Toyota RAV4 Hybrid 13 Bilder Video Zoom

Toyota RAV4: Unter Strom gesetzt

Toyota hat seinen RAV4 überarbeitet. Was vielleicht nicht weiter erwähnenswert ist, wäre da nicht der neue Hybrid-Antrieb, den die Japaner nun erstmals auch für ihren Kompakt-SUV anbieten.

Seit 1994 hat Toyota rund 6,5 Millionen RAV4 verkauft, 1,5 Millionen davon in Europa. In seiner jetzigen vierten Generation gesellt sich nun erstmals eine Hybrid-Variante dazu. Die Kombination aus 2,5-Liter Benziner mit 155 PS und einem 105 kW starken Elektromotor ergeben in Toyotas leistungsverzweigtem Hybridantrieb 197 PS Systemleistung und machen den RAV4 2.5 Hybrid zur bislang leistungsstärksten Version in Europa. Trotzdem soll er sich mit nur knapp fünf Litern Sprit nach Norm begnügen. Das haben wir auf einer ersten Testrunde ausprobiert.

Leiser Motor, komfortables Fahrwerk

Was schon nach wenigen Kilometern auffällt, sind Laufruhe und Gelassenheit, mit der das elektrifizierte "Recreational Active Vehicle with 4-Wheel Drive" (RAV4) durch Stadt und Land gleitet. Mal abgesehen von abrupten Kickdown-Beschleunigungen auf der Autobahn oder bei Überholmanövern, wo der Benziner hörbar angestrengt wirkt. Doch bei normaler Fahrweise schnurrt der Japaner still und leise vor sich hin, filtert mit komfortabel gestimmtem Fahrwerk große und kleine Schnitzer aus dem Asphalt und gibt mit der fein dosierten Lenkung ein gutes Feedback. Das Zusammenspiel von E- und Verbrennungs- motor funktioniert harmonisch, auch dank der neu abgestimmten stufenlosen Getriebeautomatik.

Endlich haben die japanischen Ingenieure das Gaspedal-Kennfeld so eingestellt, das sowohl das nervöse Hin-und Herschalten wie der nervigen Gummiband-Effekt beim Beschleunigen weitgehend ausbleibt. Vorausgesetzt, man versucht tatsächlich nicht, in den angegebenen 8,3 Sekunden auf Tempo 100 zu spurten oder die 180 km/h Spitze auszureizen. Dann wird’s natürlich auch nichts mit den 4,9 Litern Normverbrauch (Frontantrieb), auf die sich der RAV4 Hybrid im Schnitt beschränken soll. Bei unseren Testfahrten schienen 6,2 Liter im Bordcomputer-Display auf. Ein guter Wert nach einem Mix aus schnellen Autobahnetappen, kurviger Landstraße und urbanem Stop&Go.

Den Diesel gibt’s nur mit Frontantrieb

Besser kann das, zumindest auf dem Papier mit 4,7 Liter im Schnitt, nur noch der neue Zwei-Liter-Turbodiesel von Technik-Partner BMW mit 143 PS, den Toyota statt des bisherigen 2,2-Liter-Selbstzünders anbietet. Unverständlicherweise ist der 2.0 D-4D als künftiges RAV4-Einstiegsmodell allerdings nur mit Frontantrieb zu haben. Ausschließlich mit Allradantrieb hingegen kombiniert ist der 2.0-Liter-Benziner mit 151 PS weiterhin im Programm.

Bei der Hybrid-Version wird die Kraft grundsätzlich auf die Vorderachse geleitet. Einen leichten Allradantrieb realisierten die Toyota-Ingenieure, wie schon beim Lexus NX300h, mit einem zweiten 50 kW-Elektromotor an der Hinterachse. Das beim RAV4 Hybrid e-Four genannte System ist zwar nicht für schweres Gelände gedacht, aber für zusätzliche Traktion und Stabilität auf rutschigem oder verschneitem Untergrund bestens geeignet. Ohne Kardanwelle und aufwändige Achskonstruktion bringt es außerdem Gewichts- und Verbrauchsvorteile. Und mit 1.650 Kilogramm Anhängelast kann er wenigstens auch noch mehr als doppelt so viel an den Haken hängen als der Fronttriebler.

Neben den beiden neuen Motoren wurde aber auch die 4,60 Meter lange Karosserie in punkto Design, Steifigkeit und Geräuschdämmung neu getrimmt. Die Front spiegelt mit offenem trapezförmigem Stoßfänger samt der integrierten Nebelleuchten das aktuelle Toyota-Styling, der silberfarbene Unterfahrschutz betont die SUV-Optik. Zu LED-Tagfahrlicht und –Heckleuchten gesellen sich optional (462 Euro, alle Preise netto) sowie in der Top-Ausstattung und Hybrid-Version serienmäßig Voll-LED-Scheinwerfer. Im Innenraum vermitteln ein neu sortiertes Kombiinstrument mit zwei analogen Anzeigen plus 4,2-Zoll-Farbdisplay, Armaturentafel und Türverkleidungen sowie eine anständige Verarbeitung einen stimmigen Gesamteindruck, der leider hie und da durch billiges Hartplastik gestört wird. Dazu gibt es gegen 630 Euro Aufpreis (ab Ausstattung Comfort) das Safety Sense-Paket, das neben Kollisions-, Spurhalte-, Fernlicht- und Verkehrs- zeichenassistenten nun auch noch ein Fußgänger- und Abstandssradar einschließt.

Der Topversion Executive für 1.260 Euro extra vorbehalten ist ein neues 360-Grad-Kamera-System, das Wagen und Umgebung aus der Vogelperspektive zeigt. Für Multimedia-Infotainment sorgt das Toyota Touch2 (ab Comfort) mit 7-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole plus optionalem Navi-System (495 Euro/831 Euro).

Hybrid mit verkleinertem Laderaum

An den praktischen Funktionen und Alltagsnutzen ändert sich wenig. Allerdings büßt der Laderaum der Hybridversion 46 Liter, bei umgeklappter Rückbank 113 Liter, gegenüber den Modellen mit konventionellen Antrieben (547 bis 1746 Liter) ein. Es gibt vier Ausstattungsversionen, wobei die Basis u.a. mit Klimaanlage, Audiosystem mit Bluetooth, Stop-Start-Automatik und elektrischer Bedienung rundum, nur mit Benziner und Diesel zu haben ist. Hier startet der Einstiegspreis für den Turbodiesel 2.0 D-4D mit Frontantrieb bei 22.932 Euro, der Benziner 2.0, immer mit Allradantrieb, ist jeweils
588 Euro teurer.

Die Hybrid-Version steht erst ab der zweiten Ausstattung Comfort ab 26.882 Euro in der Preisliste, der Allrad kostet 2.521 Euro mehr. Die Top-Ausführung 2.5 Hybrid Executive u.a. mit Allradantrieb, Voll-LED-Scheinwerfer, Lederausstattung mit elektrischer Sitzverstellung und Sitzheizung, Einparkhilfe vorn und hinten, elektrischer Heckklappe sowie 18 Zoll-Alufelgen kostet 32.848 Euro.

Unter Strich überzeugt Toyotas erster Hybrid-SUV. Mit durchaus ansprechender Leistung, ausgereifter Laufkultur und dem geringen Normverbrauch stellt er eine adäquate Alternative zum hierzulande favorisierten Diesel dar. Die ersten Bestellungen vor dem offiziellen Händlerstart am 29. Januar 2016 bestätigen den Eindruck: 70 Prozent der Aufträge fielen auf den RAV4 Hybrid. 

Foto

Toyota

Datum

19. Januar 2016
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