Stau, Staudienste Zoom

Staudienste: Jetzt taugen sie was

Beim Thema Stauumfahrung sahen Navis bislang alt aus. Doch dank Online-Anbindung tut sich endlich etwas. Ein Praxis-Check.

Freitagnachmittag in Stuttgart: Auf den Durchgangsstraßen quält sich der Verkehr in Schrittgeschwindigkeit, vor Ampeln strapazieren lange Schlangen die Geduld der Autofahrer. Ausnahmsweise mal ein Grund zur Freude, denn einen besseren Zeitpunkt zum Test von Staudiensten gibt es gar nicht.

Die Aufgabe für vier Navigationssysteme lautet dabei gleich: Es gilt, möglichst viele Verkehrsbehinderungen zu erkennen und exakt auf dem Navi-Monitor darzustellen. Denn was bringt der beste Routenführer, wenn er blind für das reale Verkehrsgeschehen ist und den Fahrer schnurstracks in den nächsten Stau schickt?

Den Auftakt macht das gute alte TMC (Traffic Message Channel), wie es häufig in portablen Navigationssystemen der unteren Preisklasse, aber auch noch in einigen Ab-Werk-Systemen vorkommt. Bei TMC werden Verkehrsmeldungen über UKW mitgesendet und von Navis empfangen.

TMC innerorts fast unbrauchbar

Da die Behinderungen umständlich von Polizei, ADAC und Verkehrsleitzentralen gemeldet werden müssen, haben sich Staus oft schon längst aufgelöst, bis sie auf dem Navi-Monitor erscheinen. Zudem werden überwiegend Autobahnen und Schnellstraßen erfasst, während TMC innerorts nahezu unbrauchbar ist.

Tatsächlich ignorierte unser Saugnapf-Navi mit TMC den dicken Stau auf der durch Stuttgart führenden B 14. Selbst eine halbe Stunde, nachdem die Behinderung von den schnellsten Systemen angezeigt wurde, meldete es noch freie Fahrt. Ein Irrtum.

Auch die Staulage am Stuttgarter Autobahnkreuz erfasste TMC nur unvollständig – für eine sinnvolle Routenführung ist es daher ungeeignet. Schon besser fährt man mit TMC Pro, auch Navteq Traffic genannt, das sich heute in vielen Infotainmentsystemen ab Werk befindet.

TMC Pro verzichtet weitgehend auf menschliche Staumelder

Für TMC Pro wird zugunsten automatisch erfasster Verkehrsdaten weitgehend auf menschliche Staumelder verzichtet. Vielmehr erkennen Tausende in den Asphalt eingelassene Induktionsschleifen, an Brücken angebrachte Sensoren und in Flottenfahrzeugen installierte Messsysteme Behinderungen automatisch und schnell.

Darüber hinaus werden innerstädtische Hauptstraßen erfasst. Als Flaschenhals bleibt jedoch die Übertragung via UKW. Auch wenn TMC Pro mit einer etwas höheren Bandbreite sendet als das alte TMC, dauerte es bei unserem Test eine knappe halbe Stunde, bis die verstopfte Innenstadt verkündet wurde – zu spät für eine sinnvolle Routenplanung.

Zügiger meldete es immerhin die Autobahnstaus. Wie gut Verkehrserfassung heute sein kann, wurde beim Umstieg auf die beiden Online-Geräte sichtbar. Nicht nur, dass Veränderungen des Fahrzeugaufkommens binnen weniger Minuten durchgereicht wurden, durch die hohe Datenrate mobiler Internet-Anschlüsse ist ein wesentlich feineres Streckenraster möglich: So unterteilt RTTI (Real Time Traffic Information) von BMW Straßen in 500 Meter kurze Abschnitte, deren Verkehrsdichte mehrfarbig von Grün (frei) über Gelb und Orange bis Rot (Stau) dargestellt wird.

Handys helfen bei der Stauprognose

Doch woher wissen die Geräte so genau, wo es gerade klemmt? Neben Sensordaten und Flottenfahrzeugen machen sich Online-Systeme, wie sie auch von Audi und Renault angeboten werden, anonymisierte Bewegungsprofile von Handys zunutze, die im Auto mitgeführt werden.

Millionen Stausensoren zeichnen so unbemerkt und in Echtzeit ein exaktes Bild des Verkehrsgeschehens, das sogar innerörtliche Nebenstraßen enthält. Kein Wunder, dass das BMW-System bei unserem Test sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn nahezu verzögerungsfrei im Bilde war.

Wer in den Genuss der cleveren Staumelder kommen möchte, muss nicht einmal ein neues Auto kaufen: Vielmehr wurde die Technik 2008 von Tom Tom (HD-Traffic) eingeführt und lässt sich inzwischen in ähnlicher Form von portablen Routenführern verschiedener Hersteller nutzen.

Allerdings fallen meist zusätzliche Gebühren an. Doch es geht auch gratis: Wer ein Smartphone mit Google-Maps-Funktion und Datenflatrate besitzt, kann sich via Google-Traffic ein präzises Bild der aktuellen Verkehrsströme auf sein Handy-Display laden.

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Kostenlos herunterladen Wie haben die Staumelder abgeschnitten? (PDF)

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Datum

1. Mai 2011
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