Ford Transit Custom 2.2 TDCi 310L2, Opel Vivaro 1.6 Biturbo CDTIECoflex L1H1 9 Bilder Zoom

Verbrauchsmessung im Straßenverkehr: Diese Faktoren erhöhen die Spritkosten

Wie stark beeinflussen Beladung, Streckenprofil und Fahrer den Verbrauch? Wir haben uns mit zwei Transportern unter den Verkehr gemischt.

Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir behaupten, dass Normverbräuche fernab der Realität liegen. Und klar, ein voller Transporter verbraucht mehr als einer auf Leerfahrt. Logisch auch: In der Stadt schlucken doch alle am meisten. Doch wie groß der Einfluss von Beladung, Strecke oder Fahrstil auf den Verbrauch wirklich ist, lässt sich nur erahnen. Grund genug, zwei Transporter unter unterschiedlichen Bedingungen im realen Verkehr auf deren Verbrauch zu testen.

Ein Telefonat und ein paar Tage später steht ein knallroter Ford Transit Custom mit 155 PS starkem Vierzylinder-Diesel vor der Verlagstür. Aus Rüsselsheim kommt der Opel Vivaro in unauffälligem Silber, dafür mit umso stürmischerem 140-PS-Biturbo im kurzen Bug. Beide verfügen über eine Start-Stopp-Automatik. Der Opel zudem über eine Eco-Funktion, die das Drehmoment spürbar drosselt.

Damit wir beide Transporter besser im Blick haben und alle nötigen Daten auslesen können, hat Telekommunikations-Ausrüster Wollnikom in den Transportern Telematik-Geräte verbaut. Erste Disziplin: immer die gleiche Strecke mit je unterschiedlich schwerer Ladung.

Zum Aufwärmen dürfen die Transporter unsere Normrunde (siehe Grafik) leer absolvieren. 200 Kilometer geht es vom Stuttgarter Randbezirk Vaihingen einmal quer durch die Stuttgarter Innenstadt – nach Köln die zweitgrößte Stauhochburg Deutschlands –, anschließend über die A 8 am Flughafen vorbei gen München. Nach der Raststätte Gruibingen führt die Route bergauf, bergab über die Schwäbische Alb, auf Landstraßen und durch kleinste Ortschaften zurück nach Stuttgart.

Viel Ladung, minimal mehr Verbrauch

Die drehmomentstarken Motoren sind auf der Piste kaum aus der Reserve zu locken. Der Opel Vivaro wuchtet 340 Nm bei 1.750 Touren auf die Antriebswelle, der Ford Transit sogar 385 Nm bei 1.600 Drehzahlen. Schon ab 1.500 Touren haben beide Transporter nahezu ihre maximale Kraft aufgebaut. Im Stadtverkehr surfen wir so mit beiden unaufgeregt auf niedrigen Tourenzahlen. Beim ersten Tankstopp liegen sie geringfügig auseinander: Der Ford gönnt sich 8,0 Liter im Schnitt, der Opel 7,6 Liter. Vom Herstellerwert weicht der Opel mit 1,5 Litern Mehrverbrauch allerdings deutlicher ab (Ford: 1,1 Liter über Normverbrauch).

Die zweite Runde absolvieren Transit und Vivaro je mit einer mit 500 Kilo schweren Gitterbox. Beide Kandidaten verbrauchen nur minimal mehr als zuvor bei leerer Fahrt (Ford: 8,0 Liter, Opel: 7,8 Liter). Gerundet kommt beim Transit sogar der gleiche Wert heraus.

Höhere Drehzahlen im ersten Gang

Auf der dritten Runde packen wir rein, was geht. Sprich: auf volle Nutzlast ausgeladen. Weil der Opel mit 1.945 Kilo Leergewicht 240 Kilo leichter ist als der Ford (2.185 Kilo), der Ford wiederum mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,1 Tonnen 180 Kilo mehr schultern darf, variiert die maximale Zuladung lediglich um fünf Sandsäcke à zwölf Kilo (max. Nutzlast Vivaro: 975 kg; Transit: 915 kg).

Den pickepackevollen Transportern merken wir nun die Last an. So müssen wir den ersten Gang mit höheren Drehzahlen weiter ausfahren. Der stärkere 2,2-Liter-Selbstzünder im Ford klingt dabei etwas rauer. Der Opel mit kleinerem, 1,6 Liter Hubraum großem Biturbo ist besser gedämmt. Untertourig schlendern beide gelassen dahin, wobei auch hier der Vivaro gutmütiger wirkt. Er reagiert sanfter auf Gasbefehle und bei Lastwechseln souveräner. Sein Fahrwerk ist zudem in leerem wie vollem Zustand eine Nuance harmonischer abgestimmt.

Der Ford hat ebenso Vorzüge. Der Fahrersitz ist angenehm gepolstert und gut konturiert. Lenkrad und Bestuhlung lassen sich besser auf die jeweilige Statureinstellen. Außerdem sind die Gangwechsel der Sechsgang-Box im Ford ­knackiger. Der Schalthebel flutscht präziser durch die Gassen.

