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Motorabschaltung: Ich bin dann mal weg

Motorabschaltungen senken den Verbrauch. Hybride können das sogar während der Fahrt. Audi will das in Zukunft auch normalen Autos gönnen. Mit Daten aus dem Navi und neuer Bordelektronik. 

Vorausschauend fahren schützt vor grauen Haaren. Sagte zumindest schon der Fahrlehrer und dachte wohl weniger an das Wohl seiner Schüler als an die wöchentlichen Tankabrechnungen. Vorausschauend fahren heißt weniger bremsen und das spart Sprit. Denn wer bremst, setzt einen physikalischen Effekt in Gang, der in konventionellen Autos ungenutzt bleibt. Beim Bremsen wird Bewegungsenergie weggenommen und in Wärme umgesetzt. Beim Wiederanfahren ist diese Bewegungsenergie wieder kraftstoffraubend aufzubauen. Besser als spät zu bremsen ist es, frühzeitig vom Gas zu gehen. Falls nicht ausgekuppelt wird, sorgt dann die sogenannte Schubabschaltung für Verzögerung. Noch besser aber wäre es aus Verbrauchssicht, den Motor in den Leerlauf zu bringen und dann ganz abzuschalten. Etwa vor einer Kurve, hinter der eine Tempolimitzone beginnt oder einer Kuppe, hinter der eine steile Abfahrt droht. 

Im neuen MMI-Navigation Plus sind auch Steigungsdaten hinterlegt

Einem Normalsterblichen ist allerdings kaum zuzutrauen, sämtliche solcher Stellen zwischen Rügen und Ruhpolding zu kennen. Das sah man wohl auch bei Audi so und besann sich der vielgelobten Navis, die man in der eigenen Premiumklasse verbaut. So sind in der neuen MMI-Navigation Plus auch Steigungsdaten hinterlegt. Bislang haben sie nur informativen Charakter. Ziel der Ingenieure ist es, sie auch der Motorsteuerung zur Verfügung zu stellen. Diese greift dann direkt ins Antriebsmanagement ein oder liefert zumindest ein entsprechendes Signal ins Cockpit, damit der Fahrer reagiert.
Ganz so einfach ist es natürlich nicht, weshalb Audi für das System einen angemessen komplizierten Namen gefunden hat: Prädiktiver Effizienzassistent, kurz PEA. Das steht, so der Hinweis aus Ingolstadt, im „Stadium eines Vorentwicklungsprojektes“. Es gibt allerdings bereits einen (er)fahrbaren Prototypen im A7 Sportback mit 3.0 TFSI Motor. Der PEA nutzt die Streckendaten fürs Antriebsmanagement, verarbeitet aber auch masserelevante Informationen über Fahrradträger, Dachboxen oder Anhänger. Die Datenflut wird sogar noch größer, wenn zudem die von der Adaptive Cruise Control (ACC) gelieferten Radardaten über den vorausfahrenden Verkehr verarbeitet werden. Dank solcher Informationen weiß die Motorsteuerung in Zukunft so ziemlich alles: Sie kennt die Tempolimits, jeden Hügel und sieht sogar, dass Oma Schulz zwei Ecken weiter gerade zum Abbiegen in ihre Einfahrt ansetzt. Sie weiß also, dass unser Auto langsamer werden muss. Und zwar am besten, ohne zu bremsen.

Der Triebstrang wird während der Fahrt entkoppelt

Mit all den Daten soll die PEA deshalb auch in normalen Autos das machen, was bislang nur in Hybriden möglich ist: Den Triebstrang während der Fahrt entkoppeln (Leerlauf) und den Verbrenner abschalten, sobald der Fahrer vom Gas geht. Entweder hebt dieser selbst aufgrund der ihm mitgeteilten Signale den Fuß oder aber das System greift ein, indem es das Gaspedal anhebt. Wer nicht hören will, muss eben fühlen. Ganz ohne „E“ funktioniert es freilich nicht. Allerdings dient beim Prototypen ein kleines 48 Volt-Elektromaschinchen nicht als alternative Antriebsquelle, sondern nur als Wiederstarter des Verbrennungsmotors. Die Prototypenbezeichnung iHEV für „Intelligent Hybrid Electric Vehicle (in Anlehnung an „I have“) trifft es daher nicht ganz. Es geht um rein konventionelle Antriebe, ähnlich wie bei Start-Stopp-Systemen an der Ampel.
Hier aber hat das Ganze während der Fahrt zu funktionieren. Das heißt, fürs Wiederanlassen ist der richtige Fahrgang mit entsprechendem Übersetzungsverhältnis zu wählen. Zudem sind während der Motorauszeit alle fürs Fahren erforderlichen Systeme wie Bremsen, Lenkung und Dämpferregelung am Leben zu halten.

Zusätzliches unabhängiges 48-Volt-Bordnetz

Vor allem aber muss immer genügend Saft vorhanden sein, um den Motor wieder zu starten. Deshalb haben die Ingenieure ein zusätzliches, unabhängiges 48 Volt-Bordnetz (mit Lithium-Ionen-Batterie) implantiert, das über einen Wandler alle Verbraucher bedient, solange der Verbrennungsmotor ruht. Für Spannung ist also gesorgt – in jeder Hinsicht. Die Verbrauchseinsparungen auf den Testfahrten im Ingolstädter Umland mit dem Prototyp jedenfalls seien „signifikant“, sagt Audi. Das Ganze bei weitestgehend gleichen Fahrzeiten trotz ruhigerer Fahrweise. Der alte Fuchs von Fahrschullehrer hat also recht gehabt. Damals übrigens am Steuer eines Audi 80. Ganz ohne PEA, ACC und iHEV.

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28. September 2012
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