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User-Chooser: Die heimlichen Entscheider

Dataforce hat den User-Chooser-Markt untersucht und festgestellt: Es gibt eine Beziehung zwischen privaten Fahrzeug-Vorlieben und Firmenwagen.

Das letzte Jahr war schon top, doch 2016 wird sich der Flottenmarkt noch einmal besser entwickeln. Die Marktbeobachter von Dataforce rechnen mit mehr als 800.000 Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt. Wer jetzt an klassische Serviceflotten als Markttreiber denkt, der irrt. Mindestens jeder zweite Besteller ist ein sogenannter User-Chooser. Dahinter verbergen sich beispielsweise Mitarbeiter, die eigentlich gar keinen Firmenwagen brauchen, aber ihn als Motivator bekommen. Oder Fahrer, die Marke und Ausstattung ihres Dienstwagens mehr oder weniger frei wählen dürfen.

Die User-Chooser werden für Fahrzeughersteller also immer wichtiger, weshalb Dataforce ihnen eine eigene Studie widmet. Auf 166 Seiten soll die 2.860 Euro teure Untersuchung Antworten liefern auf Fragen wie: Nach welchen Kriterien suchen sich User-Chooser ihre Modelle aus? Was ist ihnen wichtig und welche Autos fahren sie privat? Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Was bedeuten mehr User-Chooser für die Flottenmanager? Dataforce befragte mehr als 1.700 Flottenverantwortliche, über 500 Fahrer von Firmenwagen und ebenso viele Privatwagenfahrer.

Um ein Ergebnis vorwegzunehmen: Den klassischen User-Chooser gibt es nicht. Dazu ist die Gruppe zu heterogen. Offensichtlich aber haben Unternehmen aus dem Bereich Information und Kommunikation, also Softwareentwickler, Medienagenturen, Telekommunikationsdienstleister, den höchsten Anteil an User-Choosern in ihren Flotten. Dort wird gut verdient und man muss neue Kollegen mit schicken Firmenwagen locken. Einen verhältnismäßig hohen Anteil haben auch verarbeitendes Gewerbe und Handel.

Ganz anders sieht es in der Gesundheits- und Sozialwesen-Branche aus: 75 Prozent der Betriebe schreiben den Kollegen vor, welche Autos sie fahren sollen. Das spiegelt sich im Gehaltsniveau der Mitarbeiter wider. Abgesehen vom Erziehungssektor verdient man nirgends so schlecht wie in der Gesundheits- und Sozialwesen-Branche. Der Firmenwagen dient lediglich als Mittel zum Zweck und nicht zur Motivation. Ähnlich sieht es auch im Bereich Verkehr und Lagerei aus

Welches Auto passt zu mir? Ein Blick in Fachzeitschriften hilft weiter

Wie aber informieren sich Flottenverantwortliche und User-Chooser, bevor sie ein Fahrzeug bestellen? Der erste Weg führt den Flottenmanager zum Händler, der erste Klick auf die Website der Hersteller. Die wirklich Cleveren lesen natürlich FIRMENAUTO. Außerdem besuchen sie "Firmenauto des Jahres", wo sie in einem geballten Zweitages-Programm nicht nur zeitsparend 70 bis 80 Fahrzeugmodelle testen und kennenlernen, sondern sich auch noch mit Kollegen austauschen können.

Ähnlich agieren User-Chooser. Sie informieren sich aber häufig auch auf den Internetseiten der Leasinganbieter. Fachzeitschriften dienen ebenfalls als Informationsquelle.

Der zufriedene User-Chooser ist auch ein Multiplikator im Unternehmen. Wem sein Firmenwagen gefällt und wer Spaß damit hat, erzählt es seinen Kollegen. "Händler und Vertragswerkstätten sollten ihnen eine große Bedeutung beimessen", sagt Melanie Bing von Dataforce. Für die Flottenexpertin ist eine gute Betreuung der User-Chooser ein absolutes Muss. Schließlich kümmern sie sich meist in eigener Regie um den laufenden Betrieb der Fahrzeuge, organisieren den Reifenwechsel, koordinieren Werkstattaufenthalte.

Daraus aber nun zu folgern, dass Flottenverantwortliche künftig lieber pflegeleichte User-Chooser statt normale Dienstwagenfahrer betreuen, ist falsch. "Im Zweifel bleibt die Arbeit am Ende dann doch am Flottenverantwortlichen hängen", glaubt Melanie Bing.
Weil User-Chooser häufig (65 Prozent) auch eigene Fahrzeuge besitzen, sind sie doppelt interessant für den Händler. Zum einen kann der Hersteller vielleicht das eine oder andere Auto zusätzlich verkaufen. Ein Kleinwagen für den Sohn zum 18. Geburtstag? Oder vielleicht ein Cabrio als Zweitwagen?

Zum anderen aber spielen Premiummarken tendenziell in solchen Haushalten eine größere Rolle. "Einige Hersteller, wie zum Beispiel Mercedes, schaffen es bereits sehr gut, diese Klientel auch privat an die Marke zu binden", sagt Bing. Wie sie das hinbekommen, darüber kann sie nur spekulieren. Eine Möglichkeit: Erfolgreiche Marken nutzen Servicetermine dazu, den Dienstwagenfahrer mit einem anderen schicken Modell mobil zu halten.

