Hyundai i40, Opel Insignia ST, Peugeot 508 SW, VW Passat Variant 20 Bilder Zoom

Vergleichstest: Ist der neue VW Passat zu schlagen?

Business? Ja. Privatnutzung? Aber sicher, können wir auch. Für den Firmenalltag empfehlen sich Mittelklassekombis als solide Allrounder. Hyundai i40 Kombi, Opel Insignia Sports Tourer und Peugeot 508 SW treten gegen den neuen VW Passat Variant an.

Geht es um geräumige Kombis, die für lange Strecken taugen, jede Menge Vertreter-Gepäck im Heck bunkern und auch noch als Reisemobil für die Belegschaft dienen sollen, so kommt man an den Mittelklassekombis nicht vorbei. Vor allem aber kann man den VW Passat nicht links liegen ­lassen, der seit Jahren die Statistik als ­beliebtester Firmenwagen anführt.

Im vergangenen November kam dessen Neuauflage auf den Markt. Dabei hat VW den Passat quasi neu erfunden. Die achte Generation will mit schärferen ­Linien im Blech, mehr Radstand und ­vielen Innovationen in Sachen Sicherheit und Multimedia wieder ganz vorne mitspielen im Geschäft mit den Firmen­kunden. In diesem Vergleichstest tritt er gegen die als Geschäftswagen ebenso ­etablierten Kombis Hyundai i40, Opel ­Insignia und Peugeot 508 an.

Hyundai i40: der Pflichtbewusste zum günstigen Preis

Der Korea-Kombi kostet in der getesteten Ausstattung Style schlanke 25.126 Euro und hat sich einen Namen als sehr geräumiger Kumpeltyp gemacht. Vorn wie hinten bietet er luftige Platzverhältnisse, wobei die Rücksitzbank reichlich tief montiert ist, was größeren Mitfahrern wenig Oberschenkelauflage beschert und etwas zu stark gebeugte Hüft- und Kniegelenke.

Das Gepäck wird über eine angenehm tief liegende Ladekante verräumt. Dafür  stehen geräumige 553 bis 1.719 Liter zur Verfügung, die Zuladung ist aber mit 534 Litern eher knapp bemessen. Vielleicht wurde sie ja mit Rücksicht auf den etwas kleinen Motor so früh begrenzt? Als Einziger braucht der Hyundai aus dem Stand auf 100 km/h mehr als zehn Sekunden, bei 200 km/h wird abgeregelt. Doch erheblicher als das ist die Durchzugs-schwäche des 1,7-Liters, der tatsächlich noch ein spürbares Turboloch pflegt. Ein Wunder an Laufkultur ist er auch nicht und der Testverbrauch von 7,6 Litern beweist, was viele Flottenmanager längst aus der Praxis wissen. Wenig Hubraum und wenig Leistung bringen nicht zwingend Sparrekorde, denn der Fahrer gibt eben mehr Gas und dreht die knorpelig zu wechselnden Gänge höher aus.

In Sachen Fahrerassistenz (lediglich Einpark- und Spurhalte-Assistent sind lieferbar) und Konnektivität ist der ­Hyundai ebenfalls nicht mehr up to date. Allerdings dürfte sich da bei der für den Frühsommer 2015 angekündigten Modellpflege etwas tun.

Bleibt zu hoffen, dass die Ingenieure auch etwas am Fahrwerk feilen. Derbere Wellen verdaut er nur unwillig, ohne als Ausgleich besonders dynamisch ans Werk zu gehen. Dazu ist die in ihrem Charakter justierbare Lenkung zu gefühllos und indirekt und das Handling mit frühem Untersteuern zu betulich.

Im Alltag kann man mit dem i40 dennoch gut leben. Die Vordersitze stützen den Körper an den richtigen Stellen und geben ihm guten Halt, die Bedienung verzichtet auf Spielereien und ist schnell gelernt. Beim Rangieren wünschte man sich eine bessere Rundumsicht, speziell nach schräg hinten. Doch serienmäßige Parksensoren vorn und hinten können ja helfen, das Schlimmste zu vermeiden. ­Eine entschlossenere Geräuschdämmung wäre nett für mehr Ruhe bei hohem Tempo. Das kann die Konkurrenz besser als dieser Hyundai, der sich als solider Pflichterfüller präsentiert. Die Fünfjahresgarantie passt da ins Bild.

