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Test Mini-SUV: Klein ins Getümmel

Mazda CX-3, Jeep Renegade oder Mini Countryman - Welcher eignet sich am besten für den abenteuerlustigen Außendienstler?

Kleine SUV unterhalb der Kompaktklasse werden bei Fahrern von Firmenwagen immer beliebter, weshalb die Fuhrparkleiter zunehmend ihre Dienstwagenregelungen lockern. Die Hersteller freut’s. Schließlich wird dadurch die Kundschaft breiter gefächert und Großkunden machen schon längst auch einen Großteil der Neuwagenbestellungen aus.

Dass das Marktsegment der Mini-SUV eines der am schnellsten wachsenden ist, hat natürlich einen weiteren Grund: Vor ein paar Jahren noch war es praktisch nicht existent. Erst wirft Skoda den Yeti auf den Markt, dann bringt Mini den Countryman, und schon explodiert eine Marktnische, die wir vorher gar nicht vermisst hätten.

Nun kommt Mazda dazu mit dem CX-3. Der basiert auf dem kleinen Mazda 2, bedient sich der anerkannt guten Skyactiv-Antriebe und setzt statt auf burschikosen Macho-Auftritt auf smarten Leichtbau und dynamische Kodo-Linien. So heißt die markeneigene Designsprache, deren Grundsätzen alle Mazda-Modelle vom 6 bis eben dem CX-3 folgen. Zu unserem Vergleichstest rollt der Mazda als Skyactiv-D 105 an, der Einstiegsdiesel, der als Fronttriebler in der Exclusive-Line-Ausstattung ab 20.075 Euro kostet (alle Preise netto). Ab 18.478 Euro gibt es ihn ebenso in der einfacheren Center-Line-Version. Wer unbedingt einen Allradler haben muss, kann ab 22.344 Euro zugreifen. Das sind 2.268 Euro Aufpreis, in denen allerdings auch die 756 Euro teure Sports-Line-Ausstattung enthalten ist.

Wir haben es, wie erwähnt, mit einem Exclusive-Line zu tun, was insofern bemerkenswert ist, als einige der Technik-Goodies des CX-3 im Technik-Paket für 1.092 Euro enthalten sind, das es nur für die Top-Ausstattungsversion gibt. Dazu gehören die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage MRCC (steht für Mazda Radar Cruise Control), Pre-Crash Safety, Spurwechselassistent oder dynamisches Kurvenlicht.

Angenehmer Mazda-Diesel

Fahren wir aber endlich los mit dem CX-3, womit wir bereits bei seiner Schokoladenseite angekommen sind: dem Skyactiv-Diesel, der hier einmal mehr zeigt, dass Mazda bei den Motoren vieles richtig macht. Der kleine Diesel ist zwar der schwächste im Vergleich, verbraucht aber am wenigsten, bietet die überzeugendsten Fahr­leistungen und die angenehmste Laufkultur. Das Beste daran: Die dynamischeren Fahrwerte stehen nicht nur auf dem Display des Messgeräts, der Motor fühlt sich einfach quirliger und lebendiger an, hängt besser am Gas und gibt sich kein bisschen nagelig.

Das gilt nicht ganz für das Getriebe, das zwar passend übersetzt ist, sich jedoch bei schnellen Gangwechseln gern einmal ziert und in den falschen Schaltgassen verhakt. Das kennen wir von anderen Mazda-Schaltboxen besser.

Was kann er noch, der CX-3? Nun, er federt ganz angenehm, was sich im direkten Vergleich mit Renegade und Countryman jedoch nicht mehr so heldenhaft ausnimmt. Und er fährt sehr ordentlich neutral um Kurven ohne die Lastwechsel-Zickigkeit einiger seiner Markenbrüder.

Ausgesprochen leicht ist er ebenfalls als Mazda-2-Ziehkind. Er bringt rund
150 kg weniger auf die Waage als der ­Mini und 200 kg weniger als der Jeep. Schön, wenn es sich nicht in dünn gepolsterten Sitzen und pappigen Türverkleidungen bemerkbar machen würde. Dass er trotz der üppigsten Außenmaße innen am wenigsten Platz bietet, ist bei den geringen Differenzen nicht mehr als ein kleiner Schönheitsfehler.

