharf kalkulierende Flotten empfiehlt sich der 1.4 TGI mit Erdgasantrieb. Dessen 110 PS Leistung reichen für flottes Fahren, sein 15-Kilo-Gasdepot unter dem Kofferraum ermöglicht gut 300 Kilometer Reichweite und der niedrige CO2-Ausstoß von 94 g/km tut den Emissionswerten des Fuhrparks gut. Der Gasmotor ist ab 17.638 Euro zu haben und kostet sogar noch etwas weniger als der vergleichbare Diesel 1.6 TDI mit 105 PS (17.680 Euro). Wer mit dem etwas löchrigen Tankstellennetz leben kann, spart mit dem Erdgasmodell ab dem ersten Kilometer. Einziger Nachteil: Der 1.4 TGI ist bisher nur für den Fünf­türer erhältlich. Kombi-Käufer können das Sparaggregat erst ab Sommer ordern.

Bis dahin müssen sie mit den Dieseln vorliebnehmen, die den Leistungsbereich zwischen 90 und 184 PS abdecken. Wie so oft liegt auch hier das Beste in der Mitte: Der 2.0 TDI mit 150 PS bietet einen guten Kompromiss aus Kraft, Laufruhe und Anschaffungskosten. Im Alltag kommt er mit rund sechs bis sieben Litern aus.

Mit 184 Diesel-PS unter der Haube lässt der Leon-Fahrer dann nichts mehr anbrennen und nennt die linke Spur sein Zuhause. Die 34 Zusatz-PS kosten zwar nur 1.110 Euro mehr, doch der starke Diesel ist nur in der teuersten Ausstattungsversion FR erhältlich.
Den Gegenpol dazu bildet der 1.6 TDI Ecomotive (110 PS). Das Spritsparmodell ist quasi das Pendant zum Golf Bluemotion. Für gut 1.000 Euro extra fährt er mit fünf PS und einem zusätzlichen, lang übersetzten Gang vor. Aerodynamischer Feinschliff hilft außerdem, den Normverbrauch auf 3,3 Liter (87 g CO2) zu drücken.Auch Allradkäufer bedient Seat für 1.600 Euro extra. Die Kletterhilfe gibt es nur für den Kombi 1.6 TDI. Selbst die leistungsstarken Cupra-Modelle müssen sich mit Frontantrieb begnügen.

Fahrwerk

Die spanischen Fahrdynamiker haben dem Leon eine knackige Abstimmung mit einer sehr präzisen elektromechanischen Lenkung verpasst. Ob Kombi, Drei- oder Fünftürer, alle folgen schnellen Lenkbewegungen präzise und machen richtig Spaß, ohne es mit zu harter Federung zu übertreiben. Ganz so geschmeidig wie ein VW Golf federt der Leon aber nicht. Im FR mit tiefer gelegtem Fahrwerk, flachen 18-Zöllern und Sportsitzen ist man der Straße gefühlsmäßig nochmals deutlich näher. Einen Tick komfortabler wird der FR erst mit der in drei Stufen einstellbaren Fahrwerksregelung. Wer’s braucht, holt sich den Sportmodus dann eben auf Knopfdruck ins Auto.

Innenraum/Platzangebot

Der Blick fällt auf ein fahrerorientiertes Cockpit, dessen Schalter und Tasten klar die Wolfsburger Handschrift tragen. Alles sitzt dort, wo man es intuitiv erwartet, und die großen Instrumente lassen sich hervorragend ablesen.

Auf dem Fahrerplatz des Leon fühlt man sich noch besser ins Auto integriert als im Golf. Platz hat man trotzdem genug. Das gilt auch für die bequeme Rückbank, auf der nur Menschen mit langen Beinen die Knie in die Lehnen bohren. Trotzdem: Für den Einsatz als Kollegentransporter gibt es geräumigere Autos. Den Skoda Octavia mit seinem längeren Radstand beispielsweise.

Gepatzt hat Seat bei den Fächern und Ablagen. Wer das Soundsystem bestellt, kann beispielsweise in den Türen nur noch kleine Flaschen unterbringen. Und statt der beiden Cupholder hinterm Schalthebel würde man sich ein Fach in der Mittelkonsole wünschen, das mehr als nur ein Handy und eine Schachtel Zigaretten schluckt. Dafür gibt’s auf Wunsch Klapptische an den Rücklehnen in Kombination mit Jalousien für die hinteren Fenster.

