VW Polo, Renault Clio und Ford Fiesta 13 Bilder Zoom

Vergleichstest sparsame Kleinwagen: Neue Rivalen für den VW Polo

Der Kleinwagen-Primus VW Polo bekommt frische Konkurrenz: Mit ihren sparsamen Dreizylinder-Turbomotoren wollen der neue Renault Clio und der geliftete Ford Fiesta den Testsieger vom Thron stoßen.

Sie haben in den siebziger oder achtziger Jahren den Führerschein gemacht? Dann hat im Freundeskreis bestimmt jemand einen Polo Fox gehabt – der mit dem schwarzen Nichts neben dem Tacho, eine Uhr gab es erst in den höheren Ausstattungslinien. Vielleicht auch einen Basis-Fiesta, dessen 40-PS-Vergasermotor sich zu wilden 132 km/h aufraffte und sich dafür acht Liter auf 100 Kilometer genehmigte. Die Provence-Urlaube im Clio-Vorgänger Renault 5 ­lassen sich rückblickend ebenfalls nur dann verklären, wenn man das gurt- und kopfstützenfreie Dasein der frühen Exemplare nicht berücksichtigt. Dagegen sind aktuelle Kleinwagen echte Luxusgefährte, bei denen schon die Einstiegsmodelle mit mehreren Airbags und ESP auf Sicherheit getrimmt werden.

Ford Fiesta: Spaß beim Fahren, Freude an der Tankstelle

Für den renovierten Fiesta bietet Ford zudem Assistenzsysteme an, die sich noch nicht einmal in der Mittelklasse flächendeckend durchgesetzt haben. So scannt sein Active City Stop (im Paket für 350 Euro) per Laser 50 Mal in der Sekunde den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen, um im Notfall bis Tempo 30 selbstständig zu bremsen. Über das ­Multimedia-System Sync lassen sich wiederum Radio und Telefon per Sprache bedienen. Darüber hinaus informiert es nach einem Unfall Rettungskräfte über die exakte Position des Fahrzeugs.

Doch nicht nur die Elektronik des ­Fiesta wurde verfeinert. Mit seinem neuen Kühlergrill und der stärker profilierten Motorhaube geht er glatt als Westentaschen-Aston-Martin durch, was gut zur geplanten Höherpositionierung passt. So wird der Zweitwagen von einst laut Ford immer häufiger als vollwertiges Erstfahrzeug eingesetzt.

Flotte Fahrleistungen und akzeptabler Verbrauch

Einen großen Verkaufsanteil erwartet Ford vom Ecoboost-Triebwerk, das schon im über fünf Zentner schwereren Focus überzeugte. Mit seinen 125 PS und den 170 Nm Drehmoment bei niedrigen 1.400 Umdrehungen wuchtet der Ein-­Liter-Dreizylinder den Fiesta zackig nach vorn, wuselt motiviert durchs Drehzahlband und bleibt dank Ausgleichsgewichten auf der Schwungscheibe überraschend vibrationsarm. Zudem verbucht der Bonsai-Direkteinspritzer trotz bester Fahrleistungen mit 6,0 Liter auf 100 Kilometer den geringsten Verbrauch des Test-Trios.

Bestens zum Temperament des Turbomotors passt das agile Fahrverhalten des Fiesta. Auf Kommando seiner direkten und gefühlvollen Lenkung sticht er ansatzlos in Kehren und schiebt selbst bei Nässe verblüffend spät über die Vorderräder. Wenn es sein Fahrer übertreibt, schert er im Grenzbereich jedoch schon mal zickig mit dem Heck aus, bevor ihn sein ESP zurück in die Spur holt. Trotz seiner Agilität muss man nicht auf Federungskomfort verzichten, denn die neu abgestimmten Dämpfer sprechen vor allem auf kurze Stöße und Querfugen feinfühlig an.

Etwas mehr Feinschliff hätte dem Innenraum gutgetan. Den unteren Teil der Mittelkonsole schmückt jetzt zwar Klavierlackdekor, zudem wurden die Kunststoffe vereinheitlicht. Insgesamt wirken die verwendeten Materialien sowie das kleine Infotainment-Display jedoch immer noch sehr einfach. Geblieben ist zudem die mit verwirrend vielen Knöpfen überladene Mittelkonsole.

Renault Clio: viel Auto fürs Geld

Mit seinem sieben Zoll großen Monitor kommen im neuen Clio schon fast Kinogefühle auf. Das intuitiv bedienbare Infotainment-System navigiert mittels übersichtlicher 3-D-Karten, übernimmt die Sprachausgabe sowie Handhabung per Bluetooth gekoppelter Mobiltelefone und lässt sich über USB- und Klinkenstecker um einen MP3-Player erweitern. Das ­Beste daran: In den beiden höheren Ausstattungslinien Dynamique und Luxe ist es serienmäßig an Bord.

