Thomas A. Emmert, Sixt Mobility Consulting Zoom

Sixt-Geschäftsführer im Interview: Neue Technologien verändern den Markt

Thomas Emmert, Geschäftsführer der Sixt Mobilty Consulting, über technische Entwicklungen, ihre möglichen Folgen und die Potenziale innerhalb des Sixt-Konzerns. 

Herr Emmert, Sie sind seit zwei Jahren Geschäftsführer der Sixt Mobility Consulting. Welche Bereiche haben Sie vorangetrieben?

Thomas Emmert: Ich bin von Haus aus Kaufmann und Informatiker – und bei Sixt in einem sehr technikaffinen Unternehmen tätig. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, das Fuhrparkmanagement technisch und prozessual weiterzuentwickeln. Wir haben unter anderem sehr viel Wert auf papierlose Prozessautomatisierung gelegt. So konnten wir beispielsweise unseren Bestell- und Ausschreibungsprozess optimieren. Also haben wir viele Innovationen im Backoffice auf den Weg gebracht, um sicherzustellen, dass wir extrem zuverlässig arbeiten können und die entsprechende Transparenz zur Verfügung stellen.

Wie profitieren die Kunden von den technischen Entwicklungen?

Hier hat sich eine Menge getan. Aktuelle Beispiele sind etwa das Thema Global Reporting, eine Fahrtenbuch-App oder unser Multibid-Konfigurator. Die Sixt Mobility Consulting hat sich nach dem Start 2011 vom Start-up-Unternehmen zum etablierten Mobilitätsanbieter gewandelt. Das heißt konkret: Wir haben Strukturen und Prozesse geschaffen, um insbesondere komplexe Großflotten zu managen und alle uns übertragenen ­Aufgaben zuverlässig und proaktiv zu erfüllen.

Welche Rolle spielt hierbei die Sixt ­Leasing und die Sixt Autovermietung?

Sixt ist gewissermaßen in unseren Genen. Immerhin betreibt der Sixt-Konzern ­einen der größten Fuhrparks Europas und hat über Jahrzehnte seine Prozesse optimiert. Auf Basis dieses Know-hows  haben wir die Sixt Mobility Consulting gegründet, um es am Markt auch für Kauffuhrparks oder von Dritten geleaste Flotten anzubieten. Mit der Maßgabe, dass wir die Möglichkeiten bieten, die einzelnen Services sehr individuell an den Kunden anzupassen.

Wie sieht das im Detail aus?

Im Hause Sixt gibt es zahlreiche Expertenteams zu unterschiedlichsten Mobilitätsthemen. Etwa zu den Bereichen Einkauf, Schadenmanagement, Rechnungskontrolle, Werkstattfreigaben, Strafzettelmanagement oder auch die Assistance-Hotline. Das ist für Flottenbetreiber extrem wertvoll.

Die Anforderungen des Fuhrparks sind komplex und verlangen individuelle Lösungen. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?

Wer zum Beispiel eine Serviceflotte unterhält, hat andere Anforderungen als ein Unternehmen mit vielen User-Chooser-Fahrzeugen. Aufgrund der Möglichkeiten, die Sixt bietet, können wir ganz anders am Markt agieren und eigene Full-Service-Dienstleistungen anbieten. Wir besitzen eigene Ressourcen und IT-Systeme und können deshalb viel intensiver und umfassender auf Kunden eingehen. Daher umfasst unser Portfolio alle Arten von Fuhrparks – vom Kauffuhrpark bis hin zum Leasingfuhrpark mit klassischem Multibidding. Übrigens: Dort ist die Sixt Leasing nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden dabei.

Travel und Fleet verschmelzen immer mehr. Hat das die Nachfrage bereits verändert?

