BMW 320d, Jaguar XE 20d, Mercedes C250d 23 Bilder Zoom

Vergleichstest Mittelklasse: Edel und teuer

Billig können andere: In der Premiumklasse geht’s ums Prestige, aber auch um neueste Technik. Wer den besten Firmenwagen für den gehobenen Außendienst baut, klärt der Vergleichstest zwischen Jaguar XE 20d, BMW 320d und Mercedes C 250 d.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Markenimage zieht immer noch. Da mag sich der Fuhrparkleiter wegen der hohen Grundpreise noch so winden, die Kollegen des gehobenen Außendiensts sind anspruchsvoll. Wenn sie mit Autos der Mittelklasse unterwegs sind, führt kaum ein Weg an BMW, Mercedes und nun auch an ­Jaguar vorbei. Denn die Briten melden sich mit einem Paukenschlag in dieser wichtigen Klasse zurück. Im Gegensatz zum glücklosen, bis 2009 gebauten und von dem Ford Mondeo abgeleiteten X-Type ist der Jaguar XE ein ehrgeiziges, von Grund auf neues Eigengewächs der Briten.

Schau’n wir mal, denn neben dem automatisch geschalteten Jaguar XE 20d Prestige mit 180 PS für 34.663 Euro stehen jetzt auch die beiden Platzhirsche als Sparringspartner bereit. Beide treten ebenfalls in der beliebten Kombination von Vierzylinder-Diesel und Automatikgetriebe an. Der Mercedes C 250 d mit Avantgarde-Exterieur und 204 PS kommt schon ab Werk mit Automatik zum Preis von 38.174 Euro. Der frisch renovierte BMW 320d hat nun 190 PS und tritt in üppiger Luxury-Ausstattung an, die den Grundpreis von 33.110 auf 37.773Euro ­liftet. Zudem haben alle Testwagen ­Optionsfahr- werke und -räder (18 Zoll) sowie weitere klassenübliche Extras an Bord, die noch mal mit ein paar Tausendern zu Buche schlagen.

3er BMW: ein Fall für Dynamiker

Dass der 3er hier als Luxury antritt, bedeutet zwar serienmäßige Nettigkeiten wie heizbare Ledersitze, Echtholzdekor und Chromzier, aber keinen Charakterwandel. Im Gegenteil: Zum Modelljahr 2016 hat BMW das fahrdynamische Profil auf Hochglanz poliert, Handling und Lenkung noch gefühlsechter gemacht. Die straffere Grundabstimmung mit geänderten Dämpfern ergibt zusammen mit der variablen Sportlenkung (210 Euro) und dem adaptiven Fahrwerk (924 Euro) ein enorm präzises, agiles und freudvolles Kurvenverhalten, dazu die schnellsten Geschwindigkeiten beim Slalom und doppelten Spurwechsel. Noch Fragen?

Ja, zum Komfort etwa. Schon das bisherige Modell war ja keine Sänfte und Querfugen kommen nun noch etwas trockener durch, im Sportmodus beinahe hart. Wenn hohe Zuladung und üble Holperpisten aufein­andertreffen, kann die Hinterachse sogar auf Block gehen, das Auto seitlich versetzen. Kein Drama und erst recht kein Sicherheitsrisiko, doch die Rivalen stecken solche Verwerfungen spürbar ruhiger und souveräner weg, obwohl der BMW nominell am wenigsten Ballast (380 Kilo) verträgt.

Umso entschlossener legt sich der neue Zweiliter-Diesel ins Zeug, der zwar nicht mit besseren Manieren, aber mit mehr Leistung (190 PS) und Drehmoment (400 Nm) als zuvor auftrumpft. Er wirkt ungemein lebendig und drehwillig, bekommt von der Sportautomatik treffsicher und fast unmerklich den passenden Gang serviert und schafft dank seines 120 Kilo niedrigeren Leergewichts praktisch die gleichen Fahrleistungen wie der stärkere Mercedes. Einen Verbrauchsvorteil zieht er daraus jedoch nicht, denn mit 6,7 l/100 km genehmigt er sich exakt so viel wie das Vormodell und etwas mehr als die Konkurrenz.

Im Gegenzug packen die Bremsen sehr vehement und standfest zu, die Sicherheitsaus-stattung ist reichhaltig und effizient, auch Ergonomie und Platzangebot stimmen. In der Bedienung via iDrive-Controller setzt der 3er ohnehin die Maßstäbe und selbst das bislang eher durchschnittliche Interieur wirkt nun im Detail hochwertiger. Ein starkes Gesamt- paket also und ein schwerer Gegner, den sich die Macher des XE als Messlatte
gewählt haben

Jaguar XE: ein Freund der Balance

Nicht stilistisch, wohlgemerkt, da tritt die Jaguar-Limousine bei sehr ähnlichen Abmessungen auf subtile Art eigenständig und besonders auf. Der breite Grill etwa erinnert an den ersten XJ und auch der coupéhaft flache, sanft ins Heck auslaufende Dachpavillon hat bei Jaguar ­Tradition. Dass er Einstieg und Platzverhältnisse im Fond etwas beschneidet, lässt sich da ebenso verschmerzen wie die mäßige Sicht speziell nach hinten und der unebene Ladeboden unter der kleinen Heckklappe.

