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Versicherung: Sag mir, wie Du fährst, und ich sage, was es kostet

Telematikbasierte Kfz-Tarife werden früher oder später kommen. Eine Studie untersucht, ob Kunden das gut finden.

Bei der Bemessung der Kfz-Prämie gehen Versicherer immer stärker auf individuelle Merkmale ein. Waren noch in den 80er Jahren nur wenige Kriterien wie Schadensfreiheits- und Regionalklasse genehmigt, entwickelte sich auf dem deutschen Versicherungsmarkt durch die Öffnung des europäischen Binnenmarktes und die damit einhergehende Deregulierung allmählich ein umfangreicher Katalog von prämienbestimmenden Kriterien. Heute erfolgt die Beitragsbemessung der Versicherer anhand von rund 100 objektiven und subjektiven Risikomerkmalen. Und die Individualisierung spitzt sich mit Big Data weiter zu. Ist eine Abkehr vom Solidarprinzip in der Kfz-Versicherung noch gerecht - oder gar gerechter? Das diskutierten Verbraucherschützer und Versicherungsexperten auf Einladung des HUK-nahen Goslar-Instituts.

Bereits 100.000 Telematikverträge in Deutschland

Die Vernetzung von Kraftfahrzeugen verändert nicht nur die Technik des Autofahrens, sondern auch die Autoversicherung. "Sage mir, wie Du fährst, und ich sage Dir, was es kostet" - mit diesem Motto gehen die Versicherer zusehends meist auf junge Autofahrer zu. Und mittlerweile existieren in Deutschland annähernd 100.000 Policen, in die dieses Prinzip eingeflossen ist. In Großbritannien sind es bereits eine Million. Wer seinen Fahrstil überwachen lässt und defensiv fährt, zahlt weniger, teils bis zu 40 Prozent. Telematik-Boxen im Auto zeichnen dabei eine Flut an Daten auf, aus denen die Versicherung den Kunden vermisst und einen Gefahrenwert ermittelt: starkes Bremsen und Beschleunigen, allgemeines Geschwindigkeitsniveau und Geschwindigkeitsübertretungen, Kurventempo, Anteil Landstraßenfahrten/Stadt/Autobahn, Tageszeit und sogar das Wetter werden beispielsweise dabei berücksichtigt.

Daten-Striptease für günstigen Tarif?

Einer Studie des Instituts für Versicherungswesen der Technischen Hochschule Köln zufolge finden Autofahrer in der Kfz-Versicherung - anders als in der Kranken- und Rentenversicherung mit ihrem Solidarprinzip - das Risikoprinzip durchaus gerecht. Neben einer Preisdifferenzierung nach Schadensfreiheit und Dauer des Führerscheinbesitzes findet es die Mehrzahl (58 Prozent) richtig, wenn die Kfz-Versicherung das Risikoverhalten des Fahrers einbeziehen würde.

Daten-Striptease, wenn der Preisvorteil lockt? Auf die Frage, wann ernsthaft in Erwägung gezogen würde, sich auf einen Telematik-Tarif einzulassen, bejahte ein Drittel der Befragten dies bei Einsparungen von 30 Prozent. Lediglich 31 Prozent äußerten eine grundsätzliche Ablehnung, die allgemein mit Datenschutzbedenken und Wahrung der Privatsphäre begründet wurde. Knapp die Hälfte (48%) schätzte, bei einem Telematik-Tarif mit ihrem aktuellen Fahrverhalten eine geringere Prämie zahlen zu müssen. Nur vier Prozent rechneten mit einem Anstieg.

Die Befragten sehen auch Vorteile in den telematischen Autoversicherungen. Wenn die Prämie vom Fahrstil abhängen würde und es regelmäßig eine Rückmeldung der Versicherung gäbe, dann würden die meisten Fahrer wahrscheinlich etwas vorsichtiger sein, schätzten 70 Prozent, und fast jeder Zweite äußerte, dass er dann selbst vorsichtiger unterwegs sei. Damit könnte die Telematik sogar über die Hintertür Kfz-Versicherung für mehr Verkehrssicherheit sorgen.

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Datum

31. Januar 2017
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