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Risk Management: Weniger Schäden mit Telematik

Telematik wird für die Schadenprävention immer wichtiger. Das macht sich auch bei den Prämien bemerkbar. Doch nicht alle Optionen sind für Flotten sinnvoll.

Telematiksysteme helfen die Schadenverhütung deutlich zu verbessern. Klar, dass hier die Versicherungen vorn mit dabei sind und mit neuen Systemen und entsprechenden Tarifen auf den Markt kommen. So wie die Itzehoer Versicherung mit ihrem Telematik-Tarif Secure-Business, speziell für Flotten ab zehn Einheiten. Das System bietet als Zusatzservice unter anderem eine Fahrtenbuchfunktion sowie Diebstahlschutz per GPS. In diesem Fall erhält der Kunde eine SMS, sobald das Auto den definierten Umkreis verlässt.

Solche Features wirken sich positiv auf die Schadenentwicklung aus. Da ist sich  Frank Thomsen, Vorstand der Itzehoer Versicherungen, sicher. Entsprechend winkt ein Nachlass von fünf bis 20 Prozent. Ähnliche Angebote für Flotten gibt es längst von der Zurich Versicherung und in Zusammenarbeit mit Daimler von der HDI Global.

Noch bieten die Systeme eine sehr unterschiedliche Servicetiefe. Allen ist jedoch gemein, dass sie das wichtige Schadenreporting digitalisieren und deutlich schneller machen. Flottenmanager können daher künftig in Echtzeit auf negative Entwicklungen reagieren. Wie wichtig das ist, zeigt ein Beispiel des Dienstleisters AFC AutoFleet Control. So werden gleiche Schadenarten, etwa bestimmte Kollisionen oder Diebstähle, systematisch analysiert.

Schnellere Schadenanalyse mithilfe von Telematiksystemen

"Oft liegen diesen Schäden kurzfristige Trends zugrunde, häufig geografisch oder auf bestimmte Fahrzeugtypen beschränkt", heißt es beim AFC. In einem konkreten Fall kam es in einem Berliner Stadtteil zu einer Häufung von ­Navi-Diebstählen. Innerhalb weniger Tage rüstet daher der Flottenbetreiber auf Anraten der AFC seine Fahrzeuge mit Alarmanlagen nach und verpflichtet zudem die in dieser Gegend wohnenden Mitarbeiter zum Parken in Garagen. So vermied das Unternehmen die nicht versicherten Nebenkosten und hielt gleichzeitig die Schadenquote konstant.

Sinkender Spritverbrauch, weniger Schäden und geringerer Verschleiß

Neben den Anschaffungskosten sind die Hauptkostentreiber einer Flotte Kraftstoff-verbrauch, Verschleiß und Schäden. "Durch den intelligenten und nachhaltigen Einsatz von Telematik können diese drei Kostenblöcke reduziert werden", so Dr. Edgar Puls, Vorstandsmitglied der HDI Global. Erfolgreich ist hier bereits die Zurich Versicherung, die ihren Kunden seit 2012 ab einer Fuhrparkgröße von 50 Fahrzeugen das System "Fleet Intelligence" anbietet. Das Einsparungspotenzial sei gewaltig. Die gezielte Förderung einer vorausschauenden und defensiven Fahrweise bewirkt, dass die Betriebskosten um bis zu zehn Prozent sinken.

"Zudem bietet das System den Fahrern jederzeit Einblick in ihre persönliche Auswertung und motiviert sie so, ihre eigene Fahrleistung zu verbessern", meint Zurich-Sprecher Bernd Engelien. "Über unsere individuell erstellten Trainings- und Schulungsbausteine zu Fahrverhalten und Verkehrssicherheit lässt sich die Zahl der Unfälle nachweislich um bis zu 20 Prozent reduzieren."

Eine 100-prozentige Mobilität bietet auch das Online-Schadenmanagement des Versicherungsmaklers Aktiv Assekuranz. "Damit können die Unternehmen entscheiden, ob sie aktiv an der Bestandsverwaltung ihres Fuhrparks und der Schäden mitarbeiten wollen", sagt Geschäftsführer Winfried Nibus. Dargestellt würden die Ersterfassung der Schäden, Zahlungsflüsse und jegliche Kommunikation zu Kunden, Versicherern, Werkstätten, Sachverständigen, Mietwagen und Leasinggesellschaften. Fast alle großen Versicherungsmakler von Marsh über Aon bis hin zu Oskar Schunck und der Funk-Gruppe haben ähnliche Online-Reportings-Systeme entwickelt.

Natürlich besteht die Möglichkeit, einen ähnlichen Service über Dienstleister oder Leasinganbieter zu erhalten. Sinnvoll ist das aber nur, wenn die Flottenverantwortlichen zeitnah und aktiv auf Veränderungen reagieren. "Weniger Schäden bedeuten weniger Selbstbeteiligung und geringere indirekte Kosten", sagt Versicherungsmakler Carlos Reiss von Hoesch & Partner.

GPS-Überwachung kann mit Fürsorgepflicht begründet werden

Unternehmen, die ein Telematiksystem nicht nur zur Schadenanalyse, sondern auch zur Schadenabwehr nutzen wollen, müssen die GPS-Überwachung ihrer Fahrer mit dem Betriebsrat absprechen und transparent darlegen. "Auf gar keinen Fall darf eine solche Überwachung heimlich passieren", warnt Heiko Granzin, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Strafrecht. Die Mitarbeiter müssen in jedem Fall informiert werden.

Einen Hinderungsgrund zur Einführung einer solchen Kontrolle gebe es aus rechtlicher Sicht nicht. Sie gelte als Arbeitszeitenkontrolle und könne somit als praktische Ausübung des Gesetzes und der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers zur Verhinderung von Pflichtverletzungen begründet werden. Bei der Abwägung zwischen Datenschutz und Kosten sollte man zudem im Auge haben, dass Fahrer- und Fahrzeugausfall oft deutlich höher zu Buche schlagen als die Entschädigung durch die Versicherung. Das gilt beispielsweise, weil eine wichtige Ware nicht ans Ziel gebracht werden kann oder wertvolles Know-how verloren geht, weil der Fahrer ins Krankenhaus muss.

Zwar bieten die Hersteller für die meisten Modelle eine umfangreiche Auswahl an Fahrsicherheitssystemen wie Tempomat, Notbrems-, Toter-Winkel- und Park­assis­ten­ten. Trotzdem wirkt die Sicherheitstechnik oft nur wie ein Tropfen auf einem heißen Stein. Laut einer Daimler-Studie gehen rund 94 Prozent aller Schäden auf menschliches Fehlverhalten zurück. Die Suche nach Problemfahrern und ihre Schulung, etwa durch Fahr­sicher­heits­trainings, gehört daher zu einer kontinuierlichen Risikoanalyse. Als wirksame Motivationshilfe gilt es noch immer, Unfallfreiheit mit einem jährlichen Bonus zu belohnen.

Autor

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Volvo

Datum

15. September 2016
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