Das einfachere Handling scheint dem Transit bei der Performance zugute zukommen. Randvoll ist er mit 8,4 Litern erstmals sparsamer als der Vivaro (8,5 Liter). Da macht sich auch das höhere Drehmoment bemerkbar. Mit steigender Zuladung verbraucht der hubraumschwächere und leichtere Vivaro zunehmend mehr als der Transit. Demnach können wir eine Zuladung steigt der Verbrauch beim Ford um 0,1 Liter, beim Opel um 0,2 Liter. Kommen wir zur zweiten Disziplin: Wie groß ist der Verbrauchsunterschied von Stadt zu Autobahn? Damit die Transporter die restlichen Fahrten unter alltäglichen Bedingungen durchlaufen, lassen wir die 500 Kilo schweren Gitterboxen in den Kastenwagen.

Mit beiden Transportern geht es in Kolonne die A 81 entlang Richtung Konstanz an den Bodensee und wieder zurück. Am Ende haben beide Transporter genau 335 km hinter sich. Als Durchschnittsgeschwindigkeit spuckte die Telematik bei beiden fast genau 97 km/h aus. Wobei auf unbegrenzten Autobahnetappen auch 150 km/h auf dem Tacho standen

Von der Autobahn in den City-Stau

Weil die Ingenieure sowohl beim Vivaro als auch beim Transit die sechs Gänge wohlbedacht auf das Drehzahlband verteilt und den sechsten etwas länger übersetzt haben, pendeln sich die Drehzahlnadeln bei autobahntypischen 120 km/h im roten wie im silbernen Kastenwagen bei rund 2.000 Touren ein. Der Opel ist allerdings mit deutlich mehr Topspeed gesegnet und das Getriebe besser abgestuft, weshalb er bei höherem Tempo die Tourennadel besser im Zaum hält. Auf schnellen Touren verbraucht der Vivaro mit 7,8 Litern im Schnitt 1,5 Liter weniger als der Transit.

Runter von der Autobahn. Im reinen Stadtverkehr liegen die beiden wieder nah beieinander: Nach vier Stunden qualvollem City-Stau durch Stuttgart stehen bei Fords Kastenwagen 10,5 Liter auf der Tankuhr, beim Opel 9,9 Liter. Vergleicht man die Verbräuche mit den Angaben der Hersteller (Ford innerorts: 7,3 Liter; pel: 7,0 Liter), dann weichen beide deutlich von den Prüfstandswerten ab.

Auf zur letzten Übung, dem Fahrstil. Fuhrparkmanager wissen: Fährt der Mitarbeiter nicht zurückhaltend, nutzt der sparsamste Transporter nichts. Wie wichtig motivierte Kollegen mit gefühlvollem Gasfuß sind, zeigt unsere Normrunde, die wir nochmals mit 500 Kilo Ballast und einem Mir-doch-schnurzpiepegal-Stil gefahren sind. Die nervige Start-Stopp schalten wir ab, beim Opel wird der Eco-Modus deaktiviert. Die Zylinder wollen schließlich frei atmen. Und auf Schaltempfehlungen pfeifen wir ebenfalls.

Mit mangelnder Schaltdisziplin und deutlich kürzeren Ausrollphasen spulen wir die 200 km lange Normrunde zwar fast in der gleichen Zeit wie bei gemäßigtem Fahrstil ab, der Mehrverbrauch fällt dafür umso deutlicher aus: Sowohl beim Ford als auch beim Opel sind es bei aggressiver Fahrweise 10,9 Liter. Wohl dem, der seine Mitarbeiter auf seiner Seite hat.

Fazit

Normverbräuche spiegeln nicht die Realität wider, sie zeigen aber eine Tendenz, die unser Test bestätigt: Der Vivaro ist fast durchweg etwas sparsamer als der Transit. Weniger Hubraum, gut abgestimmtes Getriebe und ein kräfteschonender Eco-Modus geben den Ausschlag. Der Opel weicht allerdings stärker vom Normverbrauch ab. Maximal ausgeladen kommt der stärkere Transit besser zurecht. Den größten Einfluss hat aber der Fahrer. Wenn der nicht mitspielt, ist der Verbrauch immer hoch.

Verbrauchsmessung - So haben wir getestet

Zu Beginn und Ende jeder Testfahrt wurden die Transporter randvoll getankt. Das heißt: Wir ignorieren das Klicken der Zapfpistole und füllen den Tank randvoll. Abweichungen der Tachoanzeigen wurden von uns klassisch mit Stoppuhr und Kilometersteinen auf der Autobahn gemessen. So bekommt man einfach und präzise die wirklich zurückgelegten Kilometer heraus. Beim Transit wich die Tachoanzeige um 4,3 Prozent ab, beim Vivaro um 2,4 Prozent. Bis auf die Fahrstilana­lyse wurden alle Fahrten immer von der gleichen Person an immer gleichen Uhrzeiten durchgeführt. Die Telematik im Fahrzeug lieferte zudem Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeiten, maximale Drehzahlen und Ausrollkilometer.

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Kostenlos herunterladen Alle Test-Verbräuche im Überblick (JPG)

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

5. Februar 2016
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