Opel Insignia: der Ausgewogene mit der Business-Ausstattung

Zufällig bringt uns die alphabetische Ordnung der Testwagen beim Opel zum zweitbilligsten Auto dieser Runde: Nur 26.037 Euro kostet der 170 PS starke 2.0 CDTi in der Business Edition. Allerdings versteckt Opel diese nicht nur für Käufer eines Geschäftswagens interessante Variante verschämt irgendwo weit hinten in der Preisliste und verwirrt damit den Kunden. Kann es tatsächlich sein, dass die Business Edition trotz besserer Ausstattung fast 800 Euro weniger kostet als das weiter vorne aufgeführte Einstiegsmodell Edition?

Es kann! Serienmäßig an Bord sind etliche gerade für Vielfahrer interessante Extras wie körpergerecht geformte und umfangreich einstellbare Vordersitze. ­Zusätzlich bekommt der Käufer Navigation, Parksensoren, Freisprech-Telefonie und Sitzheizung vorn.

Auch ohne adaptive Dämpfer federt der Test-Insignia ausgesprochen gut, obwohl er mit 17-Zöllern (352 Euro) ausgerüstet war. Die Lenkung berichtet zwar nicht so penibel wie gewünscht vom Dialog zwischen Reifen und Asphalt, ist aber auch keinesfalls eine Spaßbremse. Flotte Kurven? Geht, nur tanzt gelegentlich das Heck des Opel ein wenig aus der Reihe.

Immer wieder erstaunlich, wie eng der Innenraum trotz stattlicher Abmessungen wirkt. Gerade im Fond ist der Raum­eindruck bedrückend, da die abfallende Dachlinie flache Seitenscheiben bedingt und die massiven hinteren Dachsäulen Licht schlucken.

1.530 Liter Kofferraumvolumen sind für jeden voll bepackten Außendienstler eine Enttäuschung, während der Blick aufs beim Facelift knopfreduzierte Armaturenbrett erst einmal Freude macht. Ganz durchdacht ist die Regelung von Temperatur und Sitzheizung mittels berührungsempfindlicher Felder aber nicht, denn mangels Rückmeldung muss der Fahrer trotzdem hinschauen, um zu kontrollieren, ob er richtig getroffen hat.

Zum Test stand uns leider noch nicht der neue, grundlegend überarbeitete und Euro-6-taugliche 170-PS-Diesel zur Verfügung. Die 163-PS-Variante des 2.0 CDTI ist kein Leise­treter, hängt aber gut am Gas, kompensiert das hohe Gewicht des ­Insignia mit viel Dreh­moment und macht diesen Opel zu einem flotten Auto mit angemessenem Verbrauch. Man darf davon ausgehen, dass der sieben PS stärkere Diesel noch druckvoller an die Arbeit geht.

Peugeot 508: der Unaufgeregte mit dem sparsamen Motor

Flott und sparsam, diese Eigenschaften gelten auch für den eben erst modell­gepflegten Peugeot 508 SW. Auf unserer zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunde genehmigt er sich im Schnitt nur 4,7 Liter. Den niedrigen Verbrauch kombiniert der Franzose mit noch mehr Laufkultur des Motors als der Opel, was mit der guten Geräuschdämmung und den dick gepolsterten, angenehm geformten Sitzen einen schönen Fahrkomfort ergibt. Nur in der zweiten Reihe, wo lang geratene Mitfahrer mit den Beinen leicht an die Vordersitzlehnen stoßen, fehlt es ein wenig an nutzbarer Sitztiefe.

Üppig ausgestattet inklusive Teillederpolstern, Panoramadach und Navigationssystem mit Notruf-Funktion, entschädigt der 508 SW Allure für den ziemlich strammen Grundpreis von gut 30.000 Euro. Dafür gibt es allerdings keine sonderlich penible Verarbeitung. So führt die Motorhaube bei schneller Fahrt ein flatterndes Eigenleben und auf wirklich schlechtem Pflaster, wo die ansonsten recht schmusige Federung bei hoher Zuladung gern mal durchschlägt, knarzt und klappert es aus diversen Ecken.

Dennoch bringt der 150 PS starke ­Peugeot Spaß beim Fahren, denn er liegt in Kurven neutral, folgt seiner durchschnittlich ambitionierten Lenkung verlässlich, hat genügend motorischen Punch und fordert nur wenig Kraftaufwand für Lenkung, Pedale und Schalt­hebel. Wer meckern will, findet allerdings Gründe dazu. So öffnen die vorderen Türen nicht sehr weit und die Bedienung ist nicht wirklich funktional mit verstreuten Tasten bis zu einem weit links versteckten Startknopf.