Der Kofferraum des Kombis überzeugt mit cleveren Details. So lässt sich die geteilte Rückbank vom Heck entriegeln, worauf die Lehne vorklappt und einen nahezu ebenen Ladeboden präsentiert. Ist das serienmäßige Rollo beim Beladen im Weg, so wandert es eben in ein eigenes Fach im zweistöckig einsetzbaren Ladeboden.

Mit 587 Litern, bei umgelegter Bank 1.470 Liter Ladevolumen, zählt der Leon ST zwar nicht zu den Großraum-Spediteuren. Da setzt schon die flach geschnittene Heckklappe Grenzen. Für den normalen Flottenalltag aber reicht das Platz­angebot im Heck des Spaniers. Wer häufig bis zu 2,50 Meter lange Leitern oder Latten transportiert, kann außerdem im Ausstattungsniveau Style für 63 Euro ­extra die Klappfunktion für die Lehne des Beifahrersitzes bestellen.

Ausstattung

Das Basismodell dient der Kosmetik, um den Einstiegspreis in die Leon-Welt attraktiv erscheinen zu lassen. Seine Ausstattung verdient allenfalls die Bezeichnung funktional und genügt nur für den Einsatz in weißen Flotten. Aber wenigstens ist das Standard-Sicherheitspaket mit sieben Airbags und ­Multikollisionsbremse an Bord. Sie verhindert, dass der Wagen bei einem Unfall weiterrollt. Doch die Einstiegsausstattung ist sowieso nur für die beiden schwächsten Motoren vorgesehen. Alle anderen starten mindestens auf dem zweiten Niveau Reference, dann mit serienmäßiger Müdigkeitserkennung.

Zusätzlich kann man ein ganzes Bündel an elektronischen Fahrhelfern aus dem Konzernregal bestellen. Radartempomat mit Bremsfunktion bis zum Stillstand, Spurhalteassistent, Auffahrwarner mit Notbremsfunktion für die Stadt kennt man von anderen Modellen des Konzerns. Doch ganz freizügig durfte sich Seat nicht bedienen: Totwinkelwarner, Tempolimit­anzeige oder Einparkhilfe bleibt den anderen Marken vorbehalten.

Dafür leuchtet der Leon als erster unter den kompakten Konzernmodellen mit LED-Scheinwerfern. Die 1.000 Euro sind gut investiert. Das kühle LED-Licht leuchtet die Straße deutlich heller aus als Xenon-Lampen und bringt ein echtes Plus an Sicherheit.
In Sachen Multimedia arbeitet Seat auf Sparflamme. Großes Kino gibt’s im Golf oder Audi A3 – der Leon-Fahrer muss sich mit einem nur 14,7 Zentimeter großen Touchscreen und simpler TMC-Staumeldung begnügen. Dessen Navi-Karte fällt kaum größer aus als bei mobilen Navis, blendet aber Routeninfos zusätzlich auf dem kleinen Zentraldisplay im Cockpit ein. Außerdem kostet das System nur bescheidene 579 Euro. Online-Dienste oder Apps gibt es dafür aber nicht.

Kosten

Beim direkten Preisvergleich mit dem VW Golf muss eigentlich jeder Fuhrparkleiter ins Grübeln geraten. Wie man es rechnet: Der Leon ist immer etwas günstiger. Beim 1.6 TDI mit 105 PS spart man etwa 600 und beim 2.0 TDI mit 185 PS schon 1.700 Euro. Da der Leon noch ganz neu auf dem Markt ist, sind seine Restwertprognosen um einiges besser als bei älteren Modellen wie Ford Focus oder Opel Astra. Auch bei Reparatur- und Wartungskosten muss man nicht mit Überraschungen rechnen.

Das macht den Leon zum scharfen Golf- und Audi-A3-Gegner und ganz heißen Tipp für den Flotteneinsatz. Wahrscheinlich ist es genau das, was VW-Chef ­Winterkorn nicht gefällt.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

6. Mai 2014
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres