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Schadenverhütung: So optimieren Sie Ihr Risk-Management

Schadenverhütung gilt als Synonym für viel Aufwand. Es geht aber auch mit wenig – und das macht sich schnell bezahlt.

"Schon ein einzelner teurer Schaden kann die sogenannte Schadenquote, also das Verhältnis von Nettoprämie zum Schadenaufwand, vollkommen verhageln", warnt Versicherunsgexperte Ralph Moser.Das hat in der Zukunft gravierende Folgen. "Die großen Flottenversicherer werden ihren Sanierungskurs nicht mehr stoppen", schätzt Sven Erichsen, Vorstand beim Verband der Deutschen Versicherungsmakler (VDVM). Folglich wird die Kfz-Versicherung künftig deutlich teurer. Schadenverhütung würde sich dann kaum mehr lohnen.

Ohne Reporting geht nichts

Dabei gehören Flottenversicherung und Schadenverhütung untrennbar zusammen. Ganz wichtig: Die Flottenmanager müssten die Art der Schäden genau kennen. Doch eben ein solches Schaden-Reporting lohnt für kleine Flotten unter 50 Fahrzeuge kaum. "Auf den Versicherer ist kein Verlass, der macht keine Tiefenanalyse", warnt Moser. Bei Kleinflotten könnte es daher hilfreich sein, die Fahrzeuge einzeln am Markt zu versichern. "Manchmal gibt es dann noch einen besonderen Schadenfreiheitsrabatt oder Mehrleistungen", so der Experte.

Viel mehr Freiheiten haben größere Flottenkunden – wenn seit Jahren vom Versicherungsmakler oder einem Berater ein umfassendes Schaden-Reporting durchgeführt wurde. "Die großen Vorteile erkennen wir erst jetzt", sagt Oliver Girr, Geschäftsführer von Girr Logistik. Grund: Erst nach einem Maklerwechsel Anfang 2011 erhielt das Logistikunternehmen aus Königsbrunn eine besondere Schadensoftware. "Das ist eine Eigenentwicklung, die automatisch eine umfassende Dokumentation der Schäden ermöglicht", erläutert Helmut Haderecker von der Aktiv Assekuranz Makler aus München. Das System arbeitet zudem kostensparend vollkommen papierlos. "Wir erkennen nun tatsächlich ganz schnell, wenn plötzlich ein Fahrerteam oder eine bestimmte Route besonders schadenträchtig wird, und können so sofort und direkt gegensteuern", freut sich der Geschäftsführer.

Die Stopp-Loss-Variante kann sich rechnen

Eine ganz andere Art von Schadenverhütung betreibt seit diesem Jahr ein Handelsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Jeder Euro, der nicht für einen Schaden bezahlt werden musste, kommt dem Unternehmen direkt zugute. Hintergrund ist ein Stopp-Loss-Rahmenvertrag, den Versicherungsberater Andreas Kutschera aus Mönchengladbach für die rund 500 Fahrzeuge umfassende Handelsflotte entwickelt hat. Bisher waren die Fahrzeuge mit Stückprämien versichert, das heißt, dass Lastwagen deutlich mehr Prämie kosteten als Autos. "Gerade in der aktuellen Situation, wenn der Markt härter wird, sollte man einer Sanierung seitens der Versicherungen zuvorkommen", meint der Versicherungsexperte, der grundsätzlich Unternehmen nur auf Honorarbasis berät.

An einem Musterbeispiel rechnet er die Stopp-Loss-Variante vor. Das Unternehmen "X" hat in den letzten Jahren Schäden in Höhe von 100.000 Euro gehabt. Der Versicherungsbeitrag lag nur bei 80.000 Euro. Eine Sanierung dürfte unausweichlich sein. Stattdessen wird das Unternehmen künftig seine gesamten Kaskoschäden bis zu einer Höhe von 100.000 Euro selbst tragen. Für das Restrisiko verlangt die Assekuranz lediglich 20.000 Euro. "Damit spart das Unternehmen immer noch 30.000 Euro pro Jahr, denn die neue Prämie – bei vollem Kaskoschutz – hätte 150.000 Euro betragen", erläutert Kutschera.

Wie erklär ich's der Belegschaft? Sanktionen vs. Incentivierung

"Trennen sie interne und externe Kommunikation", empfiehlt der Berater allen Flottenmanagern und Geschäftsführern. So könne die Inhouse-Botschaft heißen: Wir haben keine Kaskoversicherung mehr – egal ob extern mit dem Versicherer eine Stopp-Loss-Police oder eine umfangreiche All-Gefahren-Deckung vereinbart worden sei. Damit würden künftig Kaskoschäden der Kostenstelle im Haus belastet, deren Fahrer dafür verantwortlich sind. Hohe Kosten könnten für die gesamte Abteilung mit negativen Sanktionen wie beispielsweise einer Streichung des Betriebsfeierzuschusses belegt werden. In der Regel gingen die Schäden mit der Verbreitung der "Versicherungslosigkeit" deutlich zurück.

Wirksam ist nach Meinung von Experten auch ein öffentliches Anreizsystem. So kann die Schadenhöhe bei Dienstwagenfahrern über das nächste Modell entscheiden. Wer eine bestimmte Schadenfrequenz überschreitet, erhält künftig statt des VW Passat einen Polo oder statt einer gut ausgestatteten Mercedes E-Klasse eine magere C-Klasse. "Flottenmanager werden sich schnell wundern, welche immensen Erfolge sie in Sachen Schadenverhütung erzielen, wenn diese Regelung sauber angekündigt und konsequent an mindestens einem Fall durchgezogen wird", sagt Kutschera.

Fehler werden anderen helfen

Einen anderen Weg hat der Versicherungsmakler Martens & Prahl aus Hamburg seinen Kunden aufgezeigt. Hier betreibt jede Niederlassung ihr eigenes Schadenmanagement. "Wir berichten nun regelmäßig über die Entwicklung und die aktuelle Rentabilitätsübersicht", erläutert Spezialistin Annekatrin Winkler. In einer genauen Übersicht gibt es Auswertungen über Fahrzeuge, Fahrer und Hinweise zu Häufungen bestimmter Schadenursachen wie Einpark- oder Rangierschäden. Ganz wichtig: Der Makler beobachtet, wie die einzelnen Niederlassungen Schäden zu vermeiden suchen. Und tauscht dann Erfahrungen aus. "Als positiv und nachhaltig hat sich stets der fördernde und belohnende Weg herausgestellt", sagt Maklerin Winkler.

Fahrerschulungen in Verbindung mit einem Belohnungssystem würden sich nur kurzfristig positiv auswirken. So sei im letzten Jahr die rückwirkende Einmalzahlung des Versicherers wegen einer guten Schadenquote komplett unter den Mitarbeitern, die schadenfrei fuhren, aufgeteilt worden. Der Effekt: Die Unfallzahlen sanken erneut. "60 Prozent aller Schäden können verhindert werden", verspricht Klaus-Jürgen Hohmann, Inhaber der Hohmann Consulting aus Hilders bei Fulda. Nach der Analyse des Unternehmens entwickelt der Berater ein unternehmensindividuelles Schadenminimierungsmodell. "Das funktioniert natürlich nur, wenn das Unternehmen bereit ist, mit Geld und vor allem mit einiger Zeit in Vorleistung zu gehen", so Hohmann.

Leider wirken Schadenverhütungsmaßnahmen in aller Regel nicht direkt. Sie müssten gerade in der Anfangsphase regelmäßig überprüft werden, um eine Fehlsteuerung zu verhindern. "Für Lkw- und Pkw-Fahrzeugführer haben wir Seminare entwickelt, bei denen die Trainer aus der Praxis kommen", so Hohmann. "Weniger Schäden bedeuten weniger Selbstbeteiligung und geringere indirekte Kosten", sagt Versicherungsmakler Oliver Mack von Hoesch & Partner. Ein Beispiel: So müssten 30.000 Euro gesparter Aufwand durch 1.000.000 Euro Mehrumsatz finanziert werden – setzt man eine dreiprozentige Umsatzrendite voraus. Neben Schulungen und Motivationshilfen wie einen Bonus für Unfallfreiheit gibt es viele technische Hilfsmittel von Einparkwarnern über die intelligente Bremse und den Fahrtenschreiber bis hin zu Rückfahrkameras, die im Fahrzeug zur Schadenverhütung eingesetzt werden können.

Klare Regeln

Jedes Unternehmen sollte ein firmenspezifisches System entwickeln, das vorschreibt, was nach einem Unfall zu geschehen hat.

1. Fahrer

  • Unfallmeldung
  • Ausführlicher Unfallbericht

2. Fuhrparkleiter

  • Vorgesetztengespräch
  • Feststellen von Vermeidbarkeit oder
  • Unvermeidbarkeit des Unfalls
  • Führen einer Fahrerkarte
  • Festhalten der Unfallursache

3. Geschäftsleitung

  • Monatliche und jährliche Gesamtschadenstatistik
  • Registrieren der Ausfallzeiten
  • Anordnen von Abhilfemaßnahmen

Checkliste Schadenverhütung

  1. Analyse: erkennen und bewerten von Risiken
  2. Risiken aufteilen: vermeiden, vermindern, überwälzen oder selbst tragen
  3. Teamwork: Riskmanagement funktioniert nur, wenn alle Bereiche einbezogen werden, also Geschäftsleitung, Personal, Fuhrparkleiter, Fahrer und die Disposition
  4. Transparente Kommunikation: Die neu entwickelte Risikopolitik des Unternehmens muss klar kommuniziert werden
  5. Überwachung: Es muss ein System der Risiko-Überwachung installiert werden, Controlling und Soll-Ist-Abgleich
  6. Technik verbessern: Fahrzeugauswahl, Fahrzeugausstattung, Fahrzeugeinsatz
  7. Organisation verbessern: klare Sicherheitsphilosophie und Datenmanagement

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Datum

2. Dezember 2011
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