Ford Mondeo Turnier, Hyundai i40 und Mazda 6 Kombi 17 Bilder Zoom

Ford Mondeo, Hyundai i40, Mazda 6: Drei Kombis im Vergleichstest

Der sparsame Mazda 6 Kombi mischt die 150-PS-Klasse kräftig auf. Kann er sich auch als Firmenwagen gegen Hyundai i40 Kombi und Ford Mondeo Turnier durchsetzen?

Mitunter verbirgt sich Fortschritt in unauffälligem Gewand. Der Mazda 6 Kombi ist ja ein recht hübsches Auto. Aber sicher keines, für das sich die ­Kollegen die Nase an der Scheibe platt drücken würden. Dass sein hochmoderner, Skyactiv-D genannter Dieselmotor eines der überzeugendsten Triebwerke ist und völlig zu Recht ausgezeichnet wurde, beispielsweise von FIRMENAUTO mit dem ecoFleet-Innovationspreis, sieht man ihm nicht an.

Niedriger Verbrauch, saubere Abgase ohne aufwendige Nachbehandlung und gute Leistungsentfaltung sollen den sehr niedrig verdichteten (14,0 : 1) Selbstzünder auszeichnen, sagen seine Entwickler. In diesem Vergleich muss der Mazda 6 Kombi zeigen, ob er mit der 150 PS starken Ausführung des 2,2-Liter-Diesels gegen die von vergleichsweise her­kömmlichen Motoren angetriebenen Ford Mondeo mit 140 PS sowie den 136 PS starken Hyundai i40 bestehen kann.

Hyundai: gute Ausstattung, aber die Schnäppchen-Zeiten sind längst vorbei

Dass die koreanische Marke auf Augenhöhe mit der europäischen und japanischen Konkurrenz antritt, daran hat man sich gewöhnt. Ein Billigheimer ist der Hyundai i40 jedoch nicht: Mit einem Grundpreis (Style-Ausstattung) von 24.487 Euro ist der Hyundai zwar günstig, aber kein Schnäppchen. Der Testwagen, der in der Premium-Ausstattung antritt, kostet ab 27.504 Euro, allerdings ist er bereits so gut ausstaffiert, dass außer dem Navi (1.268 Euro) nichts ­Wesentliches mehr fehlt. Dem Außendienstler, der viel Gepäck durchs Land fährt, sei zusätzlich das Travel-Paket für 697 Euro empfohlen. Es beinhaltet die elektrische Betätigung der Heck­klappe sowie ein Schienensystem zur Ladungssicherung.

Das Platzangebot im i40 Kombi ist ­ordentlich, jedoch nicht überragend gut. 553 Liter fasst der Kofferraum im Normalzustand, 1.719 Liter sind es maximal bei umgelegter Rückbank. Die in der Neigung verstellbaren Lehnen sind fix umgeklappt, aber wegen des nicht ebenen Ladebodens und des sehr schrägen Hecks ist die Nutzbarkeit etwas eingeschränkt. Zudem ist der i40 wegen der kleinen Fondscheiben bemerkenswert unübersichtlich. Mög­licherweise sind deshalb die Parkpiepser serienmäßig an Bord. Für 1.672 Euro ­extra gibt es beim Premium sogar ein Technik-Paket mit sehr sauber funktionierender Einparkautomatik nebst anderen Zutaten wie adaptivem Fahrlicht, Reifendruckkontrolle und Spurhalteassistenten.

Dass dem im europäischen Hyundai-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim konstruierten i40 etwas Feinschliff fehlt, zeigt er auf der Straße: Das Fahrwerk ­federt zwar nicht unkomfortabel, aber straff und bisweilen polterig. Der Motor kämpft mit einer ausgeprägten Dreh­momentschwäche und die elektrische Servo­lenkung arbeitet direkt und leichtgängig, jedoch auch sehr indifferent.

So fährt sich der Hyundai überaus ­sicher und recht agil, doch so richtig viel Spaß hat man nicht dabei. Freude hat eher der Fuhrparkleiter mit dem Auto, zu­mindest beim Blick auf die fünfjährige ­Garantie und den niedrigen Testverbrauch von 7,0 Litern.

Ford Mondeo Turnier: ausgereift, jedoch schwacher Motor

Seit 2007 gibt es den Mondeo in seiner aktuellen Form, Ende 2014 soll der Nachfolger als europäischer Ableger des in den USA gebauten Ford Fusion kommen. Dabei wäre die Basis bei etwas Modell­pflege durchaus fit für weitere Jahre. Die Karosserie ist für die Mittelklasse fast konkurrenzlos geräumig, 1.728 Liter Maximal­volumen sind selbst eine Klasse höher ­keineswegs selbstverständlich. Zudem ­erweist sich das Gepäckabteil mit seiner ebenen Ladefläche und dem steilen Heck als bestens nutzbar.

