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Versicherung: Raser zahlen höhere Prämien

Telematiküberwachung könnte bei Flotten mit hohen Schadenquoten die Versicherungsprämien senken. Erste Pilotprojekte laufen, doch die Angst der Mitarbeiter bremst die Umsetzung.

Ein Versicherungstarif nach Fahrweise der Mitarbeiter könnte für viele Flottenbetreiber die Versicherungsprämien senken. Doch der strenge Datenschutz und die Angst vor einem schlechten Image bremsen die praktische Umsetzung der "Pay-as-you-drive"-Tarife. "Momentan sind uns keine Flottentarife bekannt, bei denen Prämien aufgrund des Fahrverhaltens erhoben werden", sagt Christos Sakalidis, Experte beim ­Versicherungsmakler Aon.

Dennoch laufen bei einigen deutschen Versicherungen erste Pilotprojekte. So testen R+V und HDI derzeit, wie Fahrtenschreiber zur Tarifierung eingesetzt werden können. Ein ausgereiftes System ­bietet die Zurich Versicherung mit Fleet Intelligence an. Obwohl technisch eine zeitnahe Totalanalyse des Fahrverhaltens längst möglich ist, gibt es noch kein ­Angebot auf dem Markt. Auch die ­Zurich bietet ihr System lediglich als Hilfe zur Kostensenkung, Unfallanalyse und Risikovermeidung an.

Telematikanbieter machen Druck

Für Flottenkunden mit sehr schlechtem Schadenverlauf, die von keiner Versicherung mehr angenommen werden – und wenn überhaupt, zu sehr teuren Konditionen –, könnten solche Systeme künftig die letzte Möglichkeit bedeuten, ihre Versicherungskosten im Rahmen zu halten. "Damit gehen die Versicherer derzeit regelrecht hausieren, jedoch ohne ­Erfolg", sagt Holger Mardfeldt, Geschäftsführer beim Versicherungsmakler Martens & Prahl.

"Druck machen auch die Telematikhersteller", sagt André Redl, Experte für Flottenversicherung beim Versicherungsmakler Oskar Schunck. Was möglich ist, demonstriert die Zurich Versicherung mit der britischen Babcock Rail, die eine Flotte von 200 Lieferwagen und Lkw besitzt. Mit Unterstützung der Zurich Risk re­duzierte sich innerhalb eines Jahres die Zahl der Unfälle um 30 Prozent, außerdem registrierte das Unternehmen 25 Prozent weniger Tempoverstöße. Gleichzeitig sank der Kraftstoffverbrauch um 13 Prozent.

Zielschadenquote liegt bei 75 Prozent

Derzeit liegt die Zielschadenquote der Versicherer für 2014 bei 75 Prozent. Das heißt: Die Schmerzgrenze für Schadenaufwendungen liegt bei einer Flotte, für die 100.000 Euro Prämie pro Jahr kassiert wird, bei 75.000 Euro Schadenaufwand. Sinkt dieser deutlich in Richtung Zielschadenquote oder sogar darunter, gibt es bei den Versicherungsprämien guten Verhandlungsspielraum.

Doch die Skepsis gegenüber Telematikangeboten vom Versicherer kommt in Deutschland weniger aus wirtschaft­licher Sicht. "Bedenken gibt es aufgrund der Sammlung und Auswertung persönlicher Daten", sagt Bernd Engelien, Presse­sprecher der Zurich Versicherung.

Erfolgreich sei man nur, wenn der Betriebsrat das System akzeptiere. Solche Probleme gebe es in anderen Ländern nicht. Tatsächlich sollen laut Michael Kainzbauer von der Toyota Insurance weltweit schon 37 Versicherer eine Telematik-Tarifierung testen oder praktizieren. Diese Entwicklung wird vor Deutschland auf keinen Fall haltmachen.

