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Notbremsassistenten: Alle Achtung!

Der Notbremsassistent gehört zu den wichtigsten Sicherheitssystemen im Firmenwagen. Ein Test mit sechs aktuellen Fahrzeug-Modellen zeigt, ob und wie der Bremshelfer Unfälle vermeiden kann.

Wenn es darauf ankommt, bremst der durchschnittliche Autofahrer schlecht. Laut den Daten der Unfallforscher in rund 90 Prozent der Fälle entweder zu spät, zu schwach oder gar nicht.

Andererseits verzögern sogar Kleinwagen wie früher nur Sportwagen, doch hilft das alles nichts, wenn dieses Bremspotenzial nicht abgerufen wird. Deshalb bieten heutzutage fast alle Neuwagen einen passiven Bremsassistenten.

Je nachdem, wie schnell und wie hart der Fahrer aufs Bremspedal drückt, vervollständigt er selbsttätig die Vollbremsung. Noch wirkungsvoller sind jedoch aktive Notbremsassistenten. Sie erkennen nicht nur mit Hilfe von Sensoren (Laser, Radar oder Kamera) selbstständig eine kritische Situation und warnen den Fahrer.

Unfälle können gemindert werden

Wenn es sehr brenzlig wird, bremsen sie sogar völlig autonom. Deren Fähigkeiten haben unsere Kollegen von »auto motor und sport« zusammen mit dem TÜV Süd in einer beispielhaften, aufwendigen Testreihe überprüft. Zur Bewertung der Systeme wurden die autonomen Brems- und Warnfähigkeiten auch auf der Basis des realen Unfallgeschehens (Daten von 2010) und ihrer tatsächlichen Verbreitung beurteilt.

Über ein Drittel aller Unfälle mit Personenschäden können demnach theoretisch durch einen Notbremsassistenten gemildert oder sogar ganz verhindert werden. Grenzfälle wie Kreuzungsunfälle wurden im Test nicht berücksichtigt, da die Reaktion der Assistenzsysteme stark davon abhängt, wie viel Zeit die Sensoren für eine Erkennung des einbiegenden Autos haben.

In der Stadt zeigten alle Systeme mindestens befriedigende Unfallvermeidungsfähigkeiten, jedoch in sehr unterschiedlicher Ausprägung: So konnten die City-Notbremssysteme von VW zwar fast in jedem Fall einen Aufprall bis 30 km/h vermeiden, jedoch geben sie dem Fahrer vorher keinerlei optische oder akustische Warnung.

Optische und akustische Warnung des Fahrers

Auch der Ford Focus verzichtet bei seinem Active City Stop auf eine Warnung und fährt zudem bei 30 km/h wegen einer sehr späten autonomen Bremsung auf ein stehendes Hindernis mit einer hohen Restgeschwindigkeit von 24,6 km/h auf.

Der Honda Civic zeigte das inkonstanteste Bremsverhalten im Test. Bei weniger als 30 km/h wurde aufgrund der sanften und recht schwachen autonomen Verzögerung des Honda zwar kein Aufprall vermieden, jedoch ermöglicht eine frühe Warnung die selbstständige Notreaktion des Fahrers.

Das radargestützte, serienmäßige System der B-Klasse erkennt stehende Objekte nicht und beherrscht keine autonome Notbremsung, dafür fordert es mit einer zeitlich passenden optischen und akustischen Warnung den Fahrer zum Eingreifen auf. Die Erfahrung zeigt, dass damit ein Großteil der möglichen Unfälle verhindert werden kann.

Wie bei den anderen Systemen legt das Auto die Bremsbeläge schon mal vorsorglich an. Fast tadellos unterstützt das Volvo-System im Stadtbereich. Es warnt recht früh, konnte im Test alle Unfälle verhindern und ermöglicht mit dem leider sehr teuren Fahrerassistenzpaket (1.663 Euro) sogar eine Notbremsung für Fußgänger. Im höheren Tempobereich (72 bis 100 km/h) ist das System des VW Up als einziges wirkungslos.

Ärgerliche Fehlbremsungen

Die durchweg optionalen und mit einem adaptiven Abstandsregeltempomaten gekoppelten Systeme in Ford Focus, Honda Civic, Volvo S60 und VW Passat vermindern mit einer autonomen Bremsung die Aufprallgeschwindigkeit deutlich. Das Resttempo im Volvo und VW Passat ist deutlich niedriger als das von Honda und Ford.

Bei den vorher erfolgten Warnungen fällt zudem auf, dass Volvo beim 72-km/h-Test tendenziell eher früh und VW eher spät warnt. Zu frühe Warnungen können jedoch zur Genervtheit führen und zu späte den Fahrer in die Bredouille bringen. Noch ärgerlicher ist es, wenn die Systeme eine Fehlbremsung auslösen. Schon ein unnötiger Bremsruck wie zum Beispiel im VW Passat schockiert unerfahrene Fahrer oder rückwärtigen Verkehr.

Das kam im Test glücklicherweise nicht oft vor. Selten sind die Notbremsassistenten leider auch – wenn sie Aufpreis kosten. Teure Systeme finden – Ausnahme Volvo – kaum noch Käufer. Kein Wunder, fallen sie doch unter die Ein-Prozent-Regelung. So leisten sich gerade mal 1,5 Prozent der Focus-Käufer und 2,3 Prozent der Civic-Kunden dieses Sicherheitsplus.

Entsprechend niedrig fällt ihr Nutzen für den Gesamtverkehr aus. ABS und ESP zeigen aber: Nur serienmäßige Sicherheitssysteme senken die Unfallzahlen nennenswert. Volvo und Mercedes fahren hier mit gutem Beispiel voran.

Der ideale Bremsassistent:

  • liefert zeitlich passend eine optische und/oder akustische Warnung
  • ist serienmäßig in allen Modellen
  • funktioniert in jeder Situation zuverlässig
  • unterstützt den Fahrer zielgenau bei einer Notbremsung
Download
Kostenlos herunterladen Die Testergebnisse der Bremsassistenten. (PDF)

Autor

Foto

A. Hartmann

Datum

9. November 2012
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