Die Qualitäten des Ford beschränken sich zudem nicht auf die kastige Karos­serie. Das Fahrwerk bietet den besten Komfort in diesem Test. Es glättet auch ohne das optionale Adaptiv-Fahrwerk (1.369 Euro) unebene Straßen und verfällt dabei selbst bei hoher Zuladung nicht in knautschige Schaukelei. Wobei eine Niveauregulierung (558 Euro) verhindern würde, dass der Kombi in die Knie geht. Überhaupt präsentiert sich der Ford als Transportmeister, der mit 641 Kilo Zu­ladung die Konkurrenten deklassiert.

Dazu passen die feinfühlige, sensible Lenkung und das kurvenfreudige Einlenkverhalten. Traktionsprobleme hat der Mondeo ebenfalls nicht, auch weil der
140 PS starke Diesel nur verhalten antritt. Bei Beschleunigung und Höchsttempo zieht sich der Motor noch achtbar aus der Affäre. Beim Durchzug in den Gängen fünf und sechs zeigt sich jedoch, dass er mit dem schweren und lang übersetzten Ford überfordert ist. So spurtet der muntere Mazda im höchsten Gang sechs Sekunden schneller von 80 auf 120 km/h, das sind Welten (11,2 statt 17,2 Sekunden).

Zudem verfeuert der Ford-Diesel mehr Kraftstoff als die Motoren von Hyundai und vor allem Mazda. Sein leiser, vibrationsarmer Lauf ist die beste Seite des 140-PS-Triebwerks. Für nur 840 Euro mehr steht in der Ford-Preisliste der 2.0 TDCi mit 163 PS, sicher die bessere Wahl. Und weil wir schon beim Geld sind: Mit einem Grundpreis von 25.672 Euro ist der Mondeo nur 60 Euro teurer als der Mazda 6. Selbst wenn die am Testwagen montierte 18-Zoll-Bereifung (765 Euro) dazugerechnet wird, ist er immer noch etwas billiger als der i40 Kombi, freilich ohne dessen opulente Ausstattung.

Mazda 6 Kombi: toller Motor und einfache Bedienung

Das Loblied auf den Skyactiv-D hatten wir bereits angestimmt. In der Summe seiner Eigenschaften ist das Diesel-Triebwerk einfach überzeugend. Es bietet hier die besten Fahrleistungen, verbraucht am ­wenigsten, läuft zudem leise, kultiviert und bläst so schadstoffarme Abgase aus den Auslassventilen, dass es die Euro-6-Norm auch ohne aufwendige NOX-Nachsorge erfüllt. Dass der Selbstzünder außerdem noch fast so locker hochdreht wie ein Turbobenziner und keinerlei fühlbare Anfahrschwäche aufweist, komplettiert das Bild eines gelungenen Antriebs, ebenso das knackige und passend übersetzte Sechsganggetriebe.

Das Fahrwerk ist wie schon im Vorgänger recht sportlich abgestimmt, die ein oder andere Härte muss die Besatzung in Kauf nehmen, doch dafür verliert der Kombi selbst bei voller Beladung nicht die Contenance. Immerhin darf er 567 Kilogramm zuladen, 56 mehr als der i40.

Geht es um reines Ladevolumen, haben Ford und Hyundai mehr zu bieten. Doch die Rücksitzlehnen lassen sich mit einem Griff flachlegen und schaffen so eine ebene Ladefläche, die sich trotz des schrägen Hecks und der vergleichsweise kleinen Ladeöffnung gut nutzen lässt. Zum Personentransport taugt der Mazda-Rückraum bei hochgeklappten Lehnen natürlich ebenfalls, bietet jedoch nicht die Beinfreiheit des Mondeo. Dennoch ist es im Fond angenehmer als im i40, bei dem das tiefgezogene Dach und die kleinen Fensterflächen für ein höhlenartiges Raumgefühl sorgen.

Günstig erscheint der Preis des Mazda  6. Ab 23.941 Euro ist der Kombi mit 150-PS-Diesel zu haben, 1.680 Euro mehr werden fällig, wenn es wie im Falle des Test­wagens ein besser ausgestatteter Center-­Line sein soll. Der City-Notbremsassistent und die Klimaautomatik sind da schon dabei, nur die Einparkhilfe im Touring-Paket für 756 Euro, Xenonlicht (Technik-Paket, 1.008 Euro) und die fest verbaute Navi­gation von Tom Tom (420 Euro) ­fehlen. Da sage noch einer, Fortschritt müsse teuer sein.

Fazit

Sein seidenweicher, kräftiger und sparsamer Motor ist das größte Plus des Mazda 6. Er beschert ihm den ersten Platz in diesem Test, obwohl der Fahrer des 6er in Sachen Komfort und Platz­angebot Kompromisse machen muss. Genau hier liegen die Stärken des Mondeo. Der Ford mag optisch und auch in Sachen Bedienung in die Jahre gekommen sein, Fahrwerk, Raumangebot und Komfort sind immer noch spitze. Nur der zu schwache Motor überzeugt nicht. Am wenigsten polarisiert der Hyundai. Als »Premium« ist er zwar super ausgestattet, aber auch nicht ganz billig. Und auch sonst bietet er eher Durchschnitt, sodass es nur für Platz drei reicht.

Foto

Achim Hartmann

Datum

31. Oktober 2013
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