Die Schwächen in der Verarbeitung können dagegen selbst die schönen, aber dünn gepolsterten Ledersitze mit dekorativen Ziernähten kaum verbergen: Verkleidungen mit unterschiedlicher Optik und Materialgüte, unsaubere Passungen sowie triste, kontrastarme Instrumente wirken für Preisklasse und Anspruch zumindest lieblos, die Karosseriequalität noch nicht ganz geschliffen und reif. Bei nächster Gelegenheit könnte man gleich noch für mehr Ablagen und eine weniger umständliche Bedienung des Touchscreen-Infotainments sorgen.

Nach dem Anlassen per Startknopf setzt der neue Zweiliter-Diesel die trotz hohen Alu-Anteils nicht gerade leichte Fuhre (1.638 Kilo) grummelnd in Bewegung. Seine kleine Anfahrschwäche kaschiert die Achtstufenautomatik mit Wandlerschlupf, doch bei Zwischenspurts oder beim Herausbeschleunigen aus Kurven agiert sie oft langsamer und unschlüssiger als das baugleiche Aggregat im BMW. Dass der XE nicht ganz so vehement beschleunigt, macht er mit dem geringsten Testverbrauch in dieser Runde (6,2 l/100 km) wieder wett.

Am meisten Begeisterung wecken allerdings sein leichtfüßiges, beschwingtes Handling und die homogene, direkte elektromechanische Lenkung. Zwischen dem Tatendrang des 3er und der Zurückhaltung der C-Klasse hat der Jaguar seinen eigenen Weg gefunden, folgt punktgenau und geschmeidig fließend dem eingeschlagenen Kurs. Trotz straffer Grundabstimmung kommt dabei auch der Komfort nicht zu kurz und neben den guten Bremsen erleichtern sogar die günstigen Kosten samt drei Jahren
Garantie und Gratis-Inspektionen die Entscheidung für den XE

C-Klasse: ein Herz für Sanftmütige

Dagegen stand die C-Klasse noch nie unter Schnäppchenverdacht, zum höchsten Grundpreis gibt es hier nur die magerste Ausstattung. Aber für gutes Geld ist fast alles zu haben, speziell das Angebot an Komfort- und Sicherheitsassistenten lässt weder in Umfang noch Qualität Wünsche offen. Umso erstaunlicher, dass die Bremsen schwächeln und in der Verzögerung besonders hinter den sehr ­guten BMW-Werten zurückbleiben.

Überhaupt scheint der C 250 d eher jede Dynamikanwandlung des Fahrers klassische Markentugenden wie Qualität oder Komfort und das Gefühl »schwerer Wagen«. Abrupte Fahrmanöver meistert er zwar ähnlich sicher und gelassen wie die Rivalen, wiegt seine Passagiere aber lieber mit der optionalen Luftfederung (1.190 Euro) über Holperpisten hinweg. Dass er harte Querfugen und hohe Zuladung nicht ganz so locker wegsteckt, ändert nichts an seiner Sonderstellung in dieser Disziplin.

Selbst der doppelt aufgeladene 2,1-Liter-Diesel mit 204 PS und 500 Nm hält sich akustisch zurück, überspielt mit der Wucht seines Drehmoments die bis­weilen zögerlichen Gangwechsel der ­Siebenstufenautomatik und das hohe Leergewicht. Zudem macht sich die ­massive Bauweise nicht in gedämpftem Temperament oder erhöhtem Verbrauch
bemerkbar, sondern in einer uner­schütterlichen Solidität bis in den Innenraum. Dabei hat er nicht mehr Platz als der 3er, dem er am Ende den Sieg überlassen muss.

Ein großer Sprung für Jaguar

Dem Jaguar XE fehlen in der Summe noch ein paar Punkte mehr, vor allem bei Qualität, Bedienung und Sicherheitsausstattung zeigt er Schwächen. Doch der Abstand zur Konkurrenz schrumpft, vor allem, weil der Jaguar günstiger ist und deshalb im Kostenkapitel kräftig punktet. Was bleibt, ist sein hoher Imagefaktor. Es muss ja nicht jeder wissen, dass der kleinste der Sippe ausgerechnet beim Preis-Leistungs-Verhältnis den größten Sprung gemacht hat.

BMW 320d

Mit der Modellpflege hat der 320d sein dynamisches Profil geschärft, zulasten des Federungskomforts. Der neue Diesel ist spritzig, aber nicht sonderlich kultiviert oder sparsam. Außerdem punktet er mit günstigen Unterhaltskosten.

Jaguar XE 20d

Der XE verbindet Agilität und Komfort zu einem erfrischend leichtfüßigen Fahrgefühl, ist dabei sparsam und relativ günstig. Verarbeitung und Bedienung können noch Feinschliff vertragen, aber zumindest in Sachen Infotainment ist Besserung in Sichtweite. Dafür schont er das Budget.

Mercedes C 250 d

Für entspanntes Streckemachen ist der C 250 d mit optionaler Luftfederung und dem leisen, druckvollen Diesel erste Wahl. Der üppigen Sicherheitsausstattung stehen mäßige Bremsen gegenüber. Und am Ende verhagelt der hohe Preis und die damit verbundenen hohen Betriebskosten den Sieg

Autor

,

Foto

Achim Hartmann

Datum

9. Oktober 2015
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