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Nissan Leaf: Die elektrische Avantgarde

Revolutionäre haben es meist schwer. Oft werden sie missverstanden, sie ecken gewaltig an und sind ihrer Zeit Jahre voraus. Wie der Nissan Leaf. Das japanische Elektrofahrzeug ist im Vergleich zu anderen Kompaktfahrzeugen auf den ersten Blick mit 36.990 Euro teuer, dafür steckt unter dem Blechkleid aber die Zukunft.

Das Elektroauto ist nicht nur eines der ersten auf den deutschen Markt, sondern auch alltagstauglich, komfortabel und bestellbar. Das Wettbewerbsumfeld ist überschaubar. Ebenfalls elektrisch fahren Smart Fortwo (Zweisitzer), Mitsubishi iMiev, Citroen C-Zero und Peugeot iOn (kleiner und teurer), Renault Fluence Z.E. (Limousine mit Batteriemiete) und Twizy (Zweisitzer mit Batteriemiete) sowie Opel Ampera und Chevrolet Volt mit Range Extender.

Konzipiert für den Alltag in der Stadt

Der Leaf ist zwar im Vergleich zu sparsamen Diesel-Fahrzeugen in der Kompaktklasse nicht besonders günstig, das hat aber seinen Grund: Die geringen Stückzahlen des Akkus treiben den Preis in die Höhe. Und die Batterie ist beim Japaner Bestandteil des Fahrzeugs. Andere Marken bieten sie lediglich gegen eine monatliche Mietzahlung an.

Der aus 192 einzelnen Lithium-Ionen-Zellen zusammengesetzte Akku leistet 24 kWh und arbeitet mit einer Spannung von 360 Volt. Geht der Energievorrat der Batterie zur Neige, dauert es mit einem Schnellladegerät und bei 400 Volt Spannung mit 125 Ampere Strom nur 30 Minuten, um den Füllstand auf 80 Prozent zu bringen. Für den Wochenalltag dürfte das selbst für viele spontane Spritztouren reichen. Nach acht Stunden am häuslichen Ladegerät ist die Batterie dann vollständig geladen. Wer also sein Fahrzeug abends ans Kabel legt, hat morgens wieder die volle Reichweite. Für den Notfall liegt im Auto ein mobiles Ladekabel für die Steckdose unterwegs, die den Akku in 13 Stunden wieder füllt.

Den Nachteil von Elektrofahrzeugen kann somit auch der Leaf nicht lösen. Die Reichweite ist begrenzt und auch dem Japaner geht nach maximalen 175 Kilometer der Saft aus. Aber für die meisten Bundesbürger dürfte das kein Problem darstellen: Sie fahren durchschnittlich nur 34 Kilometer pro Tag. 63 Prozent aller Fahrten liegen unter 50 Kilometer.

Wer bei Elektroautos an zusammengelötete Klapperkisten technikversessener Bastler denkt, ist beim Leaf falsch. Verarbeitungsqualität und Haptik sind auf klassenüblichem Niveau, Lenkung und Federung sind komfortabel ausgelegt und machen das ruhige Fahren angenehm. Der Drehknopf auf dem Mitteltunnel dient der Fahrtrichtungswahl oder zum Einlegen der Parksperre. Die Instrumente bieten eine ganze Menge mehr Informationen als üblich. Für Stromfresser wie Heizung oder Scheibenwischer gibt es einen Hinweis im Display, dass das Ausschalten der Klimaanlage im aktuellen Fahrbetrieb mehr Reichweite führt. Der mündige Fahrer wird dadurch schnell ermutigt seine Route genau zu planen.

Vom Start weg 280 Nm Drehmoment

Durch einen Tastendruck fließt der Strom: Kurze Pfeiftöne signalisieren dem Passanten, dass da ein Zukunftsauto mit weniger als 30 km/h durch den Verkehr rollt. Darüber gibt es nur die üblichen Abroll- und Windgeräusche. Spontane Sprints machen dank des systembedingten schon beim Anfahren voll anliegenden Drehmoments von 280 Newtonmeter Spaß: Tempo 100 liegt dank des 80 kW/109 PS starken Elektromotors nach 11,9 Sekunden an. Und auch auf der Autobahn schwimmt das rund 1.560 Kilogramm schwere Auto mit bis zu 145 km/h bequem im Verkehr mit.

Konzipiert ist der Stromer aber speziell für den Alltag in der Stadt. Der Kofferraum ist mit 330 bis 680 Liter Volumen fast klassengerecht, das Raumangebot im Fond schon beinahe fürstlich. Ablagen und Fächer sind in ausreichender Zahl an Bord, die Ausstattung ist äußerst umfangreich und fast vollständig. Das ist fast schon konservativ statt revolutionär.

Autor

Foto

Nissan

Datum

13. März 2012
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