Alles über Reifentest
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Reifentest: Die besten Sommerreifen für die Mittelklasse

Um sicher ans Ziel zu kommen, braucht es die richtigen Reifen. Wir testen neun Vertreter in der Dimension 225/50 R 17 und sagen, wer den besten Grip auf nassem und heißem Asphalt bietet.

"Das Beste oder nichts", so lautet seit einigen Jahren der Claim von Mercedes-Benz und nicht selten auch seiner Fahrer. Wer nach diesem Motto Reifen für die C-Klasse oder ein anderes der in Flotten weit verbreiteten Mittelklasse-Modelle sucht, kann in der gängigen Dimension 225/50 R 17 W bei den Reifendienstleistern aus über 200 Angeboten wählen. Das mag den einen oder anderen Fuhrparkleiter überfordern. Welcher ist der beste Reifen? Als Kaufhilfe hat die EU 2012 das Reifenlabel eingeführt. Es soll die Eigenschaften eines Reifens zumindest in den Aspekten Nassgrip, Rollwiderstand und Abrollgeräusch beleuchten. Kann dieses Label beim Reifenkauf aber wirklich weiterhelfen?

Um herauszufinden, ob die top bewerteten Reifen auch den hohen Ansprüchen von Flottenbetreibern genügen, haben unsere Kollegen von "auto motor und sport" die im Label am besten bewerteten Modelle zum Test gebeten.

Glaubt man den Aussagen des Reifenlabels, dürften sich die Produkte im ­Rollwiderstand um höchstens 15 Prozent ­unterscheiden. Auch die Bremswege auf Nässe dürften nicht mehr als drei Meter variieren.

Das prüfen wir nach. Um Messtoleranzen beim Rollwiderstand zu minimieren, werden gleich zwei unterschiedliche Prüfeinrichtungen in Frankreich und Deutschland genutzt. Das Resultat: Die von den Herstellern angegebenen Rollwiderstandsklassen werden in allen Fällen und im Rahmen der zulässigen, jedoch recht großzügig angelegten Toleranzen erreicht. Sehr rollwiderstandsarm und knapp am B-Label dran: Conti und Uniroyal. ­Etwas schlechter schnitten die Asiaten Hankook und Kumho ab.

Die Reifen erreichen die versprochenen Werte. Manche allerdings ganz knapp

Auch bei den Geräuschangaben des Labels gibt’s keinen Grund zur Klage: Alle Hersteller unterbieten mit höchstens ­70 db(A) das geforderte Maximum von 72 db(A). Besonders leise rollen mit 66 und 68 db(A) Hankook und Kumho ab. Das klingt nach nicht viel, bedeutet aber aufgrund der logarithmischen db-Skala, dass die mit 70 db(A) gemessenen Reifen von Bridgestone, Nokian, Pirelli oder ­Uniroyal schlicht als rund doppelt so laut empfunden werden.

Die Stunde der Wahrheit schlägt jedoch nicht auf dem Prüfstand, sondern auf der Test- strecke. Los geht’s zum Bremstest auf nasser Fahrbahn. Glaubt man dem Label, dürften hier keine allzu großen Unterschiede zu erwarten sein. Weit gefehlt: Mit 29,1 Metern aus Tempo 80 bremst sich der Referenzreifen und Vorjahressieger Conti auf einen beein-druckenden Bestwert ein. Der erste Wettbewerber, Uni­royal braucht schon zwei Meter mehr bis zum Stillstand. Das Gros des Feldes mit Dunlop, Goodyear, Hankook, Nokian und Pirelli benötigen rund drei Meter mehr. Zuletzt rauscht der mit Bridge­stone und Kumho bereifte Mercedes ins Abseits und kommt erst nach 34,1, respektive 35,3 Metern zum Stehen.

Trotz identischer Labeleinstufung mehr als eine Wagenlänge Unterschied beim Bremsweg? Laut Label dürfte der Abstand zwischen Klasse-A- und Klasse-B-Reifen rund drei Metern sowie zu Klasse C weitere vier Meter betragen. Hier bleibt die Frage nach korrekter Einstufung der Produkte offen. Mehr Transparenz und feinere Differenzier- barkeit wäre wünschenswert. Doch mehr hat das Label nicht zu bieten.

In insgesamt 14 Einzeldisziplinen fühlt der Reifentest dem führenden Conti weiter auf den Zahn. Wie gut ist die Seitenführung des Reifens bei Nässe, hält er das Auto in der Spur, ab welcher Geschwindigkeit droht der Wagen aufzuschwimmen? Der Conti Sport Contact lässt im Nassen nichts anbrennen, zeigt weder in Seitenführung noch im Handling Schwächen und lässt sich nur im Kurvenaquaplaning vom sonst recht ­wasserscheuen Bridgestone den Schneid abkaufen.

