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Normverbrauch: EU legt neue Prüfmethoden fest

Normverbrauch und Emissionen von Neuwagen werden künftig unter realen Bedingungen getestet – ohne Tricksereien im Labor. Doch höhere Verbräuche könnten für Flottenbertreiber höhere Kfz-Steuern bedeuten.

Die Europäische Union hat neue Regelungen zur Messung des Schadstoffausstoßes von Pkw auf den Weg gebracht. Künftig müssen bei der Typgenehmigung nicht nur Emissionen unter Laborbedingungen, sondern auch im realen Fahrbetrieb auf der Straße gemessen werden. Die Messung der so genannten „Real Driving Emissions“ (RDE) hat der zuständige EU-Fachausschuss am Dienstag beschlossen, meldet das Bundesumweltministerium. Damit wurde umgesetzt, was verschiedene Verbände bereits gefordert hatten.

Realistischere Verbrauchswerte

Hintergrund: Die Prüfungen unter Laborbedingungen stehen in der Kritik, hier verbrauchen Fahrzeuge oftmals unrealistisch wenig Kraftstoff und stoßen damit auch weniger schädliche Abgase aus. Forscher werfen Fahrzeugherstellern vor, ihre Fahrzeuge nur für einen eng abgegrenzten Betriebsbereich im Labor zu kalibrieren und nicht für reale Fahrsituation in Kundenhand. Teilweise liegen die Normwerte bis zu 40 Prozent über den realen Verbräuchen.

Insbesondere Diesel-Autos haben hier Probleme: Nach einer Untersuchung des International Council of Clean Transportation (ICCT) stoßen moderne Diesel-Fahrzeuge bis zu sieben Mal mehr schädliche Stickoxide (NOx) aus als erlaubt. Statt unter Laborbedingungen testeten die Wissenschaftler der Non-Profit-Organisation die Selbstzünder im Alltagsbetrieb. Stickoxide werden als gesundheitsschädlich eingestuft. Insbesondere Stickstoffdioxid ist eine Vorläufersubstanz von Ozon und kann zu Atemwegserkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen.

Mit Inkrafttreten der Euro-6-Norm wurde die zulässige Höchstgrenze für NOx von Diesel-Pkw auf 80 mg/km gesenkt – die allerdings für die Zulassungsprüfung derzeit unter Laborbedingungen erreicht werden müssen. Gesetzliche Regelungen zur Minderung von Stickoxid und anderen Emissionen wurden in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Unter Euro 3 (ab Januar 2000) lag die Höchstgrenze noch bei 500 mg/km.

Um die realen Fahrzeugemissionen zu ermitteln sollen Pkw künftig mit mobiler Messtechnik (Portable Emissions Measurement Systems, PEMS) beim Fahren im Straßenverkehr statt auf dem Rollenprüfstand vermessen werden. PEMS-Messungen werden heute schon bei der Typprüfung von Euro-6-Lkw eingesetzt.
Nur wenn es gelingt, europaweit anspruchsvolle Emissionsanforderungen festzulegen, würden Diesel-Pkw mit Blick auf Schadstoffemissionen weiter zukunftsfähig sein und sich Fahrverbote in Innenstädten abwenden lassen, so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Sie sieht die Automobilindustrie in der Pflicht.

Insbesondere bei den Zulieferern ist die Reduzierung der Pkw-RDE bereits jetzt ein Thema. Bosch reduziert die Partikel beim Benziner zum Beispiel durch die Erhöhung des Einspritzdrucks von 200 auf 350 bar. Beim Diesel sorgt die Elektrifizierung mit einem 48-Volt-System laut Zulieferer für bis zu 20 Prozent weniger Stickoxid-Emissionen. Insbesondere beim Beschleunigen und unter hohen Lasten lassen sich die Stickoxid-Emissionen durch die elektrische Unterstützung verringern.

Steigt die Kfz-Steuer?

Nicht geklärt ist indes, wie sich die aus der neuen Norm resultierenden höheren Verbrauchswerte für den Halter auswirken. Oder doch? Flottenbetreiber werden wohl damit rechnen müssen, dass die Steuerlast steigt. Denn die Kfz-Steuer wird nach Emission des Autos gemessen.

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Datum

20. Mai 2015
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