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Niedrige Spritpreise: Mehr SUVs wegen Billigpreisen an der Zapfsäule

Günstige Kraftstoffpreise bremsen alternative Antriebe in den Flotten aus. Stattdessen wächst das Segment der SUV, Geländewagen sind weltweit angesagt.

Es sind ernüchternde Zahlen für alle, die einen schnellen Mobilitätswandel wollen: Autos mit alternativen Antrieben kommen nicht in die Gänge. Ihr Anteil an den Neuzulassungen lag 2015 unverändert bei dürftigen 1,7 Prozent, darin eingerechnet Hybride, Plug-Ins, Elektroautos sowie Erd- und Flüssiggasautos. In den Jahren zuvor waren Steigerungen zu verzeichnen, jetzt stagniert die Zahl. Zu günstig sind die Kraftstoffpreise, als dass noch mehr Unternehmen über Alternativen nachdenken.

Bei Elektroautos sind zwar eher hohe Anschaffungspreise und geringe Reichweiten die Gründe für die Kaufzurückhaltung. Trotzdem fährt auch ihnen der Spritpreis in die Parade. Zu wenig werde in Deutschland gegengesteuert, beklagt etwa der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer: "Auch in Zeiten niedriger Ölpreise müssen wir die Energiewende vorantreiben. In vielen Staaten, auch in Deutschland werden die umweltfreundlichen Antriebe derzeit von Spritfressern in den Schatten gestellt."

Niedrige Kraftstoffpreise setzen falsche Anreize

Vohrer spielt auf das rasant wachsende Segment der SUV an: "Die niedrigen Kraftstoffpreise setzen hier völlig falsche Anreize." Das Kosten- und Umweltbewusstsein steht derzeit wieder hinter Emotionen. Das sieht auch Professor Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen, so: "Billiges Benzin und Diesel lassen die Käufer auf große und PS-starke Neuwagen umschwenken".

Geländewagen sind weltweit angesagt. General Motors (GM) hat angekündigt, sein Motorenwerk in Tennessee für knapp 150 Millionen US-Dollar auszubauen. Dort werden 6,2 Liter große V8-Motoren für die großen SUV und Pickups des Konzerns hergestellt. Vor Jahren wäre so etwas den Aktionären kaum zu vermitteln gewesen, heute offenbar schon. Für Ferdinand Dudenhöffer ein klares Signal: "Die Autowelt hat mit dem billigen Kraftstoff den Rückwärtsgang eingelegt."

Immer weniger Erdgasautos

Besonders heftig fiel der Einbruch der Neuzulassungen bei Erdgasfahrzeugen aus: 2015 brachte hierzulande ein Minus von 35,5 Prozent. Auffällig war der Monat Dezember, als der Dieselpreis unter einen Euro fiel. 56,5 Prozent weniger Erdgasautos als im Vorjahresmonat wurden dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) gemeldet. Spürbar ist die gedämpfte Nachfrage nach Antriebsalternativen aber auch beim Autogas. Um etwa ein Viertel ist die Zahl der Neuzulassungen im vergangenen Jahr geschrumpft. "Die niedrigen Preise für Benzin und Diesel sind sicherlich ein Grund", sagt Rainer Scharr, Vorsitzender des Deutschen Verbandes Flüssiggas.

Scharr fordert eine konsequentere Politik, die über die geplante Verlängerung von Steuerermäßigungen für alternative Kraftstoffe hinausgeht. "Allerdings müssen auch die Autohersteller ihr Angebot an Autogas-Fahrzeugen ausweiten. Dies könnte man politisch unterstützen, beispielsweise durch eine Kaufprämie oder dadurch, dass man Autohersteller den verringerten CO2- und Schadstoffausstoß von Autogasfahrzeugen auf die Flottenbilanz anrechnen ließe", schlägt Scharr vor. Für Autos, die in Zukunft mit "Power to LPG", also durch Ökostrom gewonnenes Flüssiggas, betrieben werden, sei eine Förderung durch eine Art Bonussystem für Flottenbilanzen sinnvoll.

Spritspartrainings trotzdem gefragt

Gewerbetreibende trauen den billigen Spritpreisen aber nicht. "Sie buchen trotz der günstigen Kraftstoffpreise weiterhin Trainingseinheiten. Die Kunden wissen, dass es sich unabhängig vom momentanen Preisgefüge auf Dauer auszahlt, sparsam zu fahren", sagt ADAC-Sprecherin Monika Klug-Langhans. Eine Einschätzung, die auch Fahrzeughersteller teilen, die selbst Eco-Trainings anbieten. Opel zum Beispiel verzeichnet keinen Rückgang an Buchungen.

Bestätigt sehen sich die um Sparsamkeit bemühten Flottenbetreiber durch Experten, die ein baldiges Ende der Preissenke voraussagen. Francis Duseux, Präsident der Union Francaise des Industries Petrolières (Ufip), prognostiziert ein solches noch bis Jahresende. Dem Verband gehören unter anderem BP, Shell, Total und Esso an. "Der Preisverfall der vergangenen beiden Jahre lastet schwer auf der Rentabilität der Unternehmen", sagt Duseux. In der Folge sei die Investitionsbereitschaft für die Erforschung neuer Ölvorkommen eingebrochen. Das Angebot wird laut Duseux künftig geringer ausfallen als prognostiziert: "Was das für die Preise heißt ist klar. Sie werden wieder steigen."

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30. März 2016
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