Noch verhindern ­Datenschutzprobleme die Einführung eines "Pay-as-you-­drive"-Tarifs auf dem deutschen Markt. Testläufe der Versicherungen WGV und DBV-Winterthur wurden mittlerweile ­sogar wieder beendet. Ein Gegner der mo­dernen Technik ist der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Er warnt davor, dass Arbeitgeber den Aufent­haltsort von Außendienstmitarbeitern überwachen oder die Daten Kollegen bekannt würden.

Ohne Betriebsrat läuft nichts

Schnell könnte dies in einen ökonomischen Zwang umschlagen, befürchtet Schaar. Daher sollte der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben. Auch aus diesem Grund testet die R+V Versicherung ihr eigenes "Pay-as-you-drive"-System mit eigenen Mitarbeitern. "Mit dem ­abgegrenzten Teilnehmerkreis war eine entsprechende Datennutzungsvereinbarung möglich und der Betriebsrat wurde natürlich eingebunden", erläutert Pressesprecherin Brigitte Römstedt.

Im europäischen Ausland sind die Kollegen der Generali-Versicherung deutlich weiter. Seit Februar gibt es hier einen "Zahle-wie-du-fährst"-Tarif in Kooperation mit dem Mobilfunkbetreiber Telefonica. Besonders gut fahrenden Kunden versprechen die Betreiber einen Prämienrabatt von bis zu 40 Prozent. Während die deutsche Generali eine Einführung in Deutschland derzeit nicht plant, ­möchte Telefonica – unter der Marke O2 bekannt – schon 2014 eine Technik namens "Insurance Telematics" einführen.

"Künftig könnten Flotten mit besonders schlechtem Schadenverlauf Telematiksysteme als gute Chance sehen", meint Mardfeldt, speziell in Kombination mit Maßnahmen aus dem Bereich Risk­management für Fahrer. Vor allem bei Dienstwagenflotten sei eine schnelle Umsetzung möglich. So lassen sich aus den Steuergeräten moderner Autos ohnehin alle Fahrzeugbewegungen und der Fahrstil des Fahrers auslesen. Die Daten müssten nur freigeschaltet, übermittelt und ausgewertet werden.

Versicherungsmakler unterstützen Telematiksysteme

Daher warten die Versicherungen – wie Allianz und Ergo freimütig zugeben – sehnsüchtig auf E-Call, das automatische Notrufsystem. Die Fahrzeuge vernetzen sich automatisch miteinander und die rechtlichen Hürden für 2Pay-as-you-­Drive"-Systeme dürften deutlich sinken.

Führende Versicherungsmakler haben angekündigt, dass sie ihre Kunden bei der Einführung solcher Modelle unterstützen würden. Anton Knitsch von der Funk-Gruppe geht einen Schritt weiter: "Sollte eine Gesellschaft gar in Vorkasse gehen, würden wir sicher mit einigen Kunden zu diesem Versicherer wechseln."

Riskmanagement

Zurich Fleet Intelligence

Mit "Fleet Intelligence" bietet die Zurich Gruppe eine neue Form des Risikomanagements für Flotten. Mit dem Einsatz von Telematik sollen Schadenkosten und Kohlendioxidausstoß optimiert werden. Das Angebot richtet sich an Fuhrparks ab 50 Fahrzeuge. Dazu wird im Fahrzeug eine sogenannte Blackbox installiert. Fuhrparkleiter und Experten der Zurich werten die daraus gewonnenen Daten aus und setzen gemeinsam entsprechende Optimierungsmaßnahmen auf. Das System erlaubt den Fahrern jederzeit einen Einblick in ihre persönliche Auswertung. Das soll dazu motivieren, die eigene Fahrleistung zu verbessern. Zusätzlich bietet die Versicherung individuell erstellte Trainings- und Schulungsbausteine zu Fahrverhalten und Verkehrssicherheit an. Damit lässt sich nach eigenen Angaben die Zahl der Unfälle um bis zu 20 Prozent reduzieren.

Autor

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ETM

Datum

1. Januar 2014
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