Den 508 erstmals zu besteigen, am besten noch in einer dunklen Tiefgarage, ist kein Vergnügen. Ziemlich ambitionierter Technik bis hin zu Voll-LED-Scheinwerfern stehen Ungereimtheiten im Bediendetail gegenüber, die auch nach längerem Umgang mit dem großen Peugeot nicht plötzlich als logisch erscheinen

VW Passat: der Perfektionist für die lange Strecke

Diese Probleme hat man mit dem Passat Variant nicht. Okay, sich mit den passenden der insgesamt 18 Lenkradtasten durch die Menüs zu hangeln, die auf dem Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser angezeigt werden, ist ein wenig mühsam. Doch es gibt ja immens viel einzustellen, wenn bei der Bestellung des 28.214 Euro teuren 2.0 TDI Comfortline viele Kreuzchen in der Preis­liste gemacht wurden. In Sachen Fahrerassistenz ist der Passat nämlich ebenso spitze wie bei Multimedia und Konnektivität. Selbst ein WLAN-Hotspot ist im Programm.

Über aller Elektronik-Versessenheit haben die Entwickler zum Glück nicht die Primärtugenden eines Autos aus den Augen verloren. Es soll gut fahren und das kann der Passat wirklich. Ausgerüstet mit den Adaptivdämpfern (991 Euro) und etwas breiteren Reifen (1.000 Euro) gefällt er im Comfort-Modus mit beachtlichem Schluckvermögen sowohl auf fiesen Fugen wie auf längeren Wellen. Hier übertrumpft er sogar den Opel Insignia, was angesichts von dessen Standard-Fahrwerk aber auch erwartet werden darf.

Andererseits lässt sich mit dem Passat, der gegenüber dem Vorgänger im Radstand um gut acht Zentimeter zulegte, herrlich beschwingt über Landstraßen räubern. Die Lenkung lässt präzise spüren, wohin die Reise geht, und das lange Auto folgt dem vorgegebenen Kurs stets neutral und leichtfüßig. Hinterlist, böse Reaktionen bei erschrecktem Gaswegnehmen in Kurven? Nichts davon. »GTI-Feeling im Kombi«, brachte es ein Kollege auf den Punkt.

Dass der Passat, dessen Armaturenbrett mit einer durchgängigen Gitterleiste den Kühler- grill zitiert, bis auf die knappe Zuladung nichts anbrennen lässt, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Kofferraum? Ein Ballsaal mit bis zu 1.780 Liter Volumen, unter dessen (bei herausgezogenen Fondkopfstützen) ebenem Boden sich das Laderaum-Rollo perfekt verstauen lässt. Variabilität? Bestens mit klappbarem Beifahrersitz (79 Euro) und dreiteiliger Rücksitzlehne. Platzangebot? Vorne sehr gut, hinten so generös, dass jede ­Alleinfahrt wie Verschwendung wirkt. Klima-, Geräusch- und Sitzkomfort? Gut, bis auf die straff ­gepolsterte Sitzfläche der Comfort-Sitze (991 Euro). Bremsen? Die Besten in dieser Runde.

Der laufruhige Motor, der unangestrengt die besten Fahrleistungen beim niedrigsten Testverbrauch bietet, macht die gute Vorstellung komplett. Ergebnis nach diesem Spieltag: Die anderen drei können es, klar. Der Passat ist zwar aus­stattungsbereinigt am teuersten, doch er kann es mit großem Abstand am besten.

FAZIT:

Der VW Passat fährt einen ungefährdeten Sieg ein. Die Kostenwertung verliert er zwar wegen des hohen Preisniveaus bei wenig spendabler Ausstattung. Doch in der Summe der Eigenschaften überzeugt er am meisten. Platz zwei geht an den Opel Insignia. Er punktet vor allem mit seiner umfangreichen und günstigen Business-Ausstattung. Raumangebot und Fahrsicherheit sind dagegen verbesserungswürdig, während der Komfort in Ordnung geht.

Der Peugeot 508 ist zwar der Teuerste, bietet aber sehr viel Ausstattung. Selbst das Navi ist inklusive. Sein kräftiger Motor macht Spaß und erfreut speziell bei zurückhaltender Fahrweise, bei der er wenig verbraucht. In Sachen Bedienbarkeit und Funktionalität bleibt Luft nach oben. Die rote Laterne geht an den ­Hyundai i40. Viel Platz, eine weitgehend rätselfreie Bedienung und der günstige Preis genügen nicht mehr gegen die starke Konkurrenz. Bleibt abzuwarten, wie umfangreich die jetzt anstehende Modellpflege ausfällt.

Autor

,

Foto

Dino Eisele

Datum

30. Januar 2015
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