Alfa Romeo Giulietta, Citroen DS4 und VW Beetle 13 Bilder Zoom

Vergleichstest - Giulietta, DS4 und Beetle: Wir können auch anders

Focus, Astra, Golf sind zu langweilig, auf Raumangebot und Betriebskosten pfeifen die Kollegen? Dann bringen Sie doch mal Alfa Romeo Giulietta, Citroën DS4 und VW Beetle als Firmenwagen ins Spiel.

Gleich mal eine Warnung vorneweg. Dieser Vergleichstest fällt etwas aus dem Rahmen. Selbstverständlich haben wir die drei Testkandidaten gemessen. Wir haben natürlich objektiv bewertet, welcher am meisten Platz bietet, am komfortabelsten federt und die günstigsten Betriebskosten generiert. Selbstverständlich finden Sie gewohnt am Ende ein Fazit, in dem wir Ihnen den Sieger präsentieren.

Ausnahmsweise dürfen Sie das komplett ignorieren. Denn haben sich Ihre Fahrer erst mal in Giulietta, DS4 oder ­Beetle verliebt, pfeifen sie auf alle Objektivität. Sie finden, der Alfa lässt sich doch sensationell bedienen? Der Citroën federt weich genug? Die 366 Kilo Zuladung des VW genügen? Dann lassen Sie der Liebe freien Lauf und küren Sie Ihren Favoriten selbst.

Alfa: selbstbewusste Kurvenstürmerin

Bei Alfa leben sie seit 1910 die Tradition des Besonderen. Auch die erste Giu­lietta, 1954 bis 1964 gebaut, war keine Mainstream-Mutti, sondern stolze Mailänder Emanze. Sie befreite sich vom Kleinwagen-Image, trug stolz moderne Technik unter dem schnieken Blechkleid. Julchens Erbe führt die Giulietta anno 2013 fort. Mit einer aufwendigen Mehrlenker-Hinterachse kurvt sie beherzt, agil und lastwechselliberal um Biegungen. Noch immer passt die Sitzposition für kurzbeinige/langarmige Fahrer am besten und die elektrisch servounterstützte Lenkung fordert für ordentliche Präzision hohe Kräfte. Damit kann man sich arrangieren.

Wie mit dem in diesem Vergleich besten Platzangebot, vorne wie hinten. Das geräumige Cockpit haben die Italiener stilvoll eingerichtet, wenngleich nicht nach den jüngsten Erkenntnissen von Ergonomie und Massivbauweise. So gibt es ein Infotainmentsystem, dessen Bedienung dazu motiviert, sich mal wieder auf traditionelle Werte wie die Kunst des Kartenlesens oder die Freude am eigenen Gesang zu besinnen.

Den passenden Beat dazu liefert der Diesel, er nagelt den turbogedämpften Vierertakt des Selbstzündens. Er zählt nicht zu den Feurigsten, treibt den Alfa aber mit freundlicher Unterstützung der knackigen Sechsgangbox flott voran. Federung? Na ja. Verbrauch? Geht so. Wiederverkauf? Wir müssen doch bitten. Wer schon zu Beginn der Liaison die Scheidungskosten hochrechnet, hat das wunderbar zickige Julchen nicht verdient.

Ein Citroën, wie ihn Fans der Marke lieben

Auf die Frage, was der DS4 sein soll, gibt es eine umständliche Antwort: ein etwas hochgesetzter, aber nicht geländetauglicher, coupé-ambitionierter, aber viertüriger, nicht geräumigerer, aber teurerer Ableger des C4. Die kürzere Antwort: Der DS4 ist endlich wieder ein echter Citroën. Seltsam, dass so viele Menschen, die der Firma Langeweile vorgeworfen haben, sich nun an Details stören wie den nicht versenkbaren Fondscheiben, der zu hohen Sitzposition, schlecht ablesbaren Instrumenten, ulkiger Bedienung oder der schlechten Rundumsicht.

Benörgeln wir nicht den engen, dunklen Fond, feiern wir lieber Feinsinnigkeiten wie versteckte Türöffner, die changierende Instrumentenbeleuchtung und eine Ausstattung, die von 18-Zoll-Alus über kuschelige Ledersitze bis zur Panorama-Frontscheibe reicht. Dann legt der laufkulturell bewanderte Diesel los, zerrt den DS4 dank 340 Nm mit solch elastischer Vehemenz voran, dass viel Herumgerühre im gut gestuften, aber hakeligen Sechsganggetriebe nicht nötig ist.

Dass der Wind über 150 km/h heftig um die Karosse brandet, mindert den Komfort weniger als die Federung, die vor allem kleine Unebenheiten eher ignoriert als absorbiert. Die große Reise liegt dem Citroën mehr als kurvige Provinztouren. Dafür zeigt er eine zu große Begeisterung für den Fahrzustand des Untersteuerns, spricht die Lenkung zu unpräzise an. Und wegen heftiger Antriebseinflüsse enden Kurven oft in einem Handgemenge mit dem Volant. Doch dann siehst du durch die große Frontscheibe die Sonne über den Baumwipfeln blinzeln und ahnst, dass es manchmal wichtiger ist, Dinge mal anders als nur besser zu machen.

Beetle: Humor als ernste Sache

Doch genau ums Bessermachen ging es VW beim Beetle. Den Neuen nennen sie nun The 21st Century Beetle, was eigentlich bedeutet, dass es in diesem Jahrhundert keinen anderen mehr geben dürfte. Weil er schon im Herbst 2011 kam, trägt er noch das Unterzeug des Golf VI, ist also noch nicht quer moduliert. Das ändert aber nichts an der Sorgfalt der Verarbeitung, Leichtigkeit der Bedienung und Nachhaltigkeit des Werterhalts. Vielleicht erstaunt uns das ja am meisten: wie ernsthaft man in Wolfsburg ein Spaßauto konstruiert.

So gelingt es dem Beetle spielend, funktionelle Schwächen seines Konzepts – enger Fond, kleiner Laderaum oder knappe Zuladung – und seine karge Ausstattung auszugleichen: mit sachter Federung, sicheren Fahreigenschaften und bequemen Sitzen selbst im Fond. Vorn integrieren sie die Passagiere tief ins Auto, was die Kurventalente dynamischer erscheinen lässt, als sie wegen der etwas gefühlskühlen Lenkung tatsächlich sind. Das Cockpit mit großem Tacho und zweitem Handschuhfach soll wie die steilen A-Säulen an den Käfer erinnern. Nur der Motor ist nicht mehr so präsent wie früher, sondern zurückhaltend in Geräusch, Temperament und Verbrauch. Weil er ein VW ist, kann The ­Beetle eben The Vernunft nicht lassen.

Fazit

Jetzt also die Fakten: Der Beetle gewinnt mit niedrigem Verbrauch, sicheren Fahreigenschaften und gutem Komfort und überzeugt auch den Fuhrparkleiter mit dem günstigen Preis, bei allerdings magerer Ausstattung. Ganz knapp dahinter der sehr gut ausgestattete und vehement befeuerte DS4, der nur ein paar Schwächen in Sachen Komfort und Bedienung zeigt, aber eben ein Citroën ist, wie ihn die Fans der Marke lieben.

Der Giulietta fehlt es nicht an Talenten, eher an ihrer Ausprägung. Mehr Feuer, weniger Durst und etwas Feingefühl beim Federn wären gut. Dafür lockt sie mit viel Platz und rennt ums Eck, wie man es von einem Alfa erwartet. Und – wie entscheiden Sie sich? Lassen Sie doch einfach mal Ihrem Gefühl freien Lauf!

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Datum

29. Oktober 2013
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