Geräumiger Renegade

Der kleinste aller Jeep war ja bereits zum ein oder anderen Vergleichstest in der ­Redaktion zu Gast, jedes Mal, wie auch bei diesem Besuch, mit Licht und Schatten. Er kommt ebenfalls mit dem Einstiegsdiesel, in diesem Fall ist es der bekannte Fiat-­Multijet mit 120 PS, beim Renegade nur mit Vorderradantrieb ­verfügbar und in der Limited-Version nicht unter 21.176 Euro zu haben. Für 1.344 Euro weniger ist die einfachere Longitude-Ausstattung zu haben und wer auf Allrad besteht, muss den 140-PS-Diesel ab 22.268 Euro nehmen. Das wird in den meisten Fällen gar nicht nötig sein, die Traktion der Vorderräder ist beim antrittsmilden Multijet-Diesel meist nicht wirklich gefordert. Dass der kleine Jeep eher un­vehement antritt, liegt am recht hohen Gewicht von über 1.400 kg sowie an der langen Gesamtübersetzung. Weil sich der Motor so anstrengen muss, verbraucht er im Testmittel am meisten, mit 6,8 Litern ist es ein ganzer Liter mehr als beim sehr knauserigen CX-3 und 0,4 Liter mehr als beim schnelleren Countryman.

Der Federungskomfort zählt ebenfalls nicht zu den Paradedisziplinen, da zeigt er sich ähnlich gut wie der Mazda und besser als der Mini. In puncto Raum­angebot für die Insassen kommen ihm beide nicht nahe; wer öfter Passagiere mitnimmt, ist mit dem Jeep am besten bedient.

Die werden sich ebenso wie der Fahrer über die guten Bremsen freuen, der Renegade verzögert trotz seines Gewichts eine Spur besser als CX-3 und Countryman – eine weitere starke Seite, ebenso wie seine ausgesprochen gute ­Sicherheitsausstattung mit serienmäßigen Spurassistenten, Einparkhilfen oder Auffahrwarnsystem.

Mini: kultig und holperig

Womit wir bei Kandidat Nummer drei sind, dem Mini Cooper D Countryman, der gerade auch beim Blick auf die Sicherheitsausstattung zeigt, dass er nicht mehr ganz frisch auf dem Markt ist und eine Ablösung auf der Basis jener neuen BMW-Frontantriebsplattform fällig ist, die bereits dem aktuellen Mini sowie diversen BMW-Baureihen als Unterbau dient.

Bis es so weit ist, werden sich die Countryman-Käufer mit der etwas ­widerspenstigen Hoppeligkeit seines Fahrwerks und dem rauen Unterton des 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesels abfinden müssen. Wie wir wissen, tun sie das gern, denn für den Countryman gilt ebenso wie für alle anderen Mini-Ableger jene rätselhafte Regel, wonach Eigenarten, die anderen Autos als Schwächen angekreidet würden, beim ­Mini als identitätsstiftende Charaktermerkmale durchgehen.

Für Charakter gibt es jedoch keine Punkte, weshalb es der Countryman hier nur auf Platz drei schafft, obwohl er sehr starke Seiten hat. Das agile, sehr sichere Fahrverhalten etwa, die zielgenaue und direkte Lenkung oder, als Sekundärtugenden, die sehr alltags-freundliche Variabilität sowie die hohe Wertstabilität. Denn gebrauchte Countrymänner verkaufen sich gut, was den hohen Preis relativiert. Billig ist der Mini nämlich nicht gerade, ausstattungsbereinigt rund zwei Tausender teurer als die Konkurrenz. Doch auch das hat die Mini-Interessenten traditionell noch nie gestört.

FAZIT:

Der Mazda gewinnt, weil er der beste Allrounder ist, in diesem Test. Er hat fahrdynami­sches Talent, eine vergleichsweise komfortable Federung und einen ebenso munteren wie sparsamen Antrieb. Zudem ist er das preiswerteste Auto der drei. Nicht üppig ist freilich das Raumangebot.

Den Jeep möchte man am liebsten knuddeln, weil er als Zweitplatzierter fast ein wenig traurig guckt. Dabei gibt es gar ­keinen Grund dafür. Er gefällt mit ordentlicher Raumfülle, guten Sitzen, reichhaltiger Sicherheitsausstattung und guten Bremsen. Der knurrige Motor und die großzügige Preisgestaltung verhindern, dass er am ­Mazda vorbeizieht.

Der Mini Countryman ist ein Extremist, pfeift auf Fahrkomfort, Raumökonomie und eingängige Bedienung, was ihm im Vergleichstest nur den dritten Rang beschert. Das gelungene Design, Premium-Feeling und der Name einer großen Marke können dies nicht wettmachen. Er kann allerdings mehr: geht recht fix ums Eck, hat einen sehr variablen Kofferraum und ist wertstabil. Für mehr als Platz drei reicht das trotzdem nicht.

Autor

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

4. August 2015
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