VW T5 und Ford Transit Custom 11 Bilder Zoom

Vergleichstest Ford Transit Custom vs. VW T5: Köln gegen Hannover

Vergleichstest: Der Ford Transit Custom will dem VW T5 die Marktführerschaft streitig machen. Schafft er das?

Ford hat viel vor mit dem neuen Transit Custom. Er soll seinen Einstand gleich als bester Transporter geben. Der Test gegen Klassenprimus VW T5 wird zeigen, ob Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

Die beiden sind sich bereits im Winter beim Arctic Van Test in Finnland begegnet. Auf Schnee und Eis hatte der Ford die Nase vorn, weil seine Assistenzsysteme mit der Witterung am besten zurechtkamen. Wie aber sieht es auf trockener Fahrbahn im mitteleuropäischen Frühling aus? So viel sei vorweggenommen: Der Abstand zwischen beiden Produkten ist ebenso gering wie auf Schnee und Eis.

Auch beim Preis. Der VW Transporter hat den Ruf, nicht sonderlich günstig zu sein. Der 2.0 TDI mit kurzem Radstand und drei Tonnen zulässigem Gesamtgewicht kostet 28.435 Euro. Auf 835 Euro weniger kommt der Käufer mit dem Transit Custom 2.2 TDCi mit vergleichbarem Radstand, ähnlicher Ausstattung und 100 Kilo mehr beim zulässigen Gesamtgewicht.

Der Ford ist etwas sparsamer

Auch beim Verbrauch fällt das Urteil zugunsten des Ford aus. Denn zum einen ist der 2,2-Liter-Turbodiesel mit 125 PS 0,3 Liter sparsamer als der Konkurrent. Zudem trägt er 90 Kilo mehr Last.

Der 2.0 TDI des VW kommt auf unserer Verbrauchsrunde auf 8,7 Liter. Dass er bei einer Nutzlast von 900 Kilo (ohne Fahrer) 80 Kilo weniger Ladung mitnehmen kann, liegt schlicht an seinen drei Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, die VW fürs Testfahrzeug als Maximum gewählt hat. Ford dagegen hatte den Transit Custom mit 3.100 Kilo zugelassen. Wer mehr braucht: Eine Auflastung um 200 Kilo kostet bei Ford 600 und bei VW 735 Euro.

VW überholt beim Ladevolumen

Beim Ladevolumen liegt der Ford mit 0,44 m³ hinter dem VW. Das ist der Karosserieform geschuldet. Der Ford ist rund zehn Zentimeter niedriger als der VW und hat zum Dach hin eine rundlichere Form. In der Grundfläche unterscheiden sich die beiden Transport-Profis dafür kaum. Beide Hersteller haben bei der Entwicklung die Maße von Europaletten berücksichtigt und dafür gesorgt, dass drei Ladungsträger quer ins Auto passen.

Bleibt die Frage, wie viel Freude das Fahren bereitet. In Sachen Fahrwerk und Regelsysteme hatte der Ford Transit auf dem finnischen Eis eine bessere Figur gemacht als der VW. Von dieser Differenz ist auf Asphalt allerdings nur wenig zu spüren. Beide Kandidaten machen ihre Sache gut. Die nötige Straffheit bei schnellen Kurvenfahrten bieten Ford und VW gleichermaßen. In Letzterem reist man aber eine Spur komfortabler, schon wegen der leiseren Geräuschkulisse in der Kabine.

Bessere Ergonomie im VW

Überhaupt fühlt sich der Fahrer im VW um einiges besser aufgehoben als im Transit. Der T5 bietet klar strukturierte Armaturen, ein gutes Raumgefühl und zahlreiche nützliche und gut durchdachte Komfortelemente. Dazu gehört auch eine Einrastfunktion für den nach oben öffnenden Handschuhfachdeckel. Den könnte Ford gut brauchen. Denn der dort verbaute Deckel klappt immer wieder sofort zu, sodass man das Fach während der Fahrt kaum nutzen kann. Zudem ist die Kabine im Transit kleiner und enger. Dickere Fahrer haben beim Ein- und Aussteigen da ihre liebe Mühe. Hat der Fahrer erst einmal Platz genommen im Transit, schlägt ihm eine größere Zahl an Knöpfen und Reglern entgegen. Eine Übersicht muss sich der Fahrer hier hart erarbeiten, die er im VW durch das intuitive Bedienkonzept bekommt.

Der Antriebsstrang des VW bereitet ebenfalls mehr Freude. Sein Getriebe ist gefälliger und bringt die Motorkraft harmonischer an die Räder. Mit nur minimal mehr Leistung als beim Ford erhält der Fahrer mit dem VW einiges mehr an Fahrspaß.

Der Transit Custom ist im ersten Gang sehr träge. Bei etwa 1.800 Umdrehungen gibt es ein kurzes intensives Hoch beim Vortrieb, das nicht lange anhält. Erst mit dem zweiten Gang verläuft das Drehmoment etwas harmonischer. So macht häufiges Anfahren in der Stadt nur bedingt Freude. Da Ford die Motoren bald auf  Euro 6 umstellen muss, können die Kölner ja noch nachbessern.

Ford mit längerem Bremsweg

Ein bisschen Luft nach oben hat der Ford auch beim Bremsweg. Das voll beladene Fahrzeug steht aus 100 km/h erst nach 42 Metern und damit einen Meter später als der VW. Sind die Bremsscheiben warm, verringert sich der Abstand zwar, aber nur um etwa zehn Zentimeter.

Nur wenig Nachholbedarf hat Ford dafür bei den Fahrerassistenzsystemen. Hier ist der Transit Custom auf der Höhe der Zeit und bringt serienmäßig neben den gängigen Systemen auch einen Notbrems- sowie einen Notrufassistenten mit, der beim Auslösen eines Airbags über ein verbundenes Mobiltelefon die Einsatzkräfte zum Unfallort lotst. Zudem gibt es als Sonderausstattung einen Spurhalteassistenten im Paket mit Müdigkeitswarner sowie einer Einparkhilfe samt Rückfahrkamera, die auch kleine Parklücken befahrbar macht.

Abstand zum VW schaffen diese Systeme allerdings nicht, denn die Hannoveraner bieten diese ebenfalls an. Das gilt auch für die Anhängerstabilisierung in Verbindung mit einer Anhängevorrichtung. Wer einen Hänger zieht, sollte auch darauf achten, ob ein digitaler Tachograf im Fahrzeug sein muss. Denn der kostet auch extra und sollte bei der Bestellung gleich mit auf der Liste stehen.

VW gewinnt knapp

Der Abstand zwischen den beiden Transportern fällt im mitteleuropäischen Frühling knapp zugunsten des VW aus. Er wirkt insgesamt etwas reifer als der Ford und dürfte beim Restwert auf dem Gebrauchtmarkt auch etwas besser dastehen. Dennoch schlägt sich der Neuling tapfer und zeigt, dass er ganz oben mitspielen kann. Das Zeug dazu, den VW vom Thron zu stürzen, hat er noch nicht. Aber ernst nehmen müssen die Hannoveraner den Transit Custom in jedem Fall, denn er begegnet dem VW Transporter durchaus auf Augenhöhe.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

8. Juli 2013
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