Alles über Schadenmanagement/Unfallabwicklung
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Schadengutachter: Praxiswissen ist das A und O

Ohne Schadengutachter kommen Flotten, Leasinggeber und Versicherungen nicht aus. Umso wichtiger ist, dass sie bestens geschult sind. Ein Blick hinter die Kulissen bei Dekra.

Jedes Jahr erstellt Dekra rund 600.000 Schadengutachtenprodukte. Im Haus geht man davon aus, dass jedes vierte Gutachten in Deutschland von Dekra erstellt wird. Dabei steigen die Anforderungen an die Gutachter von Tag zu Tag, denn die Fahrzeuge werden unter anderem durch die zahlreichen Assistenzsysteme an Bord immer komplexer. Schon deshalb ist es für Gutachter unabdingbar, sich regelmäßig fortzubilden. Schließlich erstellen sie Wertgutachten, kalkulieren Reparaturkosten und ermitteln Schadenshöhe und Wiederbeschaffungswert. Kurz: Sie tragen eine enorme Verantwortung.

Ohne umfangreiches theoretisches und praktisches Wissen ist das nur schwer möglich. Dieses Rüstzeug wünschen sich selbstverständlich auch ihre Kunden wie Vermieter und Lea­sing­gesell­schaf­ten (siehe Interview), Flottenmanager und Versicherungen. »Wir bemängeln schon seit Längerem, dass viele Kfz-Sachverständige nicht ausreichend qualifiziert sind«, erklärt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV. Der Gesetzgeber habe es versäumt, die Zugangsvoraus-setzungen für Kfz-Sachverständige zu regeln. "Um Kfz-Gutachten auf eine seriöse Grundlage zu stellen, sollte der Gesetzgeber eine Berufs- und eine Honorarordnung für Sachverständige einführen", verlangt Suliak.

Neues Ausbildungszentrum für Gutachter setzt Maßstäbe

Dekra setzt hohe Anforderungen an die Ausbildung ihrer Schadengutachter. In Altensteig im Schwarzwald wurde jetzt ein neues Schulungszentrum eingeweiht, ausgestattet mit modernster Technik. Im Bereich Technik und Schadenaufnahme gibt es beispielsweise drei Hebebühnen und eine Einrichtung zur Fahrwerksvermessung. "Hier soll vor allem neben der Schadenaufnahme und Kalkulation aktuelle Fahrzeugtechnik am Objekt geschult werden", sagt Guido Kutschera, Geschäftsführer von Dekra Automobil.

"Jede Woche bekommen wir zwei bis drei verunfallte Fahrzeuge", sagt Ausbilder Fritz Mast. Meist Neuwagen, die gespickt sind mit modernster Technik und zahlreichen Assistenzsystemen. "Bei so ausgestatteten Fahrzeugen werden sich die Unfallschaden-gutachten zwangsläufig verändern müssen", sagt Kutschera. Folglich müsse auch in eine komplexe Ausbildung investiert werden. Eine Wochenend-Ausbildung zum Schadengutachter, womöglich per Fernkurs oder am Flipchart, reiche da nicht.

Auch Zweirad-Knowhow wird vermittelt. An einer Hebebühne für Motorräder können Schäden vermessen und diagnostiziert werden, bevorzugt an verunfallten Motor­rädern. Eine Halle ist außerdem der Praxisausbildung im Nutzfahrzeug­bereich gewidmet. Die angehenden Schadengutachter untersuchen ebenfalls Fahrzeuge mit Hagelschäden in einem speziellen, von Neonlicht durchfluteten Zelt. Dank gestreifter Farbgebung lassen sich selbst kleinste Hageldellen erkennen und bewerten.

Schulung zu Lacke und Farben

Außerdem gibt es eine Karosserie-Abteilung mit zwei modernen Richt- und Messsystemen. Und im separaten Lackierbereich geht es sehr praktisch zu. Die angehenden Schadengutachter erfahren dort alles Wichtige zum Anmischen und zur Farbtongebung. "Wir können hier in Altensteig unseren Gutachtern zeigen, was technisch möglich ist, wenn fachgerecht instand gesetzt wird", schwärmt Ausbilder Fritz Mast.

Michael Weigand, Senior Director Maintenance & Reconditioning der Sixt Autovermietung in Groß-Gerau, konnte sich das Schulungszentrum schon vor der offiziellen Eröffnung anschauen. Gemeinsam mit den Leitern der Sixt-Reparaturzentren war er vor Ort. Und er war positiv überrascht von den Möglichkeiten, die sich dort bieten. Obwohl er und seine Mitarbeiter ausgebuffte Spezialisten für Fahrzeug- und Reparaturmängel sind.

Vor allem von der Lackierbox war Weigand begeistert. "Es ist eben doch nicht immer nötig, gleich das ganze Fahrzeug neu zu lackieren, um Mängel auszugleichen", so der Schaden-Experte. Für ihn steht daher fest, dass Smart Repair möglich ist und nicht immer alles komplett ersetzt werden muss. "Sachverstand ist prima, wenn er denn ergänzt wird durch Praxis-Knowhow." Das Wissen will Dekra übrigens nicht nur den eigenen Leuten vermitteln. In lehr­gangs­armen Zeiten öffnet die Sachverständigenorganisation ihr Bildungszentrum auch für ihre Kunden. "Wir bieten die Kurse für Versicherungs-sachverständige oder auch für Flottenmanager an", sagt Aus- und Weiterbildungsleiter Peter Herget.

Dekra beschäftigt mittlerweile mehr als 2.700 Schadengutachter bundesweit. Pro Jahr werden zwischen 120 und 130 Gutachter neu ausgebildet. Meist sind es Dekra-Prüf­inge­ni­eure, die sich weiterbilden. Oft schlagen aber auch Kfz-Meister diesen Weg ein. Allerdings müssen sie die Schulbank etwas länger drücken als gestandene Prüfingenieure. Und mit bestandener Prüfung sind die Lehrjahre für keinen Gutachter zu Ende, den sie müssen sich regelmäßig fortbilden

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

21. November 2016
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