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Reportage Carsharing: Mit dem Mega E-City durch Düsseldorf

Was heißt hier Elektroautos sind im Kommen? Bei Drive-Carsharing kann man sie schon längst fahren – wir waren in Düsseldorf dabei.

Der November zeigt sich heute von seiner unangenehmsten Seite – nasskalte vier Grad, starker Wind. Im Parkhaus Carlsplatz in der Düsseldorfer Innenstadt zieht es wie Hechtsuppe. Fröstelnd kramt Jutta Au ihre Carsharing-Kundenkarte aus der Handtasche, hält sie vor das Lesegerät an der Frontscheibe. Klack, die Zentralverriegelung springt auf. So weit nichts Ungewöhnliches, Tausende von Carsharing-Nutzern gelangen täglich auf diese Weise an ihre gemieteten Fahrzeuge. Doch während diese gemeinhin VW Polo, Opel Corsa und Co. fahren, steigt Jutta Au in einen knallorangefarbenen Mega e-City.

Wie der Name schon erahnen lässt, tankt der knuffige Kleinwagen weder Diesel noch Benzin, sondern elektrischen Strom. Praktischerweise steht die Ladestation gleich neben dem Stellplatz. Für die beiden Elektroflitzer, die Drive in Düsseldorf einsetzt, haben die Stadtwerke im ersten Stock des Parkhauses einen Stromzapfpunkt aufgestellt. Im Gegensatz zu Energiekonzernen, die beim Thema Elektromobilität in erster Linie an das lukrative Geschäft denken, kommen die Ladepunkte ohne spezielle Autostecker aus. Ein Prinzip, das Drive-Carsharing-Geschäftsführer Andreas Allebrod verfolgt. "Unsere Autos können Sie daheim an jeder herkömmlichen Steckdose laden", erklärt er. Er will Elektromobilität für jeden zugänglich und auch bezahlbar machen.

Im Oktober 2009 hat das Solinger Carsharing-Unternehmen daher die ersten strombetriebenen Wagen in den Fuhrpark aufgenommen. Mittlerweile zählt die Flotte 25 Fahrzeuge in sechs Städten. Neben Düsseldorf können Drive-Kunden in Bochum, Köln, Braunschweig, Nürnberg und München völlig emissionslos durch die Innenstädte kurven. Und wenn Allebrod null CO2 sagt, meint er es auch so: Bei ihm kommt nur Ökostrom in die Batterie. Die ist beim Mega e-City zum Glück ganz voll – während die Stromer parken, hängen sie permanent an der Dose – und so kann Jutta Au guten Gewissens erst mal die Heizung einschalten. "Man muss sich daran gewöhnen, dass zusätzliche Stromabnehmer im Elektroauto eine geringere Reichweite bedeuten", sagt die Angestellte der Immobilienverwaltung Rayermann. Das Unternehmen hat keinen eigenen Fahrzeugpool, den Bedarf der Mitarbeiter an einem fahrbaren Untersatz deckt es über Carsharing ab.

Jutta Au, einerseits in der Buchhaltung tätig, andererseits betreut sie Immobilien, die über das gesamte Stadtgebiet verstreut liegen, fährt inzwischen ausschließlich elektrisch. "Beim ersten Mal war's schon komisch, so ganz ohne Motorengeräusch, aber man gewöhnt sich schnell dran." Auf Fußgänger müsse man besonders achten, schließlich hörten die einen nicht kommen. Dennoch fällt der orangene Elektro-Floh auf. Egal, ob an der Kreuzung oder am Zebrastreifen, die Leute bleiben stehen und gucken – ein weiteres Anliegen von Allebrod. Die Menschen sollen sehen, dass hier besondere Autos unterwegs sind. Der Drive-Chef hält nichts von Elektro-Derivaten herkömmlicher Modelle. Für die Stadt, wo Carsharing-Autos zu 90 Prozent zum Einsatz kommen, setzt er deshalb auf kleine leichte Fahrzeuge spezieller Hersteller. Der e-City von Mega beispielsweise misst gerade mal 2,96 Meter auf 1,49 Meter und bietet trotzdem Platz für vier. Gut, man muss sich schon mögen, belegt man alle Sitze. Aber zumindest wird es einem dann bei miesem November-Niesel schneller warm.

Anfreunden kann sich die Teilauto-Gemeinschaft auch schon mal mit dem grasgrünen SAM II, der bereits neben dem e-City in Parkhaus steht, im Moment aber nur probehalber durch Düsseldorf rollt. Auffallen jedenfalls dürfte dem Dreirad nicht schwerfallen. Den Mietern das Ein- und Aussteigen durch die Flügeltüren schon eher. Da gibt sich der Mega schon beinahe konventionell, auch wenn sich auf dem Weg zum Medienhafen so gar kein Fahrkomfort einstellen will. Vielleicht ist dem Auto ja auch kalt? Jedenfalls rüttelt und schüttelt und klappert das Vehikel dahin, man fühlt sich ein bisschen wie in einer Sightseeing-Bimmelbahn, welche die Altstadt abzuckelt.

Eine Stunde kostet 5,55 Euro plus fünf Cent pro gefahrenem Kilometer

Der Eintritt in die E-Carsharing-Welt kostet im Übrigen 5,55 Euro die Stunde plus fünf Cent Strompauschale pro Kilometer. "Unsere Kunden nutzen die Fahrzeuge durchschnittlich drei Stunden lang und fahren 25 Kilometer. Für einen herkömmlichen Polo fallen dafür 13,75 Euro an, der e-City schlägt mit 17,90 Euro zu Buche", rechnet Allebrod vor. Die Anschaffungskosten wollen eben amortisiert werden – der Mega kostet knapp 16.400 Euro. Zurzeit hat also auch bei Carsharing umweltbewusstes Fahren noch viel mit Enthusiasmus zu tun. Wobei Allebrod plant, den E-Tarif an die normalen Gebühren anzugleichen, die Mindereinnahmen dann über eine höhere Auslastung abzufangen.

Im Moment dreht ein Drive-Stromer drei- bis viermal pro Woche seine Runden durch Düsseldorf. Mit herkömmlichen Mietautos ist der Anbieter in 35 Städten vertreten – immer mehr Kommunen und Stadtwerke zeigen inzwischen Interesse, in Kooperation mit Drive der Bevölkerung Elektromobilität zur Verfügung zu stellen. "Mittlerweile klopfen verstärkt auch Autovermieter und -hersteller an", sagt Allebrod. Er bietet sein Konzept auch im Franchise an, wer also nur Know-how und Infrastruktur benötigt, kann nach der Implementierung durch Drive sozusagen unter eigener Flagge segeln.

Jutta Au steuert derweil den Heimathafen an. Die steile Parkhausauffahrt macht dem Mega zu schaffen – mit acht Kilowatt Motorleistung kann man eben keine Berge versetzen. Dafür aber vier Personen bis zu 60 Kilometer weit transportieren – allerdings nur dann, wenn die Heizung nicht läuft.   

Foto

Jacek Bilski

Datum

28. Dezember 2010
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