Alles über Reifentest
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Reifentest: Die besten Reifen für kompakte SUV

SUV boomen und somit muss sich der Flottenchef auch in diesem Segment um passende Reifen kümmern. Für kompakte SUV testen wir neun Sommerreifen der Dimension 215/60 R 17, vom günstigen Fernost-Reifen bis zum Highend-Pneu.

Natürlich, Kompaktmodelle wie Golf und Co. werden auch weiterhin die Zulassungs-statistiken anführen, doch kompakte SUV sind als Firmenwagen stark im Kommen. Besonders beliebt: eher günstige Modelle mit Frontantrieb. Geländeeigenschaften braucht kaum ein Vielfahrer, dafür aber beste Performance auf der Straße. SUV-Attribute wie ein grobes Profil verbieten sich, weil dann die Ansprüche an sportliche Fahrdynamik, leises Abrollgeräusch und geringen Rollwiderstand nicht umgesetzt werden können.

Als Testwagen dient uns der in Flotten weit verbreitete Opel Mokka. Dazu neun Testreifen, vorwiegend Premiumprodukte. Bridgestones bewährten Allrounder Turanza T001 etwa, der laut EU-Reifenlabel Rollwiderstandsklasse C und Nasshaftungsklasse B erreicht. Conti schickt den bewährten Testsieger Premium Contact ins Rennen, der in der vergangenen Saison noch unter dem Namen Premium Contact SUV angeboten wurde. Das Kürzel SUV fiel in diesem Jahr wegen internen Harmonisierungsmaßnahmen weg. Und Pirelli liefert den Scorpion Verde. Trotz seiner namentlichen Zugehörigkeit zur Geländereifen-Familie ist auch er für reinrassigen Straßenbetrieb ausgelegt.

Dazu stößt ein breites Feld eher günstiger Reifen von Falken, Toyo und ­Nokian. Letzterer zeigt trotz des Kürzels SUV keinerlei Offroad-Ambitionen. Nur so lassen sich der versprochen kurze Bremsweg und geringer Rollwiderstand vereinen. Im Gegensatz zu den anderen Testteilnehmern gibt es den Nokian nur mit dem erhöhten Tragfähigkeitsindex 100. Das schafft bei hoher Beladung Sicherheitsreserven, erfordert aber Korrekturen beim Vergleich der Rollwiderstände, was wir bei der Bewertung des Reifens natürlich berücksichtigen

Die chinesische Marke Linglong will in Deutschland Fuß fassen

Weniger hoch sind die Leistungserwartungen an den günstigsten Reifen im Test, den Linglong Greenmax 4x4. Der chinesische Hersteller versucht derzeit mit groß angelegten Promotion-Aktionen, unter anderem als Sponsor des VFL-Wolfsburg, in Deutschland und Europa Fuß zu fassen. Die bislang recht unbekannte Marke hatte ihr Debüt bereits bei unserem Reifentest 2007, allerdings mit wenig rühmlichem Ausgang. Ob die Weiterentwicklung Früchte getragen hat, wird sich zeigen.

Im Spätherbst 2015 müssen die Reifen auf dem sonst sonnenverwöhnten Areal in Süditalien zeigen, was sie können. Doch mit dem Eintreffen des Testtrosses verschwindet die Sonne. Sintflutartiger Starkregen spült über die Strecken. Im Grunde ausgemachtes SUV-Wetter, doch von konstanten, stabilen Testbedingungen weit entfernt. Während der Himmel alle Schleusen öffnet und unweit gar Autos ins Meer gespült werden, haben die Schlagschrauber erst mal Pause. Die beiden Test-Mokka bleiben in den Boxen, Testfahrer und Mechaniker sind zur Untätigkeit verdammt. Der peitschende Regen zehrt an den Nerven, jeder Tag zählt.

Über Nacht ist der Spuk vorbei, die Sonne trocknet die Pisten: Geräuschmessungen, Trockenbremsversuche, Handlingfahrten: Zwei mit Messtechnik ausgestattete Opel Mokka arbeiten nach ­einem exakt festgelegten Konzept die Versuche ab. Während der eine präzise wie ein Uhrwerk Runde um Runde Grenzkurs sammelt, rackert sich der andere bei den Trockenbremsmessungen ab: Aus 100 km/h zehn Vollbremsungen pro Reifen, das macht über hundert Vollbremsungen pro Testgruppe. Für höchstmögliche Reproduzierbarkeit müssen dabei Spur und Bremspunkt möglichst ­präzise getroffen werden. Dieser Job fordert vom Fahrer volle Konzentration.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Mit Michelin, Goodyear und Conti bereift, steht der Opel am schnellsten. Mit Pirelli und Falken wächst der Bremsweg etwas an. Auch Bridgestone, Nokian und Toyo bremsen noch im grünen Bereich, nur mit den Linglong-Reifen steht der Opel erst nach 42,1 Metern, das sind fast fünf Meter mehr als mit den besten Reifen.

In Handling auf dem schnellen, selektiven Rundkurs liegt das Feld dicht beieinander, auch bedingt durch die Motorleistung des Test-Mokka. Herausragend, mit sehr sicherer Fahrdynamik und flotten Rundenzeiten Pirelli, Goodyear, Toyo und Michelin. Linglong kann den etablierten Marken beinahe folgen, Conti scheint mit dem ESP des Opel nicht zurechtzukommen. In der Spurwechselsicherheit, im Test durch mehrere Spurwechsel bei 120 km/h überprüft, gibt es hingegen keine Ausreißer.

