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Unfall im Ausland: Was tun, wenn's im Ausland kracht?

Die EU hat den Schutz von Unfallopfern im Ausland verbessert. Künftig kommen sie schneller und einfacher zu ihrem Schadenersatz.

Produktionsleiter Rainer W. aus Stuttgart ist auf dem Weg zu Vertrags-verhandlungen in Frankreich. In Nancy passiert es: An einer roten Ampel knallt ihm eine Französin ins Heck. Firmenwagen zerbeult, Termin geplatzt.

Um selbst einen solch einfachen Schaden ersetzt zu bekommen, war bis vor wenigen Jahren ein zäher Kampf mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung nötig. Im Unfall-Land und in der dortigen Landessprache. Schadenersatz kam spät, wenn überhaupt.

Regulierungsbeauftragter hilft

Heute geht das in Europa schneller, dank der so genannten 4. KH-EU-Richtlinie (KH = Kraftfahrt-Haftpflicht). Sie hat den Schutz von Unfallopfern erheblich verbessert. Da Rainer W. zusammen mit der Unfallverursacherin einen europäischen Unfallbericht ausgefüllt und das Kennzeichen notiert hatte, konnte seine Berliner Fachanwältin für Verkehrsrecht Sabine Lindner-Pfeiffer über den Zentralruf der deutschen Autoversicherer den Versicherer des französischen PKW ermitteln und damit auch dessen Regulierungsbeauftragten in Deutschland.

Denn den muss jede in Europa agierende Versicherungsgesellschaft für ihre Kfz-Haftpflicht-Fälle einsetzen. Er ist das Bindeglied zwischen Opfer und Versicherer und kann einen Auslandsunfall unkompliziert regulieren. Die meisten Anfragen bekommt der Zentralruf der deutschen Autoversicherer zu italienischen und französischen Fahrzeugen, denn Italien und Frankreich sind nun mal die beliebtesten Reiseziele der Deutschen.

Schneller Kontakt hilft

Um die Abwicklung zu beschleunigen, empfiehlt der Münchner Rechtsanwalt Oskar Riedmeyer, immer möglichst schnell Kontakt zum Regulierungsbeauftragten aufzunehmen. Es gilt zu klären, was möglich ist, wer den Gutachter bestellt oder ob ein Ersatzwagen bezahlt wird. Häufig erwarten die Geschädigten Schadenersatz, wie er in Deutschland üblich ist.

Unterschiedliche Sätze innerhalb der EU

Doch da gibt es laut Riedmeyer von Land zu Land große Unterschiede. Die Sätze richten sich nach dem Recht des Unfall-Landes.
 „In Italien geht man nach einem Zusammenstoß zweier Fahrzeuge davon aus, dass beide Fahrer zu gleichen Teilen schuld sind“, sagt der Mailänder Rechtsanwalt Dr. Stephan Grigolli. „Ist ein Geschädigter der Meinung, dass seine Schuld geringer ausfällt, dann muss er das beweisen.“

Außerdem werden in vielen Ländern Kosten für Gutachter, Rechtsanwalt oder Ersatzwagen gar nicht oder nur eingeschränkt erstattet. In Frankreich beispielsweise wird ein Ersatzwagen nur bezahlt, wenn das Auto beruflich genutzt wird. Außerdem gibt es Geld nur gegen Belege. Dazu sind Fotos vom beschädigten Auto, Gutachten, Reparaturrechnung, Übernachtungsbelege nötig. Eine so genannte fiktive Abrechnung von Reparaturkosten auf Gutachtenbasis, wie in Deutschland möglich, kennt man in Frankreich nicht. Das Auto muss tatsächlich repariert werden. Und einen Totalschaden sollte man nicht vorschnell verschrotten, denn das kaputte Auto geht ins Eigentum des französischen Versicherers über.