Was in der Testtabelle als nüchterner Zahlenwert erscheint, macht in der Praxis oft einen gravierenden Unterschied aus. Mit ausgezeichneter Seitenführung, sehr ausgewogenem und überraschungsfreiem Fahrverhalten lassen sich mit Reifen von Continental oder Dunlop leicht schnelle Rundenzeiten erzielen. Sie sind jederzeit sicher. Die schlechtesten Reifen dieses eng beieinanderliegenden Testfeldes sind zwar nur vier Kilometer/Stunde langsamer, fordern dafür öfter mal schnelle Reak­tionen am Lenkrad.

Effekte wie ein im Lastwechsel leicht ausbrechendes Heck, das plötzliche Aufschwimmen samt Traktions- oder Seitenführungsverlust beim Durchfahren von Pfützen oder schlechte Spurhaltung beim Bremsen, wie etwa beim Kumho, könnten auch ambitionierten Außendienstmitarbeitern schnell den Schweiß auf die Stirn treiben.

Neun Kriterien fürs Handling auf trockener Straße

Neun Kriterien werden alleine bei den Handlingfahrten auf trockenem Asphalt abgeklopft. Dazu Rundenzeiten, Sicherheit im schnellen Spurwechsel, Lenkreaktion, Bremsen und nicht zuletzt der Abrollkomfort. Der im Nassen schon nicht berauschende Kumho kann auch auf den trockenen Pisten des Reifentestzentrums nicht überzeugen. Mit schwacher Lenkpräzision, mäßiger Seitenführung und wenig ausgewogenem Handling bildet er das Schlusslicht.

Auch der Bridgestone Turanza bleibt trotz einer überzeugenden Vorstellung beim Handling mit dürftigen Bremswerten etwas hinter dem Hauptfeld zurück. Trotz hoher Labeleinstufung gibt’s für beide nur ein bedingt empfehlenswert.

Dass sich ausgemachte Nässespezialisten wie der Uniroyal Rainsport an Land eher unwohl fühlen, ist klar. Sein wasserverdrängendes V-Profil verhindert kürzere Trockenbremswerte, sonst gibt er r sich ausgesprochen gutmütig. Auf gleichem ­Level: Pirelli und Nokian. Beide leisten sich bei sonst weitgehend ausgewogener Trockenperformance eine kleine Aquaplaningschwäche. Die Stärken des Pirelli liegen eher im Trockenen, die des Nokian eher im Nassen.

Mit überzeugendem Aufritt auf dem staubtrockenen, südfranzösischen Racetrack und der Bremspiste sichern sich die Pneus von Dunlop und Goodyear trotz ihrer kleinen Schwächen im Aquaplaning Plätze in der Spitzengruppe.

Allroundtalente fahren vorne weg

Mit besten Bremswerten, guter Traktion, sicherer Seitenführung und vorbildlicher Balance drängt Hankook nach vorn und setzt sich im Trockenen an die Spitze, kleinere Defizite im Nassen sowie der erhöhte Rollwiderstand verhindern die Bestnote. In Trockenperformance fast gleichauf, ebenso mit etwas höherem Rollwiderstand, jedoch überragenden Nässe-
eigenschaften schnappt sich der Conti Sport Contact 5 den Testsieg. Und noch einer schiebt sich zuletzt mit Top-Rollwiderstandswerten an Hankook und Goodyear vorbei nach vorne: der Dunlop, der knapp und nur um ein Zehntel die Bestnote verfehlt.

Das Beste oder nichts? Wer auf Top-Performance und damit höchstmögliche Sicherheit setzt, muss klar Conti oder den über 20 Euro billigeren Hankook wählen. Was uns zu den Kosten bringt: Zwischen dem teuersten Reifen (Continental) und dem billigsten (Kumho) liegen 31 Euro. Oder 124 Euro pro Satz. Auf die Flotte hochgerechnet viel Geld. Doch Qualitätsreifen machen sich schon bezahlt, wenn sie nur einen Unfall verhindern. Geht’s dann noch um den Spritverbrauch, sind Dunlop oder Goodyear erste Wahl.

So wurde getestet

Um höchste Genauigkeit und Ergebnissicherheit zu gewährleisten, werden die Versuche mehrfach durchgeführt. Grundsätzlich erhält der beste Reifen die maximal mögliche Punktzahl, sowohl für die objektive Bewertung durch Messgeräte als auch die subjektive Benotung durch die spezialisierten Testfahrer, was etwa bei der Beurteilung des Komforts und des Handlings zum Tragen kommt. Beim Handling auf nasser oder trockener Bahn führt ein ausgewogenes, sicheres Fahrverhalten zu einer Optimalbenotung. Ungenügende Haftung oder ausgeprägte Lastwechselreaktionen im Grenzbereich ergeben einen Punktabzug. Die Aquaplaningtests geben Auskunft, wie sich die Reifen beispielsweise beim Durchfahren von Spurrillen oder in nassen Kurven verhalten. Der Rollwiderstand wird in zwei Testlabors auf Prüfständen ermittelt und entsprechend bewertet. Grundlage ist die auch fürs Reifenlabel relevante europäische Gesetzgebung. Zu guter Letzt fließt auch der Preis der Reifen in die Wertung mit ein.

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Autor

Foto

Dino Eisele

Datum

18. März 2015
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