Alles über Elektroautos im Praxistest
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Renault Fluence Z.E: Schwergewicht mit E-Motor

Renault hat mit dem Fluence eine Stufenheck-Limousine elektrifiziert. Sie bietet viel Platz, rollt umweltfreundlich als Servicefahrzeug in Flotten, ist etwas behäbig, aber gehört zu den günstigeren Elektro-Autos.

Renaults Fluence ist ein Schwergewicht unter den Elektro-Autos. Im Gegensatz zu anderen Herstellern haben die Franzosen zunächst keinen Kleinwagen mit Elektro-Motor ausgestattet, sondern eine Stufenheck-Limousine. Dieser könnte beispielsweise als Servicefahrzeug Dienst tun, zumal der Renault Fluence für weniger als 22.000 Euro billiger als manch elektrisierter Kleinwagen in die Flotte rollt. Allerdings kommen dann noch die Kosten für die Batterie dazu. Die gibt es nämlich nur im Leasing. Bei 10.000 Kilometer und einem Jahr Laufzeit verteuert das die Kosten nochmals um 85 Euro netto pro Monat.

Verlängerte Karosserie, damit Batterie Platz findet

Um aber die 250 Kilogramm schwere Batterie zwischen Rücksitz und Kofferraum zu verstauen, wurde die Karosserie um 13 Zentimeter gestreckt. So bringt der Wagen rund 1,6 Tonnen auf die Waage – und das macht sich sofort bemerkbar. „Auf Landstraßen oder Autobahnen wirkt der Wagen  etwas schwer und behäbig“, sagt Tim Ruhoff, Chef der Münchner Mobilitätsfirma Next Generation Mobility. Er und seine Mitarbeiter testeten den Wagen im Alltagsbetrieb rund um München. Beim Überholen jedenfalls habe der schwere Wagen auch im Stadtverkehr so seine Probleme, obwohl er nach dem Start sekundenschnell auf Tempo 50 beschleunigt hatte.

Rechenaufgaben fürs sichere Ankommen

Aber Spurts saugen bekanntlich schnell die Akkus leer, ebenso die Klimaanlage und Heizung. Also runter vom Gas und die Ruhe des Elektro-Motors sowie die ausgesprochen großzügigen Platzverhältnisse der Limousine genießen: Doch auch mit gemächlicherem Tempo um 80, 90 km/h sind die von Renault angegebenen 160 Kilometer pro Batterieladung nicht zu schaffen. Im Praxistest auf Münchner Straßen und im Umland musste der Franzose spätestens nach rund 120 Kilometer ans Netz.

Dabei stellt sich das Ausreizen der Energiekapazitäten auf der längeren Strecke als Zitterpartie und kniffligen Rechenaufgabe dar: „Kommen wir wieder zurück oder müssen wir S-Bahn fahren“, lautete die bange Frage. Denn die Rest-Reichweite gibt der Fluence auf dem Tacho nicht in Kilometern, sondern in 12,5-Prozent-Schritten an. Einem Ingeniör sind solche Zahlenspiele nicht zu schwör, der Autofahrer nimmt sie ihm aber krumm, gerade, wenn er laufen muss.

Batterie: Zusatzkosten für Leasing

Aus dem Innenleben gibt es vom Fluence nicht viel zu berichten: Er orientiert sich an seinem herkömmlichen Pendant mit Verbrenner. Die Anzeigen sind übersichtlich angeordnet, der Innenraum zweckmäßig, unauffällig gestaltet. „Der Fluence hat weder ein ansprechendes Design, noch bringt der E-Motor die Performance, die möglich ist“, meint Ruhoff.

Ungewöhnlich an dem Wagen ist eigentlich nur das Batteriekonzept: Die Lithium-Ionen-Akkus füllen sich zwar in etwa sechs Stunden an der Steckdose. Aber Renault zielt gar nicht auf Laden ab – in Zukunft sollen Besitzer an öffentlichen Wechselstationen einfach die Batterien austauschen. Doch diese Infrastruktur fehlt, und das von Better Place ausgedachte Konzept läuft schleppend bis gar nicht an.

Jedenfalls können Kunden den Fluence für knapp 26.000 Euro kaufen. Sieht aus wie ein Schnäppchenpreis für ein E-Auto, wenn nicht die Batterien extra dazu geleast werden müssten: für 984 Euro im Jahr und für eine Laufleistung von 10.000 Kilometer. Besonders zukunftsträchtig ist das nicht.

*) zuzüglich Batterie-Leasing: Bei 10.000 km/Jahr und 36 Monaten Nutzung: netto 69 Euro/Monat

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Renault

Datum

16. Oktober 2012
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