Im Fall von Rainer W. hat der Regulierungsbeauftragte schnell ein angemessenes Schadenersatzangebot unterbreitet. „Diese neue Institution `Regulierungsbeauftragter` ist ein Segen, zumal man mit ihm Deutsch reden kann“, sagt Anwältin Lindner-Pfeiffer. „Was vorher Jahre gedauert hat, geht nun recht schnell. Ich musste seitdem noch nie vor Gericht ziehen.“ In ihrer Praxis läuft es so: „Ich telefoniere mit dem Regulierungsbeauftragten, anschließend liste ich in einem Fax auf, was wir besprochen haben, und dann arbeite ich das ab. Das hat bislang immer funktioniert.“

Im Notfall: Verkehrsopferhilfe

Sollte ein Regulierungsbeauftragter je-doch nicht innerhalb von drei Monaten reagieren, kann sich das Unfallopfer an die Verkehrsopferhilfe wenden und von dieser stellvertretend Schadenersatz bekommen. Dafür unterhält die Verkehrsopferhilfe neben dem seit Jahrzehnten bekannten Garantiefond für Inlandsunfälle mit nichtversicherten Fahrzeugen nun auch eine Entschädigungsstelle für Auslandsunfälle. Laut Rudolf Elvers, Geschäftsführer des deutschen Grüne-Karte-Büros und der Verkehrsopferhilfe, werden dort jährlich etwa 1.700 Unfälle gemeldet. „Das ist nur ein Bruchteil der Unfälle, in die Deutsche im Ausland verwickelt sind, und zeigt, wie gut die Regulierung von Auslandsunfällen mittlerweile funktioniert.“

Während man einen reinen Sachschaden heutzutage durchaus auch ohne Rechtsanwalt bewältigen könne, empfiehlt Elvers, bei Personenschäden unbedingt einen Fachanwalt für Verkehrsrecht einzuschalten.

Höheres Schmerzensgeld

Mit Blick auf das Schmerzensgeld, das in Frankreich viel höher sein kann als in Deutschland, meint der Pariser Fachanwalt Pleger: „Mit den Tabellen, nach denen in Frankreich das Schmerzensgeld berechnet wird, kennen sich eben französische Anwälte und Gerichte besser aus. Deshalb kann es sich für den Geschädigten durchaus lohnen, direkt in Frankreich Schadenersatz zu fordern.“

Ansonsten muss ein deutsches Unfallopfer nicht mehr wie früher im Ausland seine Schadenersatzforderungen vor Gericht durchsetzen, sondern kann das an seinem Wohnort in Deutschland. Das gilt genauso für Unternehmen, der Firmenwagen im Ausland verunfallen. Rechtsanwalt Riedmeyer hat diese Erfahrung gemacht: „Kommt es in Deutschland zum Prozess gegen einen ausländischen Versicherer, verzichten Unfallverursacher oder Zeugen aus dem Ausland oft darauf anzureisen. Wer nicht kommt, kann nicht vor Gericht aussagen. Das kann ein Vorteil sein für den Geschädigten.“

Drei Tipps für die schnelle Regelierung

Wer schnell an sein Geld kommen will, sollte folgende Tipps beherzigen:

1.Möglichst die Polizei rufen
2. Europäischen Unfallbericht ausfüllen und von allen Beteiligten (wichtig!) unterschreiben lassen
3. Schnell Kontakt mit dem Regulierungsbeauftragten des Versicherers aufnehmen.

Nach einem unverschuldeten Unfall im Ausland ermittelt der Zentralruf der Auto-versicherer den zuständigen Versicherer des ausländischen Kfz. und dessen Regulierungsbeauftragten in Deutschland.
Kostenfreie Rufnummer: (08 00) 25 026 00
Aus dem Ausland (+49 40) 300 330 300
Schadensmeldung im Internet:
www.gdv-dl.de/zentralruf
 
Wenn der Regulierungsbeauftragte des ausländischen Versicherers nicht innerhalb von drei Monaten reagiert, kann die Verkehrsopferhilfe einspringen.
Tel: (0 30) 20 20 58 58
www.verkehrsopferhilfe.de

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Renault

Datum

8. Januar 2015
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