Auf Nässe trennt sich die Spreu vom Weizen: Besonders bei den Bremstests zeigt der Conti, was er kann, und definiert mit 26,1 Meter Bremsweg aus Tempo 80 die Bestmarke. Mit starken Werten und weniger als einem Meter mehr Bremsweg folgen Goodyear, Pirelli, Falken und Michelin. Nokian rückt auf das Spitzenfeld auf, Toyo und Bridgestone folgen unter oder um die 28-Meter-Marke, nur der Linglong rutscht mit 30 Metern entschieden zu weit, das angegebene "C" in der Nasshaftung scheint somit durchaus realistisch

Nassgrip braucht man vor allem in Kurven

Nassgrip zählt nicht nur beim Bremsen. Auch bei den Seitenführungs- und Nasshandlings- tests zählt, wie gut sich die Reifen in den nassen Asphalt beißen. Der Linglong hat’s hier schwer: Nur mit viel Fingerspitzengefühl lässt er sich im Grenzbereich auf Kurs halten. Schon bei konstanter Kreisfahrt ohne Lastwechsel­einfluss rutscht immer wieder das Heck weg. Dafür gibt es definitiv keine Empfehlung. Auch Toyo und Bridgestone geben sich etwas wasserscheu und zeigen sich in Sachen Seitenführung und Fahrstabilität nicht wirklich zuverlässig. Hinzu kommt bei beiden, verstärkt sogar beim Linglong, eine erhöhte Aquaplaning­empfindlichkeit.

Top auf Nässe und fahrdynamisch überragend: Contis Premium Contact 5, dessen durchweg positives Bild lediglich durch eine kleine Schwäche im Längsaquaplaning getrübt wird. Bei ­minimal schwächeren Bremsleistungen und etwas nervöserem Fahrverhalten, dafür guter Aquaplaningvorsorge wird er Zweiter in der Nässewertung. Auch Goodyear, Nokian, Falken und Michelin sind bei Regenwetter erste Wahl. Toyo und Bridgestone sind der Spitzengruppe dicht auf den Fersen.

Große Unterschiede im Rollwiderstand

Läge der Fokus dieses Tests nur auf besten Nass- und Trockeneigenschaften, würden sich Conti, Goodyear, Pirelli und Michelin auf Augenhöhe um den Sieg balgen. Doch es kommen noch die Umwelteigenschaften hinzu, allen voran der Rollwiderstand. Bester Rollwiderstand ist konstruktiv schwer mit optimalem Nassgriff zu vereinen, weshalb der Reifeningenieur hier immer einen Kompromiss eingehen muss. Mit Ausnahme des B-gelabelten Goodyear und des mit E gekennzeichneten Linglong firmieren die anderen Reifen dieses Tests in der Rollwiderstandsklasse C. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die gesetzlichen Toleranzfelder lassen bei der Klassifizierung offensichtlich weite Spielräume.

Das zeigen die Messungen auf zwei voneinander unabhängigen Rollenprüfständen. So konnten allein bei den C-klassifizierten Reifen Rollwiderstandsunterschiede von bis zu 20 Prozent herausgemessen werden. Ganz vorne liegen Michelin wie auch Toyo mit besonders leicht laufenden und damit Sprit sparenden Profilen. Im Mittelfeld liegen der immerhin in die Klasse B eingestufte Good­year (8,8) wie auch der mit einem C versehene Conti mit dem Beiwert von 9,0. Das untere Ende der Skala markieren der ­äußerst optimistisch ebenso mit C markierte Pirelli mit 9,5 sowie der realistisch E-eingestufte Linglong mit 9,9.

Woher könnten diese Unterschiede kommen? Neben Serienstreuungen und unscharfen gesetzlichen Vorgaben spielt sicher eine Rolle, dass die Einstufung der Rollwiderstands- wie auch der Nassgriff- und Geräuschklassen durch die Reifenhersteller selbst vorgenommen wird. Eine wirksame staatliche Überwachung gibt es nicht. Das lässt am Sinn des Reifenlabels zweifeln, soll es doch Transparenz für den ­Verbraucher schaffen. Unabhängige Rei­fentests wie dieser leisten das auch weiterhin. Mit transparenter Aufbereitung und klaren Ansagen.

Wenn Ihre Fahrer also eher sportlich unterwegs sind und das Fuhrparkmanagement auf den Rollwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch pfeift, wird man mit dem Pirelli Scorpion ­Verde glücklich. Anders tickende Unternehmen, denen der Verbrauch wichtig ist, die aber mit kleinen Kompromissen bei Nässe leben können, wählen den Michelin. Besonders empfehlenswert: Der Conti Premium Contact 5 fährt trotz gewisser Abstriche in der Effizienz weit nach vorne. Am Ende ist aber einer noch besser: Mit sehr ausgewogenen Eigenschaften in ­allen Disziplinen gewinnt der Goodyear Efficient Grip SUV.

Autor

Foto

Dino Eisele

Datum

16. März 2016
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