Wir sind Mobilitätsanbieter und unter der Marke Sixt stehen dem Kunden alle Möglichkeiten offen. Angefangen mit der Sixt unlimited-Flatrate für Mietwagen über die Möglichkeit, unterschiedliche Dienstwagen unterschiedlicher Fahrzeugsegmente zu nutzen, bis hin zum Carsharing DriveNow oder dem der ­Taxi-Alternative myDriver. Doch erleben wir, dass viele Firmen ihre Car Policy in diese Richtung nicht unbedingt öffnen wollen. Das wird zwar öffentlich diskutiert, doch flexible Car Policys und die sogenannte Share Economy sind derzeit eher bei jüngeren Leuten im Trend, nicht bei den Entscheidungsträgern.

Wie wird sich die Branche verändern, wenn das Fuhrparkmanagement auf Telematikdaten der Autos zugreifen kann?

Der Dienstwagen ist immer noch ein sehr emotionales Thema. Dennoch gehört er zu den am schlechtesten genutzten Investitionen in Unternehmen. Im Schnitt sind Dienstwagen nur ein bis zwei Prozent ihrer Laufzeit wirklich in Bewegung. Das könnte sich in sechs bis zehn Jahren grundlegend ändern: So unterstützen neue Systeme den Betrieb von Fahrzeugpools. Etwa, indem Fahrer die Fahr­-zeuge bequem übers Intranet buchen und per Handy öffnen können. Die Führerscheinprüfung erfolgt per App, außerdem kann der Fuhrparkleiter erkennen, ob getankt wurde oder in welchem Zustand sich das Auto befindet. Die Möglichkeiten, solche Prozesse einzubinden und Fahrzeuge flexibler einzusetzen, sind durch neue Technologien deutlich größer geworden.

Telematik und Datenschutz stehen scheinbar im Widerspruch. Wie stehen Sie dazu?

Wir beobachten dieses Thema sehr genau. So war es uns bei unserer neuen Fahrtenbuch-App sehr wichtig, dass die generierten Daten nur für die Fahrer zugänglich sind. Bei der Nutzung von Telematikdaten geht es im Prinzip darum, die Vorteile der Telematik wie Fahrzeug­sicherheit, Hilfe bei Unfällen oder Kos­tentransparenz zu nutzen. Doch es muss immer einen Konsens innerhalb des ­Unternehmens, der auf einer Win-win-Situation beruht, geben.

Das Wachstum der Flotten scheint ungebremst. Geht das so weiter?

Wir gehen davon aus, dass sich der Markt weiterhin positiv entwickeln wird. In Deutschland herrscht in vielen Teilen Vollbeschäftigung und der Firmenwagen wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Im positiven Fall geht ein Unternehmen in Richtung Outsourcing des Fuhrparkmanagements, um sich auf die Kerngeschäfte zu fokussieren. Sollte es dagegen wirtschaftlich bergab gehen, können wir Fuhrparkmanager bei der Kostensenkung unterstützen. Sie sehen, externes Fuhrparkmanagement ist relativ konjunkturunabhängig

Zum Unternehmen: Sixt Mobility Consulting

Die Sixt Mobility Consulting ist eine Tochtergesellschaft der Sixt AG und verantwortet den Geschäftsbereich Flottenmanagement. Sie steuert Fuhrparks ab 200 Fahrzeugen von Kunden unterschiedlicher Branchen und Größen. Zudem verknüpft sie das Flottenmanagement mit einer individuellen und markenunabhängigen Beratung. Ziel ist, klar messbare Optimierungen bei Prozessen und Kosten zu realisieren.

Zur Person: Thomas A. Emmert

Thomas A. Emmert (47), Geschäftsführer der Sixt Mobility Consulting, ist diplomierter Kaufmann und Informatiker. Zuvor war er als operativer Geschäftsführer bei Fleet Logistics International BV, einer Gesellschaft der TÜV Süd-Gruppe, sowie in verantwortlichen Positionen bei mehreren Unternehmens­beratungen tätig.

Autor

Foto

Nicole Holzer

Datum

22. Dezember 2015
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