Überhaupt bietet die vierte Gene­ration des Clio viel Auto fürs Geld. Seine im Vergleich zur Konkurrenz rund zehn Zentimeter längere Karosserie beschert Passagieren sowie Gepäck die großzügigsten Platzverhältnisse. Darüber hinaus liefert ihn Renault serienmäßig als Viertürer aus, der durch die ansteigende Seitenlinie und kaschierte hintere Türgriffe auf Coupé macht. Ein sport­licher Zweitürer wird daher nicht vermisst. Designpakete mit bunten Dekorelementen bringen auf Wunsch Farbe ins Interieur. Ob man es schade findet, dass die Armaturenbretter in Blau, Havanna und Rot dem Topmodell Luxe vorbehalten bleiben, darf hingegen jeder selbst entscheiden.

Praktische Details im Franzosen

Im Alltag punktet der Clio lieber mit praktischen Details wie dem Motorhauben-Lift, verwechslungssicher markierten Einfüllstutzen für Öl, Kühlwasser und Scheibenreiniger sowie großen und günstig platzierten Ablagen. Bei umgeklappter Rückbank stört im Kofferraum allerdings eine massive Stufe das Ver­stauen sperriger Gegenstände. Seitenhalt­arme Sessel mit kurzer Sitzfläche passen ebenfalls nicht zum ansonsten hochwertig wirkenden Renault.

Wie im Fiesta werkelt im Clio ein Dreizylinder-Aggregat. Das aus dem Nissan Micra bekannte 0,9-Liter-Motörchen mit 90 PS wurde von Renault umfangreich überarbeitet – unter anderem von Kompressor- auf Turbo-Aufladung umgebaut. Mit 135 Nm entwickelt es ­allerdings nicht die Kraft der beiden Konkurrenzmotoren, darüber hinaus steht das maximale Drehmoment erst ab 2.500 Touren zur Verfügung. Von einem Turboschub ist daher wenig zu spüren.

Renault-Motor ist etwas schwach auf der Brust

Dass ihm der 35 PS kräftigere Fiesta davonfährt, verwundert nicht. Wohl aber, dass fleißiges Schalten und hohe Drehzahlen angesagt sind, um am ebenfalls 90 PS starken Polo dranzubleiben. Für die Effizienz des TCe-Motors spricht immerhin, dass der Verbrauch mit 6,4 Litern noch im Rahmen bleibt.

Im Rahmen halten sich beim Franzosen jedoch auch Agilität und Komfort. So stürzt sich der Clio verhalten motiviert in Kurven, schiebt recht früh über die Vorderräder und vermittelt mit seiner gefühllosen Lenkung den geringsten Straßenkontakt. Und das, obwohl er sich von der Hüpfballfederung seines R5-Urahnen aus den Siebzigern längst verabschiedet hat. Vor allem kurze ­Stöße poltern spür- und hörbar durch. Angesichts der Fortschritte an Karosserie und Motor könnte das Fahrwerk noch etwas Feinschliff vertragen.

VW Polo: bei Qualität und Komfort eine Klasse höher

Und jetzt hat mal wieder der Polo seinen Auftritt. In Sachen Qualitätsanmutung macht dem VW freilich nach wie vor keiner was vor. Ein Extra-Chromring hier, eine besonders flauschige Filzverkleidung dort: Vom Armaturenbrett bis in den letzten Winkel des Kofferraums begeistert der Klassenprimus mit liebe­vollen und hochwertigen Details. Mit ­seinem besonders ausgeklügelten Easy-Entry-Mechanismus sorgt er zudem selbst als Zweitürer für einen bequemen Fond-Einstieg und überzeugt mit klarer Instrumentierung, selbsterklärender Bedienung sowie bester Rundumsicht.

Während es für viele Kleinwagen nicht einmal ein Schiebedach zu kaufen gibt, zeigt der Polo mit Optionen wie Xenon-Scheinwerfern oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, dass er sich am konsequentesten an Käufer richtet, die sich auch ein größeres Auto leisten könnten. 

Beim Fahrgefühl schielt der VW ebenfalls eine Klasse höher. Mit seiner ausgewogenen Federung, geringen Karosseriebewegungen sowie dem unaufgeregten und sicheren Handling spult er sogar längere Strecken entspannt ab. Zumal der 1,2-Liter-TSI mit 90 PS als einziger Vierzylinder im Test nicht nur kultivierter läuft, sondern auch ein erwachsenes Klangbild beisteuert, kräftig durchzieht und kaum mehr verbraucht als die ­quirligen Dreizylinder.

Fazit

Der Polo hat immer noch die Nase vorn. Mit hoher Qualität, viel Komfort und kultiviertem TSI-Motor weist er die Konkurrenten in die Schranken. Dem Wolfsburger fehlen allerdings die neuesten Assistenzsysteme und auch das Infotainment-System mit kleinem Bildschirm und fehlender Radio-Senderliste will nicht so recht ins Premium-Bild passen. Mit seinem lebhaften Fahrverhalten sowie dem sparsamen Dreizylinder streicht der Fiesta den zweiten Platz ein. Der gut aus­gestattete Clio bietet zwar viel Platz und ein modernes Infotainmentsystem, am Ende reicht es aber aufgrund des schlappen Motors und mäßigen Handlings nur für Rang drei.

Autor

Foto

Werner Groeger-Meier

Datum

29. Oktober 2013
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