Alles über Autonomes Fahren
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Foto: Goodyear

Studie zum autonomen Fahren

Will der Verbraucher das selbst fahrende Auto?

Die Technik ist nur ein Aspekt des autonomen Fahrens. Jetzt hat Goodyear 12.000 Autofahrer gefragt, was sie von der Sache halten. Mit verblüffenden Ergebnissen.

Die ganze Automobilbranche, so scheint es, dreht sich nur noch um ein Thema: Autonomes Fahren. Und es sind nicht nur die Hersteller selbst, die ihre Fahrzeuge endlich das Selberfahren lehren wollen, auch immer mehr Zulieferer beschäftigen sich mit dem Thema. Erst jüngst hatte Delphi auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas seine Vision von „autonomen Plattformen“ vorgestellt, aus denen die Autobauer wählen könnten. Auch Reifenhersteller Goodyear macht sich seine Gedanken dazu und will natürlich wissen, welche Pneus ein selbstfahrendes Auto einmal brauchen wird. Schließlich sind die Gummis auch zukünftig der einzige Kontakt zur Fahrbahn und könnten wertvolle Informationen über den Straßenzustand liefern. Mit seiner aktuellen Studie ThinkGoodMobility (TMG) haben die Gummimischer sich jetzt aber erst einmal beim Volk umgehört und die entscheidende Frage gestellt: Was hält eigentlich Otto Normalverbraucher vom autonomen Auto?

Dass das autonome Fahren mehr als eine Ingenieursleistung ist, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Neben der technischen Umsetzung gibt es politische und rechtliche Baustellen zu bearbeiten und natürlich auch Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben zu beachten. "Ich rate niemanden mehr, einen Taxi-Schein zu machen", so der hinzugezogene Experte Dr. Nickel von der Dräxlmaier Group, die sich als Zulieferer für Bordelektronik natürlich auch mit dem Thema autonomes Fahren beschäftigt. Seine Theorie: Wenn mich mein Auto in Zukunft überall hinfahren oder abholen kann, ist man auf den Fahrdienst mit den elfenbeinfarbenen Kutschen kaum mehr angewiesen.

Können Maschinen mit Menschen interagieren?

Allerdings stehen viele Teilnehmer der TMG-Studie, für die circa 12.000 Personen in elf europäischen Ländern befragt wurden, dem autonomen Auto skeptisch gegenüber. Knapp zwei Drittel bezweifeln, dass Maschinen mit Menschen interagieren könnten, da ihnen der Verstand fehle. Dabei ist diese Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern unerlässlich. Schließlich gibt es über die StVO hinaus zahlreiche Regelungen und Absprachen, die Autofahrer heute per Handzeichen, Blickkontakt oder einfaches Beobachten der anderen Lenker treffen beziehungsweise befolgen und die großen Einfluss auf den Verkehr haben. Damit sich das selbstfahrende Auto durchsetzen kann, muss es also erst einmal beweisen, dass es in der Lage ist, im sozialen Umfeld der Straße seinen Platz kompetent zu verhandeln. Wie das aussehen könnte, hat Mercedes kürzlich mit intelligenten Scheinwerfern demonstriert, die zum Beispiel Pfeile auf die Straße projizieren können.

Beeinflusst wird die Entwicklung des autonomen Fahrens aber auch von weiteren Faktoren. Ein wichtiger Treiber ist die Aufgeschlossenheit für neue Technologien, der Spaß am Fahren dagegen bremst eher. Hier haben die deutschen Teilnehmer der TMG-Studie eine klare Sprache gesprochen: Geht es darum, wie offen wir neuen Techniken gegenüber sind, nimmt die deutsche Gruppe den letzten Platz ein. Ganz vorne liegen die Italiener. In Sachen Fahrspaß dagegen landen wir auf Platz eins: 64 Prozent genießen es, selbst ins Steuer zu greifen und sogar 79 Prozent sind der Meinung, dass der Mensch immer die Kontrolle über sein Auto behalten sollte. Fast 90 Prozent fordern, dass ein autonomes Fahrzeug auf jeden Fall ein Lenkrad haben muss.

Können wir auf das Lenkrad verzichten?

Wer nicht zu dem Zehntel gehört, das auf das Volant verzichten könnte, sei beruhigt. Ein Lenkrad werden wir noch lange Zeit vorfinden, und auch der sonstige Aufbau des Autos wird sich nicht von heute auf morgen ändern. Zwar gibt es viele Überlegungen, wie der Innenraum in Zukunft gestaltet sein könnte. BMW hat auf der CES eine Art Lounge vorgestellt, mit Kuschelkissen und Bibliothek und auch Dräxlmaier hat ganz konkrete Visionen, wie mit Ambientelicht, weichen Materialien und drehbaren Sesseln ein wohnliches Interieur gestaltet werden könnte, das sich je nach Bedarf verändert und an die Wünsche der Passagiere anpasst. Doch solange auch noch klassische Autos unterwegs sind, die einem selbstlenkenden Vehikel zum Beispiel in die Tür fahren könnten – etwas, was ein anderes autonomes Auto wohl nie tun würde –, müssen die Insassen geschützt werden. Und das geht nur, wenn sie eine mehr oder weniger fixe Sitzposition einnehmen, mit Sicherheitsgurt und dem richtigen Abstand zum Airbag. Also wie bisher.

Allen Bedenken der Studienteilnehmer zum Trotz: Das autonome Auto wird kommen, da sind sich alle Experten einig. Ab 2050, so schätzt Dr. Nickel, werden wir Level-5-Fahrzeuge, also völlig automatisch fahrende, auf der Straße sehen. Bis dahin muss allerdings noch reichlich Aufklärungsarbeit geleistet werden, um das Misstrauen der Bevölkerung aus dem Weg zu räumen. Und dazu darf sich die Industrie keine Pannen leisten, wie etwa den tödliche Unfall mit einem Tesla Model S im vergangenen Jahr. Denn egal, ob es sich um einen Bedienfehler oder einen technischen Defekt gehandelt hat: Nur 35 Prozent der Studienteilnehmer gehen davon aus, dass autonome Autos sicherer sind, und dieser Wert lässt sich mit derartigen Negativ-Schlagzeilen kaum erhöhen. Auch wenn die Theorie eine andere Sprache spricht: Der Großteil aller Unfälle ist auf menschliches Versagen zurück zu führen. Der Straßenverkehr wird also deutlich ungefährlicher, sobald die Computer das Steuer übernehmen. Die fahren schließlich nicht zu dicht auf, drängeln nicht, fahren nicht zu schnell, und müde oder betrunken sind sie auch nie.  

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Datum

20. Januar 2017
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