Frauen sind auch beim Firmenwagen etwas schlechter gestellt als Männer

Allgemein hat sich das Mitspracherecht der Mitarbeiter bei der Auswahl der Fahrzeuge in den letzten Jahren nur leicht verändert. Bei 20 Prozent der Befragten ist der Gestaltungsspielraum der Nutzer gleich geblieben, bei weniger als drei Prozent ist er gesunken. 37,5 Prozent der Frauen haben beim Firmenwagen volle Wahlmöglichkeiten versus 36,5 der Männer. Allerdings muss fast jede dritte Frau eine finanzielle Obergrenze akzeptieren, während dies nur bei 27,1 Prozent der männlichen Befragten zutrifft.
Knapp ein Viertel aller Fahrer unterliegt in Sachen Leasingrate übrigens keiner Beschränkung. Gibt es jedoch Einschränkungen, bieten zwei Drittel aller Unternehmen die Möglichkeiten zu einer Zuzahlung. 71,6 Prozent der Fahrer sind bereit, in zusätzliche Sicherheitsausstattung oder Assistenzsysteme zu investieren. "Von denjenigen, die zu einer Zuzahlung bereit sind, würde  ein gutes Viertel bis zu 50 Euro pro Monat zuschießen", sagt Bing. "Gut ein Drittel wäre sogar bereit, 100 Euro draufzuzahlen."

Was User-Chooser sonst noch schätzen

Die Zuverlässigkeit ihres Firmenwagens ist für fast alle Befragten (90 Prozent) ­extrem wichtig. Vor allem Frauen und die älteren Befragten legen darauf großen Wert. Weniger wichtig sind ihnen Markenimage, Versteuerung des geldwerten Vorteils und Höhe der Leasing­rate. ­Geschäftsführung und oberes Ma­nage­ment will vom Händler gut beraten werden, verlangen sparsame und zuverlässige Autos.

Mitarbeiter des mittleren Managements sehen den Dienstwagen vor allem als Gehaltsbestandteil, als Anerkennung ihrer Leistung und empfinden ihn als bindendes Element. Sie legen mehr Wert aufs Preis-Leistungs-Verhältnis und das Image der Automarke. Dagegen betrachten Vertriebsmitarbeiter ihren Wagen als Arbeitsmittel und sind eher mit Business-Paketen zu locken.

Jüngere User-Chooser sind deutlich preissensibler. Befragte zwischen 30 und 45 Jahren legen Wert auf Familientauglichkeit, Ältere auf Zuverlässigkeit. Sie schätzen die Beratung durch den Händler und sind offener für alternative Antriebe. Die wiederum sehen Frauen eher skeptisch. Sind Frauen womöglich doch technikfeindlich? Oder denken sie einfach praktisch und wollen am Ende eines langes Arbeitstages nicht auch noch eine Gastankstelle oder eine Steckdose suchen müssen?

Firmenwagenmonitor: Wer fährt was?

47 Prozent aller Führungskräfte in Deutschland fahren einen Firmenwagen. Das haben die Hamburger Vergütungsanalysten Compensation Partner bei der Recherche für ihren Firmenwagenmonitor 2016 herausgefunden. Dazu haben sie 419.424 Arbeitsverträge überprüft. Am häufigsten erhalten Fachkräfte im Vertrieb (22 Prozent) einen Firmenwagen. Es folgen Beschäftigte in Technik (13,5 Prozent) und IT (10,1 Prozent). Einstellig wird es dagegen bei Wirtschaftsprüfern (2,9 Prozent), Controllern (3,9 Prozent) und im Bereich Einkauf und Logistik (4,4 Prozent).

Im öffentlichen Dienst sieht’s mit Dienstwagen mau aus

Besonders häufig mobilisieren die Unternehmen ihre Vertriebsleiter (78,2 Prozent), Niederlassungsleiter (72,4 Prozent) und Geschäftsführer (68,2 Prozent). Im Branchenvergleich sind Geschäftswagen im Großhandel (26,4 Prozent) und Bau (25,6 Prozent) am häufigsten üblich. Es folgen der Bereich der Gebrauchsgüter (21,9 Prozent) sowie die Pharmaindustrie (20,7 Prozent). Die wenigsten Firmenwagen finden sich in den Fuhrparks der öffentlichen Verwaltung, der Kul­tur­betrie­be und Krankenhäuser. Hier liegt die Verbreitung bei jeweils unter zwei Prozent.

Banker: Firmenwagen kosten im Schnitt fast 50.000 Euro brutto

Die teuersten Autos mit einem durchschnittlichen Bruttolistenpreis von 49.333 Euro fahren Beschäftigte in der Finanzdienstleistung. Es folgen Messebetreiber (48.490 Euro) und Bankkaufleute (47.319 Euro). Es zeigt sich: Firmen mit hohem Dienstwagengrad investieren nicht so viel in den einzelnen Wagen wie Firmen mit niedriger Rate.

VW wird am häufigsten gefahren

VW, BMW und Audi und Mercedes teilen den Markt mit einem Anteil von 68,3 Prozent quasi unter sich auf. Wobei VW Marktführer ist (28,3 Prozent). Gut jeder zweite Firmenwagen stammt von VW, Audi, Seat oder Skoda und damit vom VW-Konzern.

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Mazda

Datum

14. Oktober 2016
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